D: Konzentration in der Milchwirtschaft erwartet

Zahlreiche Ausblicke auf die Zukunft der deutschen Milchwirtschaft hat das Milchforum des Deutschen Bauernverbandes (DBV) im Rahmen der Berliner Grünen Woche geboten. Gedämpften Optimismus zeigte Staatssekretär Gerd Müller (LW-Ministerium) bezüglich der Perspektiven für die Branche, die sich um betriebliche bemühen müsse.
Die Situation der deutschen Milchwirtschaft wird teilweise sehr unterschiedlich beurteilt.
Die Situation der deutschen Milchwirtschaft wird teilweise sehr unterschiedlich beurteilt.
Eine Zunahme an Fusionen und Übernahmen von Molkereien erwartete Analyst Mark Voorbergen von der Rabobank in den nächsten 24 Monaten. Nachdem die jüngste Krisensituation einigermaßen bewältigt sei, dürften sich die Unternehmen wieder strategischen Aufgaben zuwenden und aus einer erzielten Gleichgewichtssituation nächste Veränderungen vorbereiten. Dabei suchten Verarbeiter nach Ergänzungen in ihrem Angebotssortiment, um die Volatilität der Märkte zukünftig besser abfedern zu können.

Gleichgewichte finden
Die Preisvolatilitäten erforderten mehr Flexibilität bei der Verwendung von Überschussmengen, kürzere Reaktionszeiten und ein tieferes Verständnis der Fundamentaldaten von den Molkereien. Insbesondere Genossenschaften in EU-Wachstumsregionen seien gefordert, das richtige Gleichgewicht zwischen Mengen- und Wertsteigerungswachstum zu finden, prognostizierte der Analyst. Der globale Milchmarkt bietet laut Voorbergen Chancen, denn das Nachfragewachstum werde fast zu historischen Raten von etwa 2 bis 3% zurückkehren. Diese Steigerung werde nicht ohne das Angebot aus der EU und den USA befriedigt werden können.

Dominierende Marktmacht des LEH stört Preisfestsetzung
Defizite in der Wettbewerbsfähigkeit belasteten die deutschen Milchverarbeiter im Verhältnis zu ihren Abnehmern im Lebensmitteleinzelhandel (LEH), führte Staatssekretär Müller weiter aus. Deshalb finde die Preisfestsetzung nicht mehr nach Angebot und Nachfrage statt, sondern werde durch die dominierende Marktmacht des LEH gestört: "Wir müssen hier reagieren", stellte Müller fest und bot dem DBV eine Zusammenarbeit an. Zur Belebung der Nachfrage könne das Bundeslandwirtschaftsministerium die mit dem Absatzfonds weggefallenen Millionen Euro der Wirtschaft zwar nicht ersetzen, es sehe jedoch eindeutig den Bedarf an einer erfolgreichen Inlandswerbung. Wichtig sei ferner für die Zeit nach der Produktionsbegrenzung durch die EU-Milchquote die Erarbeitung einer Strategie für den Absatz in Drittländern. Über das milchpolitische Sicherheitsnetz nach 2015 werde derzeit intensiv diskutiert.

Bundeskartellamt: Markttransparenz hilft primär den Stärkeren
Weiters erläuterte Birgit Krueger vom Bundeskartellamt die vor einer Woche veröffentlichten Zwischenergebnisse einer Sektoruntersuchung ihres Hauses zur Marktmacht in der Milchwirtschaft. Die häufig - und auch auf dem Milchforum - hinterfragte Kritik an einer zu großen Markttransparenz erklärte Krueger mit deren Nutzen für die verschiedenen Handelspartner: Markttransparenz helfe fast immer dem stärkeren Partner deutlich mehr als dem schwächeren. Fast nie könne der Schwächere seine Position in Verhandlungen mit Hilfe von erhöhter Markttransparenz verbessern. Im Milchsektor sei dem LEH beispielsweise die Angebots- und Preissituation der Molkereien differenziert bekannt. Dieses Wissen werde in Listungsverhandlungen vom LEH genutzt.

Unterschiedliche Beurteilung der Markttransparenz
DBV-Präsident Gerd Sonnleitner zeigte sich irritiert über die unterschiedliche Beurteilung der Markttransparenz durch das Bundeskartellamt und durch eine hochrangige Expertengruppe zur Beratung der EU-Kommission für die Reform der Milchmarktpolitik. Die Expertengruppe hatte in der vergangenen Woche weitgehend übereinstimmend die Bedeutung der Transparenz für die Verhandlungsmacht der Erzeuger unterstrichen. Erstaunen rief im Milchforum ferner Kruegers Feststellung hervor, es gebe keine ausreichenden Anhaltspunkte für ein wettbewerbswidriges Verhalten des LEH. Preisvorteile aus verbesserten Konditionen würden sowohl im Marken- als auch im Handelsmarkenbereich im Regelfall an die Verbraucher weitergegeben. Hinweise auf Preisabsprachen gebe es gleichfalls nicht. (AIZ)

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Aktualisiert am: 21.01.2010 11:04
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