Biomasse: Wohlige Wärme vom Acker

Die Forschungsergebnisse zum Einsatz landwirtschaftlicher Brennstoffe in Kleinfeuerungsanlagen zeigen, dass es noch Spielraum für technische Weiterentwicklungen gibt. Auch bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen wird es noch Änderungen geben. Der Beitrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Technik und des juristischen Rahmens.
In Zeiten steigender Preise - vor allem für fossile Brennstoffe – steigt das Interesse, neben dem traditionellen Biomassebrennstoff „Holz“ auch landwirtschaftliche Brennstoffe in Kleinfeuerungen einzusetzen.
In Zeiten steigender Preise - vor allem für fossile Brennstoffe – steigt das Interesse, neben dem traditionellen Biomassebrennstoff „Holz“ auch landwirtschaftliche Brennstoffe in Kleinfeuerungen einzusetzen.
Aufgrund der unterschiedlichen regionalen Produktionsverhältnisse ist eine Diversifizierung des Biomasseangebots zu erwarten und auch sinnvoll.
Folgende Grundsätzen können als Entscheidungshilfen dienen:

  • Es ist darauf zu achten, dass die produzierte Energiepflanze nach der Novellierung des Feuerungsanlagenrechts auch als Brennstoff in den Feuerungsanlagen eingesetzt werden darf. Aus diesem Grund wird gegenwärtig diese Vielzahl an Brennstoffen standardisiert. Die Feuerung muss also mit dem Brennstoff geprüft sein, der eingesetzt werden soll.
  • Aus pflanzenbaulicher Sicht ist jene Pflanze zu wählen, die auf Grund ihrer botanischen Eigenschaften in die jeweilige Region passt. So ist es wenig sinnvoll, beispielsweise Miscanthus, das in Maisbaugebieten gute Erträge liefert, auf Grenzertragsböden zu pflanzen, weil die erwarteten Erträge von 15-20 t TM/ha rasch deutlich unter 8 t TM/ha sinken. In Grünlandgebieten kann eine Nutzung von Landschaftspflegeheu – das ist Heu, das nicht mehr über die Rinderhaltung genutzt wird - sinnvoll sein. Zu diesem Thema startet dieser Tage das Austrian Bioenergy Centre gemeinsam mit dem Land Oberösterreich bereits das zweite Forschungsprojekt, nachdem erste Versuche Erfolg versprechend waren.
  • Landwirtschaftliche Biomassebrennstoffe fallen auch als Nebenprodukt der Nahrungs- und Futtermittelproduktion an. Bei Getreidestroh kann besonders in Trockengebieten eine Verarbeitung zu Presslingen (Pellets und Briketts) gemäß der geplanten ÖNORM ein wirtschaftlich interessantes Standbein sein.
  • Aus technischer Sicht ist es sinnvoll, Energiepflanzen mit geringem Stickstoffgehalt, der in direktem Zusammenhang mit dem Proteingehalt steht, zu produzieren. Vor allem sehr N-reiche Brennstoffe wie Getreidekörner haben auch entsprechend hohe Stickoxid-Emissionen zur Folge haben. Zwar kann über die Feuerungsanlage ein gewisser Einfluss auf die Konversionsrate ausgeübt werden, doch spart man sich Einiges an technischem Aufwand, wenn über die Auswahl der Brennstoffe bereits im Vorfeld entsprechend eingegriffen werden. Günstig sind Brennstoffe mit hohem Strohanteil und reine Halmgüter, wie Miscanthus, Stroh und Heu, die, wie oft angenommen, keinen geringeren Heizwert haben als Getreidekörner.


Fazit
Landwirtschaftliche Brennstoffe für Kleinfeuerungsanlagen werden in den Energiesystemen der Zukunft einen wesentlichen Beitrag leisten. Gegenwärtig am Markt befindliche Kesselanlagen zeigen erste gute Ansätze, bergen jedoch noch technische, umweltrelevante und in Folge wirtschaftliche Risiken in sich. Durch die in absehbarer Zeit geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen wird den Kessel- und Brennstoffproduzenten ein klares Ziel für deren Entwicklungsarbeit vorgegeben. Entscheidend für eine erfolgreiche Etablierung der Systeme wird der Zeitpunkt des Markteintritts sein. Die gegenwärtig zum Teil beobachtbare Euphorie im Biomassebereich darf nicht dazu verleiten, dass mit unausgereiften Technologien der gute Ruf von Biomasse als „sauberer Brennstoff“ beschädigt wird.

Weitere Informationen zum Thema:
www.abc-energy.at
gottfried.eder@abc-energy.at

Autor: Dr. Gottfried EDER, Austrian Bioenergy Centre, Wieselburg


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Aktualisiert am: 10.07.2007 17:02
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