Biogasanlagen und ihre Wirtschaftlichkeit

Mit dem Inkrafttreten des neuen Ökostromgesetztes am 20. Oktober wurde die alte Tarifverordnung für Strom aus erneuerbaren Energieträgern außer Kraft gesetzt, neue Einspeisetarife müssen verhandelt werden. Aber nicht nur diese bestimmen die Wirtschaftlichkeit einer Biogasanlage.
Die Investitionskosten je kWel der Biogasanlagen sinken im Durchschnitt mit der Anlagengröße. Die Streuung ist groß, da die Anforderungen an die Bauausführung in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich sind.
Die Investitionskosten je kWel der Biogasanlagen sinken im Durchschnitt mit der Anlagengröße. Die Streuung ist groß, da die Anforderungen an die Bauausführung in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich sind.
Biogas ist ein brennbares Gas, das bei der Vergärung organischer Substanz unter Luftabschluss entsteht. Üblicherweise wird es bei Biogasanlagen in Blockheizkraftwerken zu Strom und Wärme umgewandelt. In der Praxis besteht bei Biogasanlagen eine relativ große Vielfalt. Dieser Sachverhalt trifft auf die Rechtsform, die Rohstoffe, die Investitionskosten, die Finanzierung, den Arbeitszeitbedarf und die Verwertung der Wärme zu.

Größe der Anlage
Die optimale Größe einer Biogasanlage hängt neben den Investitionskosten vom Wirkungsgrad des Blockheizkraftwerks und den Transportkosten für Rohstoffe und Biogasgülle ab. Mit steigender Kapazität nimmt der Wirkungsgrad der Blockheizkraftwerke zu. Die Steigerung des Wirkungsgrads bewirkt einen geringeren Rohstoffbedarf je kWh Strom und schwächt die Zuwächse bei den Transportentfernungen und den Transportkosten ab. Die Kosten für den Transport des Rohstoffs und der Biogasgülle setzen sich aus einem fixen Betrag für das Be- und Entladen und aus einem von der Entfernung abhängigen Betrag zusammen. Je nach Angebotsdichte (Anteil der Rohstofffläche an der Gesamtfläche im Einzugsgebiet) verändern sich die Transportkosten. Modellrechnungen zur optimalen Größe ergaben, dass bei einer Energiepflanzenaufbringung von 45 t je ha und einer Aufbringungsdichte von 5 % die Abnahme der Kosten der Biogas- und Stromerzeugung die Zunahme der Transportkosten bis zu einer Kapazität von etwa 575 kWel übertrifft. Bei einer 20%igen Energiepflanzenangebotsdichte ist die kostengünstigste Anlagenkapazität fast doppelt so groß. Somit ist die Aufbringungsdichte eine wesentliche Determinante für die kostengünstigste Anlagengröße. Die optimale Anlagengröße in Österreich war in der Vergangenheit bestimmt durch die gesetzlich gesicherten und abgestuften Stromeinspeisetarife und Investitionsbeihilfen für bestimmte Anlagengrößen. Da in Österreich ein geringer Prozentsatz von Betrieben mit so viel Fläche ausgestattet ist, um für eine Biogasanlage die Rohstoffe allein bereitstellen zu können, bietet sich die Errichtung von Gemeinschaftsanlagen an.

Risiko bei Investition
Die betrieblichen Voraussetzungen sind entscheidend für die Wirtschaftlichkeit. Der Umfang des Energiepflanzenanbaus ist auf die Flächenausstattung und die Viehhaltung abzustimmen. Die steigende Nachfrage nach Biomasse (Biogasanlagen, Heizwerke, Hersteller von Biokraftstoffen u.a.) dürfte sich auf die Rohstoffpreise auswirken. Jede Verteuerung der Rohstoffkosten, entweder direkt im Preis oder indirekt über höhere Pachtpreise, verschlechtert die Wettbewerbskraft der Biogasanlagen. Da der Kapitaleinsatz für die Stromerzeugung aus Biomasse hoch ist und zudem die Zinsen für Fremdkapital in Zukunft steigen könnten, besteht trotz des gesicherten Stromerlöses (Ökostromgesetz) ein erhebliches Risiko bei Investitionen in Biogasanlagen. Neben der Stromerzeugung aus Biogas etablieren sich international auch andere Formen der Biogasnutzung wie die Einspeisung ins Erdgasnetz oder die Verwendung als Treibstoff für Erdgasfahrzeuge. Landwirte, die eine Errichtung einer Biogasanlage beabsichtigen, sollten einen Investitions- und Finanzplan nach dem Grundsatz kaufmännischer Vorsicht entwickeln.

Autor: DI Dr. Christoph WALLA, Langenzersdorf


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Aktualisiert am: 21.12.2009 10:06
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