Claas: Telematics in der praktischen Erfahrungen

feiffer consult hat sich mit Hilfe von Telematics auf die Suche nach den verloren Zeiten gemacht, denn es ist mittlerweile eine gesicherte Erkenntnis, dass Mähdrescher nur noch etwa 50 % ihres Leistungspotenzials auf dem Feld umsetzen, mit einer Schwankungsbreite von 30 bis 90 %. Die immer wiederkehrende Frage ist: Wo bleibt denn eigentlich die Leistung auf der Strecke?
Mit Telematics lässt sich die Effizienz einer Hochleistungsmaschine deutlich steigern.
Mit Telematics lässt sich die Effizienz einer Hochleistungsmaschine deutlich steigern.
Die Frage nach der Effizienz hat man früher versucht, mit der Stoppuhr zu beantworten, indem Heerscharen von Leuten zu den Mähdrescherkomplexen geschickt wurden, um alle Prozesszeiten wie Wege, Drusch, Reparatur, Pausen, Abbunkern usw. aufzunehmen. Diesen Zeit- und Personalaufwand können sich private Agrarunternehmen nicht leisten. Und dennoch sind derartige Aufzeichnungen in Verbindung mit der Analyse des Erntegeschehens der wichtigste Schritt für Schlussfolgerungen und Taten. Die Reserven sind gerade im Mähdrusch außergewöhnlich hoch und zugleich sind die Einsatzzeiten sehr kurz. Deshalb ist es notwendig schnell an Daten heran zu kommen, um sowohl in der laufenden Ernte operativ eingreifen zu können als auch für die kommende Ernte strategische Veränderungen abzuleiten.

Wo ist der Nutzen?
Informationssysteme bringen auf breiter Front ihren Nutzen mit zahlreichen Synergieeffekten. Trotzdem lassen sich diese vielen Faktoren nur schwer bewerten und nachweisen.
Ein Telematicssystem von Claas kostet in der Anschaffung ca. 4.000 Euro je Mähdrescher. Software, Datentransfer, Signalgebühren u.a. liegen noch bei etwa 1.000 Euro je Mähdrescher und Jahr.
Wenn aus der Analyse der Arbeitszeiten Veränderungen zur Verbesserung des Ablaufes vorgenommen werden, wenn durch angepasste Einstellungen die Leistung erhöht und die Kornqualität gesichert wird, wenn Fahrerfehler berichtigt werden z.B. mit 1.000 Liter zu viel Dieselverbrauch und die Verfahrenstechnik optimiert wird und dabei nur 0,5 % Gesamtverlustsenkung erzielt wird, sind das bereits 2.500 Euro jährlich an Nutzen bei einer Einsatzfläche des Mähdreschers auf 500 Hektar. Jeder wird sich leicht ausrechnen, dass hier viel mehr drin ist auch in Betrieben, deren Ernte äußerlich betrachtet gut organisiert ist. Es geht beim Mähdrusch angesichts halber Leistungsausschöpfung nicht darum mit Telematics das i-Tüpfelchen herauszuholen, sondern es ist einfach zwingend den Prozess effizienter zu gestalten.
Ein nicht zu unterschätzender monetärer Faktor ist der Erkenntnisgewinn in Bezug auf Sorten- und Anbaustrategien. Ebenso wichtig ist, dass der Betriebsleiter besser in der Druschmaterie steht, deren Wissen sonst dem Fahrer vorbehalten bleibt und umgekehrt der Fahrer um die ökonomischen Auswirkungen seines Tuns erfährt. Eine monetäre Vergütung wird möglich, ebenso eine vertrauensbasierte Abrechnung zwischen Landwirt und Dienstleister.
Auch die Werkstatt kann in dieses System eingebunden werden. Quasi im lautlosen Datenverkehr wird der Zustand der Maschine überwacht. Bei akuten Zuständen oder drohenden Havarien erfolgt eine Meldung an die Werkstatt. Bei Schäden werden die Fehlercodes mit Fernabfrage eingelesen und der Servicetechniker kommt gleich mit den richtigen Ersatzteilen auf das Feld. Damit werden Ausfall- und Stillstandszeiten reduziert.

Telemetriesysteme werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen, weil sie die notwendigen Informationen liefern, um einen hochtechnisierten und komplexen Prozess zu optimieren.

Autorin: Andrea FEIFFER, feiffer consult Beratung, Sondershausen (D)


Aktualisiert am: 07.07.2009 13:20
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