Biogas: Unkrautverbreiter Biogasgülle?

Durch das Einbringen von Unkrautsamen in die Biogasanlage wird die Ausbringung von Biogasgülle oft als problematisch angesehen. Über das Risiko einer Ausbringung dieser Samen mit der Gülle war bislang wenig bekannt. Jetzt wurde untersucht, ob die Samen ihre Keimfähigkeit im Fermenter behalten.
Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und die Landwirtschaftskammer Niederösterreich untersuchen in einem gemeinsamen Forschungsprojekt ob es zu einem Verlust der Keimfähigkeit von Unkrautsamen in Biogasanlagen kommt.
Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und die Landwirtschaftskammer Niederösterreich untersuchen in einem gemeinsamen Forschungsprojekt ob es zu einem Verlust der Keimfähigkeit von Unkrautsamen in Biogasanlagen kommt.
Für den Betrieb von Biogasanlagen kommen vor allem Kulturen mit hoher Energieausbeute pro Flächeneinheit in Frage. Die daraus resultierende Reduzierung an angebauten Kulturen hat Auswirkungen auf die Fruchtfolge, sowie die begleitenden Unkrautpopulationen. Über nachwachsende Rohstoffe, wie Silomais oder Getreideganzpflanzensilage, aber auch über andere verwendete Ernterückstände gelangen keimfähige Unkrautsamen in den Fermenter der Biogasanlage. Durch die Ausbringung der Biogasgülle werden diese Samen flächendeckend auf landwirtschaftlich genutzten Flächen verteilt. Bleiben diese im Zuge des Biogasprozesses keimfähig, dann erhöht sich der Unkrautdruck auf den mit Biogasgülle gedüngten Flächen.

Untersuchungen
Im Versuch wurde die Keimfähigkeit ausgewählter Unkrautarten (Flughafer, Stumpfblättriger Ampfer, Spreizende Melde, Trespe sp., Klettenlabkraut, Amaranth sp., Acker-Quecke, Weißer Gänsefuß, Hühnerhirse, Ampfer-Knöterich) nach unterschiedlich langer Verweilzeit und bei verschiedenen Temperaturen in Biogasfermentern und unter bestimmten Laborbedingungen untersucht, um nachhaltige Risiken beurteilen zu können. Dabei wurden die Unkrautsamen in kleine Säckchen eingenäht und in drei Biogasfermenter unterschiedlicher Bauart sowie unter Laborbedingungen eingebracht. Nach verschiedenen Verweilzeiten (1 Tag, 7 Tage, 21 Tage, 2 Monate) wurden die Samen entnommen und einer Keimfähigkeitsprüfung unterzogen.

Verlust der Keimfähigkeit
Die Laborergebnisse zeigten, dass der Großteil der Unkrautarten die Ein-Tagesvariante überstehen. Die Samen des Weißen Gänsefußes, des Amaranths, des Stumpfblättrigen Ampfers und des Ampfer-Knöterichs waren zwar am widerstandsfähigsten, die Keimfähigkeit reduzierte sich aber auch bereits nach etwa einer Woche auf nahezu null Prozent. Bei der Hühnerhirse nahm die Keimfähigkeit nach einer eintägigen Verweilzeit im Fermentationssubstrat zu. Die Ursache dafür könnte das Brechen der Keimruhe sein. In der Folge brach die Keimfähigkeit aber schnell zusammen. Alle eingebrachten Unkrautsamen verloren spätestens nach 21 Tagen vollständig die Keimfähigkeit.
Um den Verlauf des Keimfähigkeitsverlustes bei den nicht so widerstandsfähigen Unkrautarten besser nachvollziehen zu können, wurde noch zusätzlich eine zehn Stunden – Kurzzeitvariante durchgeführt. Bei der Acker-Quecke, beim Klettenlabkraut und bei der Trespe sp. war bereits nach einer Verweilzeit von 10 Stunden eine offensichtliche Reduzierung der Keimfähigkeit erkennbar und nach einem Tag waren die Samen zur Gänze abgebaut. Beim Flughafer konnte ein ähnliches Phänomen wie bei der Hühnerhirse beobachtet werden. Die Keimfähigkeit stieg nach einer zehnstündigen Verweilzeit auf über 40 Prozent an und nach einer eintägigen Verweilzeit kam es zu einer deutlichen Reduzierung.
Bei 50 °C konnten bereits nach eintägigem Einbringen in die Biogasgülle keine keimfähigen Samen mehr ermittelt werden.
Derzeit werden weitere Untersuchungen mit Krankheitserregern durchgeführt. Bei Weizensteinbrand liegen bereits erste Versuchsergebnisse vor: Bei den angelegten Feldversuchen zeigte sich, dass Weizensteinbrandsporen nach einer einwöchigen Verweilzeit im Fermenter keine Infektionen an Winterweizenpflanzen verursachten.

Fazit
Die vorliegenden Ergebnisse zeigen für die untersuchten Unkrautsamen eine vollständige Hygienisierung während des Fermentationsprozesses. Die Ausbringung von Biogasgülle nach einer üblichen Verweildauer im Fermenter stellt für die Verschleppung der geprüften Unkrautsamen kein Problem für die gedüngten Flächen dar.
Autoren: Bakk. tech. Markus GANSBERGER, Dipl.-HLFL-Ing. Manfred WEINHAPPEL und Dipl. Ing. Charlotte LEONHARDT, AGES und Dr. Anton BRANDSTETTER, LK NÖ


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Aktualisiert am: 21.10.2009 14:40
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