Bodendruck: „Wir betreiben flächige Bodenversiegelung.“

Seit 30 Jahren bewirtschaftet Hermann Pennwieser seinen Betrieb biologisch. Der Pionier aus der Gemeinde Schwand in Oberösterreich setzt sich intensiv mit der Bodenfruchtbarkeit auseinander. Im Interview erklärt er, warum die Politik kleinere Betriebe stärker fördern soll.
Bio-Pionier Hermann Pennwieser aus Schwand in Oberösterreich setzt sich intensiv mit der Bodenfruchtbarkeit auseinander.
Bio-Pionier Hermann Pennwieser aus Schwand in Oberösterreich setzt sich intensiv mit der Bodenfruchtbarkeit auseinander.
Herr Pennwieser, Sie forschen und lehren zum Thema Bodenfruchtbarkeit. Ist die Bodenfruchtbarkeit der Schlüssel im Biolandbau?

Definitiv, aber es gehört mehr dazu. Es ist wichtig zu verstehen, dass wir Teil eines Kreislaufs sind. Im fruchtbaren Boden werden die organischen Stoffe umgebaut und von den Pflanzen aufgenommen. Wir nehmen diese Eiweißbausteine durch die Lebensmittel auf, und über Ausscheidungen gelangen die organischen Stoffe wieder in den Boden. Das ist der Kreislauf des Lebens. Je fruchtbarer der Boden ist, desto gesünder sind die Lebensmittel. Das ist der Schlüssel im Biolandbau.

Sie haben in den vergangenen 30 Jahren den Biolandbau mitentwickelt. Wo stehen wir in 10 Jahren?

Wir machen eine sehr gefährliche Entwicklung durch. Der Biolandbau befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen seinen hohen Idealen auf der einen Seite und den Regeln des freien Marktes auf der anderen Seite. Bio darf nicht auf „konventionell mit Auflagen“ reduziert werden, sondern Bio hat einen ganzheitlichen Ansatz. Leider werden diese hohen Ideale oft verwässert, wenn es nur darum geht Masse zu produzieren.

Sie kritisieren, dass auch Biobauern wachsen oder weichen?

Wenn wir nicht gegensteuern, sind wir in 20 Jahren dort, wo jetzt die konventionelle Landwirtschaft ist. Dann geben die kleineren Betriebe auf und werden von größeren übernommen, die später wieder von größeren Betrieben übernommen werden.
Seit 30 Jahren führt Hermann Pennwieser seinen Betrieb mit Ackerbau und Schweinemast biologisch.
Seit 30 Jahren führt Hermann Pennwieser seinen Betrieb mit Ackerbau und Schweinemast biologisch.


Wie kann man da gegensteuern?

Wir sollten im Biolandbau weg von den Mindeststandards hin zu einem Belohnsystem. Wer zum Beispiel billige Biofuttermittel aus Rumänien oder China importiert, hat zwar einen Vorteil am Markt, den Idealen von Bio entspricht das aber nicht. Was spricht zum Beispiel gegen gestaffelte Preise oder gegen einen Abschlag ab einer Milchleistung von 6.000 kg? Damit würde man kleinere und weniger intensiv wirtschaftende Betriebe, welche die Ideale des Biolandbaus hochhalten, belohnen. Derzeit wird der Kleinbetrieb durch den Skaleneffekt gegenüber dem größeren Betrieb benachteiligt. Ein Solidarzuschlag würde das ausgleichen. Ansonsten wird der Biolandbau durch die Gesetze des freien Marktes aufgerieben.

Zurück zur Bodenfruchtbarkeit: Welche drei Faktoren sind am effizientesten zur Steigerung der Fruchtbarkeit im Boden?

