Brunner steuert bei der Agrarreform um

Bayern endlich geschlossen gegen drohende Nachteile für Bauern.
Über 50 % der Betriebe werden in Bayern im Nebenerwerb geführt. Besonders sie trifft eine Einstufung "unechte Landwirte".
Über 50 % der Betriebe werden in Bayern im Nebenerwerb geführt. Besonders sie trifft eine Einstufung "unechte Landwirte".
Staatsminister Helmut Brunner kämpft nun entschieden gegen noch mehr Agrarbürokratie, das geplante Greening und gegen eine mögliche Ausgrenzung von Bauern, wie sie die EU-Pläne zum „aktiven Landwirt“ vorsehen. Das geht aus einer Pressemitteilung des bayerischen Landwirtschaftsministeriums hervor, in der Brunner die EU-Kommission auffordert, ihre Pläne für die künftige EU-Agrarpolitik noch einmal zu überdenken.
Nach den bisher durchgesickerten Informationen bestätigen sich jedoch die Befürchtungen des Berufsstandes, dass gerade bayerische Bauern benachteiligt werden könnten: Um einige wenige „unechte Landwirte“ von der Förderung auszuschließen, müsste künftig jeder zweite bayerische Betrieb Nachweise über alle seine Einkunftsarten vorlegen, die wiederum von der Verwaltung kontrolliert werden müssten. Das bedeutet für rund 50.000 Betrieben noch mehr unnötige und unsinnige Bürokratie. Noch schlimmer ist, dass die neue Regelung viele Nebenerwerbler, Anbieter von Bauernhofurlaub und anderer wichtiger Betriebsformen von den Direktzahlungen ausschließen würde.


Hintergrund
Der europäische Agrarkommissar Dacian Ciolos hat für Mittwoch, den 12. Oktober 2011 die offizielle Vorstellung seiner Verordnungsentwürfe für die EU-Agrarpolitik von 2014 bis 2020 angekündigt. Nach den bisher durchgesickerten Informationen sollen nur noch „aktive Landwirte“ EU-Direktzahlungen bekommen. Mit dem Abgrenzungskriterium eines Mindest-Einkommensanteils aus der Landwirtschaft schadet die EU-Kommission jedoch nach Analyse des Bauernverbandes vor allem denjenigen Betrieben, die sie eigentlich stärken möchte. Gerade die Nebenerwerbsbetriebe, deren Anteil in Bayern über 50 Prozent und in manchen Landkreisen, insbesondere in Franken, sogar über 75 Prozent beträgt, stehen hier im Fokus. Die Diversifizierung, die den Betrieben zusätzliche Einkommensquellen durch außerlandwirtschaftlichen Zuerwerb, Direktvermarktung, Erzeugung nachwachsender Rohstoffe, Bauernhofurlaub und vielen anderen Dienstleistungen ermöglicht, ist heute mehr die Regel als die Ausnahme auf bayerischen Bauernhöfen. Genau das könnte bei der Abgrenzung der „aktiven Landwirte“ für die Betriebe jedoch zum Bumerang werden.


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Aktualisiert am: 07.10.2011 11:14
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