Blindmelken – das tägliche Leiden der Kühe

Der Melkprozess läuft nur so gut, wie Sie die Kuh auf das Melken vorbereiten und die Melkanlage anpassen. Ein ruhiger Umgang mit den Tieren, das Vermeiden von Stress, Pünktlichkeit beim Melkbeginn und täglich gleichmäßig ablaufende Routinearbeiten sowie gut gewartete Melktechnik sind wichtige Grundlagen für eine erfolgreiche Milchgewinnung.
Ein ruhiger Umgang mit dem Tier und eine richtig eingestellte Melkanlage verringern den Stress für die Kuh und beugen Problemen wie das Blindmelken vor.
Ein ruhiger Umgang mit dem Tier und eine richtig eingestellte Melkanlage verringern den Stress für die Kuh und beugen Problemen wie das Blindmelken vor.
Blindmelkzeiten können schon zu Beginn des Melkens auftreten. Hat die Kuh eine geringe Zisternenmilchmenge - der Zisternenmilchanteil beträgt 0 bis 20 % der insgesamt gespeicherten Milch - und wird nicht richtig angerüstet, ist diese schon abgemolken, bevor die Alveolarmilch nachfließen kann. Der Milchfluss wird geringer und kann gegen 0 tendieren, an den „leeren“ Zitzen beginnt das Blindmelken durch das Wirken von Vakuum und Pulsation. Das Problem des Blindmelkens zu Melkbeginn kann durch entsprechendes Anrüsten per Hand (Vormelkprobe, Euterreinigung) und die Anwendung einer automatischen Stimulation vermieden werden.

So können Sie die Blindmelkzeiten reduzieren:
- Stresssituationen für die Milchkühe durch ruhigen Um
ang und tiergerechte Behandlung vor und während des Melkens reduzieren
- Sorgfältiges Anrüsten einschließlich automatischer Stimulation zur Erzeugung der vollen Melkbereitschaft. Dies ist insbesondere bei geringem Füllungsgrad des Euters zum Ende der Laktation bzw. bei niedrigen Milchleistungen notwendig.
- Wartezeiten für die Kühe zwischen Anrüsten und Ansetzen der Melkzeuge vermeiden
- Optimaler Melkzeugsitz durch korrektes Ansetzen der Zitzenbecher. Das Melkzeug sollte gerade unter dem Euter hängen, damit das Wirken von Dreh- und Hebelkräften vermieden wird. Verdrehte Melkzeuge führen zu verengten Zitzenkanälen, gestörtem Milchabfluss und höheren Nachgemelken.
- Vakuumschwankungen, zu hohes Vakuum sowie Pulsationsstörungen reduzieren
- Auswechseln überalterter Zitzengummis

Fazit
Die in der Praxis der Milchgewinnung auftretenden Blindmelkzeiten müssen unbedingt verringert werden. Da keine Milch fließt, kann das Vakuum in der Leitung in voller Höhe auf die Zitzenspitze durchschlagen. Das führt zu Schmerzen bei den Kühen und kann Hyperkeratosen erzeugen. Wird ordnungsgemäß angerüstet und damit der Euterinnendruck durch die Milchejektion deutlich erhöht, bevor die Zisternenmilch komplett abgemolken ist, kommt es nicht zum Verschluss der Euter-Zitzenpassage und der Milchfluss wird nicht unterbrochen. In großen Melkständen ist eine Nachmelk- bzw. Abnahmeautomatik Voraussetzung für ordnungsgemäße Melkarbeit einschließlich niedriger Blindmelkzeiten. Gehen Sie ruhig mit den Tieren um. Dann sind die Kühe beim Melken nicht gestresst und geben die Milch problemlos ab.

Autoren: Dr. Norbert KANSWOHL und Dr. Mathias SCHLEGEL, Universität Rostock (D)


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Aktualisiert am: 23.09.2008 14:38
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