Da ist zum einen die Fruchtfolge. Biolandbau funktioniert langfristig nur mit Tiefwurzlern und mehrjährigen Kulturen in der Fruchtfolge. Hier gibt es gute Partnerschaften zwischen Ackerbauern und Rinderbetrieben, die Feldfutter gegen Mist eintauschen. Der zweite Faktor ist der Lufthaushalt im Boden. Durch optimale Krümelstruktur schafft man eine gute mikrobielle Umsetzungsaktivität. Der dritte Faktor ist für mich, das Gefühl für die Natur zu entwickeln. Im Biolandbau machen starre Konzepte keinen Sinn, weil sich die Natur nicht in ein Konzept pressen lässt. Jedes Jahr, jedes Feld und jede Kultur ist anders. Da ist es wichtig, über die Jahre ein Gefühl für die richtigen Maßnahmen und Zeitpunkte zu entwickeln. Die Landtechnik verführt, die Bodenbearbeitung zu früh oder zu einem falschen Zeitpunkt durchzuführen, weil es technisch möglich ist. Die Diskussion über die richtige Technik nimmt viel zu viel Raum ein. Der Fokus sollte auf der Bodenbiologie liegen.

Die Bodenbiologie leidet aber unter immer schwererer Technik.

Das stimmt, die Maschinen und Geräte werden schwerer. Meist wird versucht, die größere Radlast mit einer größeren Aufstandsfläche – sprich mit breiten Reifen – abzufangen. Das ist aber ein Trugschluss. Die breiteren Reifen helfen zwar gegen Bodendruck im Oberboden. Für den Unterboden sind sie aber gefährlich, weil die sogenannten Druckzwiebeln bei breiten Reifen tiefer in den Unterboden greifen. Für den Unterboden zählt einzig und allein das Gewicht der Maschinen.

Durch den großen Durchmesser und Reifenquerschnitt wird der Bodendruck vermindert.
Durch den großen Durchmesser und Reifenquerschnitt wird der Bodendruck vermindert.
Also weg von breiten Reifen?

In erster Linie weg von zu schweren Geräten. Der Vorteil von schmalen Reifen ist, dass man sofort erkennt, wenn der Boden zu feucht ist, weil er das Gerät nicht trägt. Breite Reifen suggerieren durch die breite Aufstandsfläche, dass die Verhältnisse passen. In Wirklichkeit verdichten sie aber den Unterboden.

Was sind die Konsequenzen?

Wir betreiben flächige Bodenversiegelung. Da werden hundert Jahre alte Regenwurmkanäle zerstört und die Infiltration ins Grundwasser empfindlich gebremst. Wenn die Drainagefunktion des Bodens beeinträchtigt ist und das Wasser langsamer nach unten abfließt, ist der Oberboden auch schneller wassergesättigt. Da aufgrund des Klimawandels die Starkniederschläge zunehmen, kommt es verstärkt zu Hochwasser.

Für den einzelnen Landwirt ist es aber schwierig, auf kleinere, langsamere Maschinen umzusteigen – gerade in Zeiten des Wachstumsdrucks.

Landwirte sind in unserem System die Getriebenen – sie versuchen wettbewerbsfähig zu bleiben und unterliegen einem Wachstumsdruck. Es braucht daher die politische Einsicht, dass man den Bogen überspannt hat. Was spricht dagegen, wenn Maschinen mit geringer Radlast gefördert werden? Oder was spricht dagegen, kleinere Betriebsstrukturen stärker zu fördern? Neben der positiven Auswirkung auf den Boden würde das auch den ländlichen Raum beleben.

Was kann der Landwirt selbst machen?

Wichtig ist, den Reifeninnendruck am Feld auf ein Minimum zu reduzieren. Dazu kann jeder Landwirt sogenannte Schnellfüllventile montieren. Das kostet nur ein paar hundert Euro. Bei Investitionen in neue Technik ist es wichtig, möglichst hohe Raddurchmesser zu verwenden. Man schiebt beim Fahren am Feld immer einen Erdkeil vor dem Reifen her. Je größer der Raddurchmesser ist, desto flacher ist dieser Erdkeil, desto geringer ist der Druck und desto weniger Diesel brauche ich. Außerdem ist ein hoher Reifenquerschnitt von Vorteil, weil dieser bei niedrigem Reifendruck gut einfedert und – ähnlich einem Raupenfahrwerk – eine große Auftrittfläche hat.

Lesen Sie das Interview und weitere Artikel zum Thema Bodenfruchtbarkeit in der LANDWIRT Bio 3/2017. Bestellen Sie hier kostenlos und unverbindlich Ihr Probeheft der Bio-Ausgabe 3/2017

Aktualisiert am: 08.05.2017 10:58
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