Controlling als Hilfe zur Zielerreichung.

Jeder Betriebsleiter möchte wissen, wo der Betrieb aktuell steht und sich Ziele setzen. Aufzeichnungen wie Buchführung oder LKV-Daten und die entsprechenden Auswertungen sind hierbei unverzichtbar.
Es kann sehr hilfreich sein, sich die Ziele und Maßnahmen laufend plakativ vor Augen zu führen.
Es kann sehr hilfreich sein, sich die Ziele und Maßnahmen laufend plakativ vor Augen zu führen.
Was bedeutet das viel strapazierte Wort „Controlling“ eigentlich? „To control" oder „Controlling" bedeutet sinngemäß „Lenkung“ und „Steuerung“ eines Vorganges. Controlling wird oft (fälschlicherweise) mit Kontrolle übersetzt. Während es sich bei Kontrolle um einen rückschauenden Vorgang handelt (was war?), bezieht sich Controlling auf eine vorausschauende, planerische und dynamische Betrachtung. Der Unterschied zwischen Controlling und Management besteht darin, dass das Controlling analysiert und empfiehlt, das Management muss entscheiden und veranlassen. Im landwirtschaftlichen Betrieb sind die verschiedenen Funktionen (Geschäftsführer/Manager, Buchhalter, Controller, Melker, Traktorfahrer, etc.) zumeist auf ein paar wenige Personen aufgeteilt oder konzentrieren sich mitunter auch auf eine Person. Beim Begriff Controlling denken die meisten an Finanzcontrolling oder Kostencontrolling. Es kann aber auch auf andere Bereiche wie Produktionstechnik ausgeweitet werden (z.B. Qualitätscontrolling über Zellzahlwerte, Fütterungscontrolling über Kotkonsistenz oder Body Condition Score). Grundlage ist jeweils das Führen von Aufzeichnungen und eine klare Festlegung von Zielen bzw. Kennwerten.

Aufzeichnungen führen - Ziele festlegen – Werte vergleichen
Was ist zu beachten, um ein Ziel konsequent verfolgen bzw. erreichen zu können? Genaue Aufzeichnungen über den Betriebszweig sind die wichtigsten Voraussetzungen zur sinnvollen Anwendung des Controllings am eigenen Betrieb. Hier können technische Hilfsmittel (versch. Computerprogramme, Eingabemöglichkeiten im Melkstand oder Traktor, mobile Computer) unterstützen. Wichtig ist, dass überhaupt dokumentiert wird. Die laufende Prüfung verschiedener Zielgrößen erlaubt es, bei Abweichungen rasch gegenzusteuern und Fehler rechtzeitig zu erkennen. Die Ziele können für die verschiedensten Bereiche definiert werden. Es sollten nicht nur rein betriebliche Ziele (Deckungsbeiträge, Produktionstechnik, etc.) verfolgt werden, sondern durchaus auch Ziele abseits der eigentlichen Arbeit. So kann ein Ziel für die Familie lauten, mindestens 1mal monatlich ins Kino zu gehen oder einen Ausflug zu machen.

Erstes Ziel - beginnen
Es ist klar festzuhalten, dass man in der Landwirtschaft mit Pflanzen und Tieren arbeitet und nicht mit Maschinen. So können die erzeugten Mengen nicht per Regler verändert werden. Eine Reihe von unerwarteten Ereignissen kann Ziele und Planungen rasch und massiv beeinflussen. Aber gerade hier hilft das Controlling, den Überblick nicht zu verlieren und den Kurs beibehalten zu können. Für Weiterentwicklungen ist auch eine gewisse Veränderungsbereitschaft Voraussetzung. Aufzeichnungs-, Auswertungs- und Vergleichsarbeiten sind für die Betriebe mindestens so wichtige Tätigkeiten wie die tägliche Arbeit in Stall und auf dem Feld. Erfolgreiche Landwirte sind jene, die ihre gesteckten Ziele konsequent verfolgen. Es ist klar, dass ein perfektes und bis ins letzte Detail ausgefeiltes „Controlling“ nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann. Kleine aber stetige Schritte können es entstehen lassen, entwickelt und in den Betrieb integriert werden. Das erste Ziel ist daher, einfach damit zu beginnen! Auch wenn die oben beschriebenen Vorgänge und Möglichkeiten sehr theoretisch erscheinen und so manche Bezeichnung etwas „fremd“ oder „verenglischt“ klingen mag, so zeigt sich in der Praxis, dass viele Landwirte diese Maßnahmen konsequent einsetzen und die Instrumente erfolgreich nutzen. Und darauf kommt es an.

Autor: DI Michael WÖCKINGER, Landwirtschaftskammer Oberösterreich


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Aktualisiert am: 17.02.2010 16:36
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