Bioenergie in Rumänien: Land unbegrenzter Möglichkeiten Enttäuschungen inklusive

Nachwachsende Rohstoffe in Rumänien. Es gibt sie, aber sie stehen nicht im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Dafür haben einige österreichische Firmen das Land für sich entdeckt.
Ein normales Bild: Ein Landwirt mit seinem Pferdefuhrwerk. Foto: Thomsen
Ein normales Bild: Ein Landwirt mit seinem Pferdefuhrwerk. Foto: Thomsen
Für die rumänische Bevölkerung ist Holz zu heizen selbstverständlich. 30 % der Gesamtfläche Rumäniens von 238.391 km² ist bewaldet. Etwa die Hälfte der Bevölkerung (8,79 Mio.) lebt auf dem Land, heizt und kocht Großteils mit Holz, Holzabfällen und landwirtschaftlichen Abfällen. Im Herbst kaufen Dorfbewohner ihre Wintervorräte ein. Dann liegen riesige Holzbündel oder ganze Stämme vor den Toreinfahrten.

Nicht für alle Lagen

Seit einigen Jahren werden auch Energiepflanzen wie Miscanthus und Weiden angebaut. Diese Produktion steht ganz am Anfang und Faktoren, wie lange Dürreperioden, begrenzen die Verbreitung. Ein frisch gepflanztes Miscanthusfeld übersteht Trockenperioden nur schwer, wenn überhaupt.
Der Bau von Solar- und Windkraftanlagen wird finanziell besser unterstützt, als der Anbau von Energiepflanzen. Die existierenden Programme um Biomasse zu produzieren gibt es nach Aussagen von Fachleuten „nur auf dem Papier“. Außerdem stehen politische Entscheidungsträger sowie die Bevölkerung dem kritisch entgegen, landwirtschaftliche Flächen für die Energieversorgung zu nutzen. Nach Schätzungen wachsen auf insgesamt ca. 3.300 ha Weiden, auf 800 ha Pappeln als Kurzumtriebsplantagen und auf 600 ha Miscanthus.

Westeuropäische Pflanzgutexporteure für Energiepflanzen berichten von großem Interesse seitens rumänischer Firmen. Selten aber entsteht daraus eine zufriedenstellende Geschäftsbeziehung. Eine Anfrage für 100 ha schrumpft schnell auf eine Lieferung für 1−2 ha. Rumänien gilt als das Land großer Möglichkeiten und Enttäuschungen. Als Probleme nennen Landwirte und Investoren schwieriges Klima, Kapitalmangel, fehlendes Fachwissen und unsichere rechtliche Rahmenbedingungen. Die Besitzverhältnisse des Bodens sind häufig unklar und Energiepflanzen-Pioniere unterschätzen den Arbeitsaufwand für Neupflanzungen und die Pflege.

Rumänische Landwirte sind klein strukturiert und vor allem Selbstversorger. Foto:Thomsen
Rumänische Landwirte sind klein strukturiert und vor allem Selbstversorger. Foto:Thomsen
Und die heimischen Landwirte..

Ausländische Investitionen werden begrüßt, denn dadurch entstehen Arbeitsplätze. Auf der anderen Seite fühlen sich rumänische Landwirte und Unternehmer überrollt, weil sie es schwerer haben, an Kapital zu kommen, als westliche Unternehmen.

Autor: Astrid Thomsen

Mehr über diese Situation lesen Sie in Ausgabe 9/2013 der Fachzeitschrift „Der fortschrittliche Landwirt“.

Aktualisiert am: 24.11.2016 13:43
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