Bio-Zuchtstierauswahl: Worauf achten? Wie komme ich zu meinem Wunschstier?

Mit der Zuchttierauswahl legt ein Milchviehbetrieb eine entscheidende Basis für die Milchviehhaltung auf dem Hof. Besondere Herausforderungen ergeben sich dabei für Biobetriebe.
Nur auf die besten Stiere mit hoher Sicherheit des Fitness- und Nutzungsdauerzuchtwertes setzen.
Nur auf die besten Stiere mit hoher Sicherheit des Fitness- und Nutzungsdauerzuchtwertes setzen.
S tiere auswählen
• Jeder Milchviehhalter sollte zumindest einmal jährlich 2-5 Zuchtstiere (je nach Betriebsgröße) streng auswählen, mit denen der Großteil der Herde belegt werden soll.
• Für jede Kuh und zu belegende Kalbin wird ein Anpaarungsplan erstellt. Dabei werden Merkmale die eventuell verbessert werden sollen bei der Stierzuteilung berücksichtigt. Der Einsatz der Teststiere erfolgt wie im Zuchtprogramm festgelegt (z.B. erstlaktierende Kühe)
• Die Summe der mit den Wunschstieren zu belegenden Tiere, multipliziert mit dem Besamungsindex, ergibt etwa die jährliche Anzahl der notwendigen Samenportionen.

Bestellung der Wunschstiere
Nicht jeder der ausgewählten Stiere wird auch von ihrer Besamungsanstalt direkt vertrieben. Diese sind jedoch verpflichtet, sofern der Samen noch verfügbar ist, den gewünschten Stier gegen Abgeltung der Unkosten zu liefern (EU-Bestimmung). Auch aus Aufwandsgründen ist es daher notwendig größere Mengen zu bestellen. Die bestellten Samenportionen werden, je nach üblicher Betriebssituation, beim Tierarzt, Besamungstechniker, im Hofbehälter etc. sortiert eingelagert und stehen zur Belegung der Kühe zur Verfügung. Eine zeitgerechte Bestellung ist speziell bei Sonderwünschen notwendig.

Wer auf gut abgesicherte Stiere setzt, muss die Samenbestellungen zeitgerecht und geblockt durchführen. Da sich nur wenige Stiere mit den aktuellen Ausgabestieren der Besamungsanstalt decken, ist die Organisation aufwendiger und erfordert konsequentes Handeln.

Informationen zur Anpaarungsplanung
Damit bei einer Belegung der Tierarzt sowie alle Familienmitglieder Bescheid wissen, sollte eine Anpaarungsliste auch im Stall aufliegen.

Zucht mit starken Kuhlinien
Wie bereits dargestellt, hat auch die Zucht auf mütterlicher Seite eine große Bedeutung. Zumeist sind zwar die geschätzten Zuchtwerte der Kühe ungenauer, demgegenüber haben die Kühe ihre Leistungen unter den vorhandenen Betriebsbedingungen erbracht. Zusätzlich ist auch bekannt, dass der Anteil der Erbinformationen von der mütterlichen Seite um einige Prozentpunkte überwiegt.
• Milchviehzüchter sind daher nicht nur „Stierzüchter“ sondern vor allem auch „Kuhlinienzüchter“.
Es ist zu empfehlen mit Kuhlinien weiter zu züchten, welche optimal zum Betrieb passen, „unauffällig" sind und auch gute Leistungen bringen. Diese Kühe sollten nach Möglichkeit in der 3. bis 4. Laktation in der Fett- und Eiweißmenge ohne Sonderbehandlungen über dem Schnitt gleichaltriger und gleich schwerer Kühe des Betriebes liegen.

Zuchtstier am eigenen Betrieb
Wenn mit einem Zuchtstier am Betrieb gearbeitet wird, dann sollten von der Stiermutter nach Möglichkeit mindestens 5 Laktationsleistungen vorliegen, die ab der 3. bis 4. Laktation über dem Stalldurchschnitt liegen, da man dann wesentlich mehr über Fruchtbarkeit, Fundament, Eutersitz, Geburtsverlauf, Melkbarkeit, Persistenz, Fitness und Charakter weiß. Darüber hinaus sollten sich die Zuchtwerte des Stiervaters in den wesentlichen Zuchtwerten (Fitness etc.) positiv abheben. Der Jungstier selbst muss eine ausgeglichene Entwicklung zeigen und frei von erkennbaren Mängeln (Fundament etc.) sein und natürlich auch ein gutes Gemüt aufweisen.

Wichtige Links zum Thema:
www.zar.at
www.raumberg-gumpenstein.at; Bio-Institut; Bio-Milchviehzucht (Stierempfehlungen und Informationen)

Autor: Dr. Andreas STEINWIDDER, Bio-Institut LFZ Raumberg-Gumpenstein


Autor:
Aktualisiert am: 04.11.2009 14:41
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