CTF - Controlled Traffic Farming

Entsprechend Kultur, Arbeitsbreite oder –gang wechseln Fahrspuren auf Acker- und Grünlandflächen. Dabei entstehen Verdichtungen. Spursysteme zur Trennung von Fahr- und Wachstumsraum reduzieren die befahrene Fläche.
Generell bedingen CTF-Systeme, dass Landwirte die Fahrspuren sorgfältig planen und umsetzen.
Generell bedingen CTF-Systeme, dass Landwirte die Fahrspuren sorgfältig planen und umsetzen.
Permanente, über Jahre beibehaltene Fahrgassensysteme für alle Arbeitsgänge bezeichnet man als Controlled Traffic Farming (CTF). Diese Befahrungsstrategie lässt sich mit satellitenbasierten Lenksystemen umsetzen. Dabei gilt es, den Anteil befahrener Fläche gering zu halten. Das gelingt durch große Arbeitsbreiten, einheitliche Spurweiten und die Verwendung schmaler Reifen. Das Bodenverdichtungsrisiko beschränkt sich auf einen geringen Flächenteil, der Großteil der Flächen ist permanent vor befahrungsbedingten Verdichtungen geschützt.

Stand der Entwicklung
CTF begann mit der Verfügbarkeit erster satellitenbasierter Lenksysteme für Traktoren Mitte der 1990er-Jahre in Australien. Bis heute ist diese Strategie in Europa nur wenig verbreitet. Pioniere in Großbritannien, Holland, Skandinavien und Rumänien haben CTF-Systeme im Acker- und Gemüsebau auf wenigen 10.000 ha eingeführt. Für die zögerliche Umsetzung sind vor allem technische Gründe in den Bereichen Lenksysteme, Spurweiten und Arbeitsbreiten verantwortlich.
In der Schweiz untersuchte die Forschungsanstalt Agroscope Tänikon von 2008 bis 2012, ob sich durch CTF in Kombination mit weiteren technischen Vorsorgemöglichkeiten die Leistungsfähigkeit von Anbauverfahren wie Getreide und Feldfutter unter Direktsaat verbessern ließe. Im Feldversuch mit den Kulturen Winterweizen, Wintergerste, Feldfutter und Silomais, mit Standardmaschinen und niedrigen Reifendrücken (generell 0,8 bar) wurden die Varianten Pflug, konventionell befahrene Direktsaat und CTF-Direktsaat verglichen.

Deutliche Unterschiede
Durch den niedrigen Kontaktflächendruck bildeten sich weder in den intensiv befahrenen Pflegefahrgassen noch in den wenig bzw. nicht befahrenen Flächen Fahrspuren. Auch der Unterboden war zu keiner Zeit gefährdet. Es zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede in der Bodenstruktur. Unter den Pflegefahrgassen erreichten die Oberbodenparameter kritische Werte und die Biomasseerträge gingen zurück.
Nach bereits zwei Jahren wiesen die unbefahrenen Flächen der CTF-Variante nach der Pflugvariante die niedrigsten Bodeneindringwiderstände auf. Die nur während Saat und Ernte befahrenen Flächen der CTF-Variante folgten mit einigem Abstand und waren mit der zufällig befahrenen Direktsaat vergleichbar.
Der Sauerstoff-(O2) und Kohlendioxid-(CO2)-Gehalt der nicht und gering befahrenen CTF-Flächen unterschieden sich zum Teil deutlich.
In der für die Jugendentwicklung wichtigen Bodentiefe von 10 cm lag die O2-Versorgung in den nicht befahrenen Bereichen in 90 % aller Messungen im optimalen Bereich von >15 %, in den gering befahrenen in 75 % der Messungen.
Die CO2-Konzentrationen lagen in den nicht befahrenen Bereichen in 60 % der Messungen und in den gering befahrenen in nur gut 30 % der Messungen im Optimum bis 2 %.

CTF verringert die Gefahr der Bodenverdichtungen durch Befahren. Das Verfahren senkt den Aufwand für Bodenbearbeitung und erhöht die Infiltration und Wasserspeicherung der Böden. CTF-Systeme sind mit den heute zur Verfügung stehenden Standardmaschinen in vielen Bereichen realisierbar.
Ein „CTF-light“, bei dem feste Fahrspuren nur für schwere Fahrzeuge und Maschinen wie Güllefässer genutzt werden, könnte ein sinnvoller erster Schritt Richtung permanente Fahrspuren sein. Alle Arbeiten, die unter günstigen Bedingungen mit geringem Verdichtungsrisiko und tiefen Kontaktflächendrücken erfolgen, lassen sich dann ohne Befahrungseinschränkungen durchführen.

Weitere interessante Details zu Ertragsunterschieden mit und ohne CTF, zu Spurweiten und Reifenbreiten, zur Planung und Umsetzung von CTF, zu CTF bei Mähdruschkulturen und im Grünland erläutern die beiden Autoren Martin Holpp und Thomas Anken von der Schweizer Forschungsanstalt Agroscope in Tänikon – siehe „Der fortschrittliche Landwirt“ Ausgabe 10/2013 (Erscheinungstermin, 16. Mai 2013).

Aktualisiert am: 07.05.2013 18:44
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