Borkenkäferschäden nehmen zu

Die österreichische Forstwirtschaft war 2009 mit unerwartet hohen Borkenkäfer-Schadholzmengen konfrontiert. Vielerorts wurden auch Nadelpilze an Lärche und Rost an Fichte dokumentiert.
Heuschreckenfraß an Lärchennadeln durch Miramella cf. alpina.
Heuschreckenfraß an Lärchennadeln durch Miramella cf. alpina.
Das Jahr 2009 war um durchschnittlich ein Grad Celsius zu warm - bei ausgeprägten Temperaturgegensätzen - und deutlich niederschlagsreicher als nach den langjährigen Mitteln. Insgesamt wurde laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) um 80 % mehr Niederschlag gemessen. Der Winter 2008/09 brachte im Februar sowie März sehr große Schneemengen (teilweise über vier Meter Neuschnee), aber auch der frühe Wintereinbruch im folgenden Oktober war schneereich. Die Bezirksforstinspektionen meldeten 414.000 Festmeter Schadholz infolge Schnees. Bemerkenswert sind die hohen Lawinen-Schadholzmengen (112.000 Fm). Die Windwurfschäden betrugen 1,3 Millionen Festmeter.

Borkenkäferschäden
Die Borkenkäfer-Schadholzmenge von 2,87 Millionen Festmetern ist neuer Rekord für Österreich: ein Anstieg um die Hälfte im Vergleich zu 2008. Die höchsten Schäden wurden in jenen Gebieten festgestellt, in denen die Winterstürme 2008 Hochlagenbestände schwer geschädigt hatten. Wie wiederholt beobachtet, beginnt eine Borkenkäfergradation als Folge von abiotischen Schäden (Sturm und Schnee) erst in der zweiten nachfolgenden Vegetationsperiode. Zunächst wirken die umgeworfenen oder gebrochenen Stämme noch wie Fangbäume und locken so die lokal vorhandenen Borkenkäfer an. Wenn diese Bäume voll belegt oder durch Austrocknung nicht mehr für Käferbruten geeignet sind, werden die angrenzenden, meist zusätzlich durch Wurzelverletzungen oder Nadelverlust gestressten Bäume befallen. Beim Buchdrucker wurden im Jahr 2009 meist zwei, vollständig entwickelte Generationen gebildet. Nach Daten des Österreichischen Borkenkäfermonitorings (Pheromonfallenfänge) dürfte sich in den höheren Lagen jedoch nur eine Generation entwickelt haben. Es wird aber häufig übersehen, dass vor allem in der ersten Jahreshälfte die Buchdruckerweibchen noch weitere Bruten, so genannte Geschwisterbruten anlegen, die sich dann zeitversetzt entwickeln. Im Sommer 2009 wurden sehr häufig Fichten beobachtet, deren Kronen noch völlig grün benadelt waren, obwohl bereits die Rinde infolge des Borkenkäferfraßes aufplatzte oder abfiel. Die gute Wasserversorgung durch den schneereichen Winter dürfte die wichtigste Begründung dafür sein.

Weitere Schadinsekten
Nach den Ergebnissen des DWF kam es 2009 zu einer Zunahme der Lärchenminiermotten-Schadensfläche. Es dürften jedoch mehrere Faktoren neben der Miniermotte das Braunwerden der Nadeln und die Kronenverlichtung verursacht haben:
• Nadelpilze Mycosphaerella laricina, Meria laricis sowie Hypodermella laricis
• Läuse (Adelges geniculatus)
• Gallmücke Dasineura laricis
• Blattwespe Pristiphora laricina
• Heuschrecke Miramella (vermutlich Miramella alpina)
Ein bisher noch nie beobachteter Heuschrecken-Fraß an Lärchennadeln wurde im Raum Bubendorf (Gemeinde Pilgersdorf, Burgenland) im Laufe des Sommers festgestellt. Betroffen waren sowohl Jung- als auch Altbäume.

Autoren: DI Dr. Christian TOMICZEK, Dr. Thomas L. CECH, Ing. Alfred Fürst, Dipl.-Biol. Ute HOYER-TOMICZEK, DI Hannes KREHAN, DI Bernhard PERNY und DI Gottfried STEYRER, Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft


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Aktualisiert am: 21.04.2010 17:15
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