CTF: Pflanzenbau auf festen Spuren

Mit Controlled Traffic Farming (CTF) werden Fahrspuren und Wachstumsraum konsequent voneinander getrennt. Der Beitrag zeigt die Möglichkeiten dieser Befahrstrategie auf.
Die bisherigen Erfahrungen mit CTF legen nahe, dass eine kontrollierte Befahrung auch unter hiesigen Bedingungen Vorteile bieten könnte.
Die bisherigen Erfahrungen mit CTF legen nahe, dass eine kontrollierte Befahrung auch unter hiesigen Bedingungen Vorteile bieten könnte.
Ein altbekanntes Problem im Ackerbau sind Oberbodenverdichtungen, die schlechte Feldaufgänge und Ertragsreduktionen bewirken können. Der Verdichtungseffekt wird mit größeren Reifenaufstandsflächen zwar vermindert, in der Regel ist aber trotzdem immer noch eine mehr oder weniger tief gehende Bearbeitung zur Lockerung des Bodens vor der Saat notwendig. Gerade Mulch- und Direktsaatsysteme, die die Gefahr von Erosion und Unterbodenverdichtung senken, kämpfen im Vergleich zum Pflug mit einer häufig schlechteren Jugend- und Ertragsentwicklung. Messungen zeigten auch, dass der Sauerstoffgehalt in der Bodenluft bei feuchten Bedingungen unter Direktsaatböden kritisch niedrige Werte erreicht.
Der Ansatz des Controlled Traffic Farming (CTF) geht einen anderen Weg. Sämtliche Fahrzeuge fahren mit aufeinander abgestimmten Arbeitsbreiten und Spurweiten auf permanenten Fahrgassen. Außerhalb der Spuren wird der Boden nicht mehr befahren. Der Einsatz großer Arbeitsbreiten und die Verwendung schmaler Reifen halten den Anteil der befahrenen Fläche gering.
Die Erforschung und Entwicklung von Systemen zur kontrollierten Befahrung begann bereits vor mehreren Jahrzehnten in England und wurde in der Folge auch in Australien, Dänemark und den Niederlanden aufgenommen. Eine erhöhte Wasserinfiltration, lockerere Bodenstrukturen, unbehinderter Gasaustausch, verminderte Erosionsanfälligkeit, verbesserte Feldaufgänge, intensivere Durchwurzelung und stabilere Erträge wurden beobachtet. Im Wurzelraum sind Nährstoffe inklusive Wasser und Sauerstoff besser verfügbar. Eine bessere Bodenstruktur bedeutet auch mehr Sauerstoff in der Bodenluft. Daraus ist zu erwarten, dass deutlich weniger treibhausschädliches Lachgas (N2O) gebildet wird. In Folge der offenen Bodenporen könnte sich das System auch günstig auf die Gefahr von Nährstoffabschwemmungen auswirken. „Seit wir CTF betreiben, haben wir viel weniger Oberflächenabfluss. Daher sind unsere Trinkwasserbecken fast leer, während die der Nachbarn gefüllt sind. Da wir aber kein Vieh mehr haben, ist dies für uns auch kein Problem“ berichtet Warwick Holden, ehemaliger Präsident der Controlled Traffic Farmers Association in Australien.
Nach Untersuchungen und Ergebnissen aus der Praxis sind abhängig vom Anteil der befahrenen Flächen Ertragssteigerungen von 5-10 % realisierbar. Der Zuwachs resultiert vor allem aus dem höheren Ertrag der unbefahrenen Fläche, der auch den Minderertrag der einmalig bei Aussaat und Ernte befahrenen Spuren ausgleicht.

Europa holt auf
Um möglichst wenig Fläche zu überfahren, orientieren sich bei klassi-schen CTF-Systemen die Spurweiten aller Fahrzeuge an der breitesten Maschine. In der Regel ist dies der Mähdrescher. Die Achsen der Trakto-ren und Anhänger werden auf 3,0-3,2 m verbreitert und die Reifenbreite auf etwa 50-60 cm reduziert. Der Anteil unbefahrener Fläche steigt dann auf 80-90 %.
Neben den hierbei entstehenden Investitionskosten müssen auch Kompromisse durch die geringere Tragfähigkeit der Reifen und die damit reduzierte Höchstgeschwindigkeit eingegangen werden. Das Hauptproblem ist allerdings die zulässige Gesamtbreite von landwirtschaftlichen Fahrzeugen. Ein Traktor mit einem Außenmaß von 3,5 m darf in vielen Ländern nicht mehr im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden.
Der Einbezug häufig schwerer Maschinen für die Ernte unter oft feuchten Bedingungen im Herbst ist ein offener Punkt. Bei Rüben und Kartoffeln ist die Ernte von den Fahrgassen aus noch nicht zufriedenstellend gelöst. Bei einem 6-reihigen Rübenroder beträgt die Arbeitsbreite nur 3 m. Kartoffelroder haben noch wesentlich schmälere Arbeitsbreiten. Zudem sind heute im Vergleich zu früher gerade auch aus Gründen des Bodenschutzes Bunkermaschinen mit ganzflächiger Lastverteilung Standard. Wie sich die Ernte dieser Kulturen in ein CTF-Konzept einbinden lässt, muss noch erarbeitet werden.

Autoren: Martin HOLPP und Dr. Thomas ANKEN (ART Tänikon), sowie Dr. Oliver HENSEL (Universität Kassel)


Aktualisiert am: 20.01.2010 16:45
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