Bio-Verbände suchen noch immer Lösung in Agentur für Bio-Getreide

Die Bio-Verbände suchen noch immer nach einer Lösung für die an der Kippe stehende Vermarktungsfirma "Österreichische Agentur für Bio-Getreide GmbH ". Wie Bio Austria-Obmann Rudi Vierbauch gegenüber aiz.info bestätigte, hat der bisherige Agentur-Geschäftsführer Josef Weghaupt seine Funktion nach nicht einmal einem Jahr Tätigkeit niedergelegt, wird im Firmenbuch allerdings noch offiziell als Geschäftsführer geführt.
Bio Austria steht zur Agentur für Bio-Getreide. Nach Lösungen wird gesucht.
Bio Austria steht zur Agentur für Bio-Getreide. Nach Lösungen wird gesucht.
Gerüchten zufolge wolle der Agentur-Gesellschafter und vormalige Geschäftsführer Andreas Kocourek diese Funktion wieder übernehmen. Kocourek wurde allerdings 2007 wegen schweren Betrugs - konventionelles Getreide wurde als "bio " vermarktet - zu einer teilbedingten Haftstrafe verurteilt. Vierbauch wollte keine Namen möglicher künftiger Geschäftsführer bestätigen und verwies auf die Gesellschafter, die dies zu entscheiden hätten. Jedenfalls ist die Agentur, nachdem auch der Assistent der Geschäftsführung, Michael Vilis, gekündigt hat, zurzeit praktisch führungslos. Ein Termin für eine Gesellschafterversammlung zur Bestellung einer neuen Geschäftsführung ist noch nicht bekannt. Ebenso wenig ist bei der Landwirtschaftskammer bisher ein von den Gesellschaftern schon für Ende vergangener Woche versprochenes Konzept zur Lösung der Misere der Agentur eingetroffen.

Vierbauch: Bio Austria steht zu Agentur
Drei Bio-Bauernverbände sind zusammen mit 36% an der Agentur beteiligt, und zwar die Landesverbände Niederösterreich und Burgenland sowie der Verein der biologisch wirtschaftenden Ackerbaubetriebe (BAF) mit je 12%. Vierbauch wiederholte die Forderung von Bio Austria, dass die Agentur die Ernte 2010 reibungslos abwickeln könne und die offenen Forderungen der Bio-Bauern bestmöglich erfüllen müsse. Bio Austria steht weiterhin zur Agentur, denn, so Vierbauch, "wir sehen halt eigentlich sonst niemanden außer der Agentur, der Bio-Getreide flächendeckend und in dieser Menge übernehmen und vermarkten könnte ". Vierbauch spricht von einem Marktanteil der Agentur in der Größenordnung von etwa zwei Dritteln beim heimischen Bio-Getreide.

Für 2010 schätzen Experten die heimische Bio-Getreideernte auf rund 200.000 t. Dazu kommen noch rund 50.000 t sogenanntes Umsteller-Getreide, das heißt von noch nicht zertifizierten Bio-Betrieben in der Umstellungsphase von der konventionellen auf die biologische Wirtschaftsweise. Laut AMA-Marktbericht lag die Marktleistung 2009/10, das heißt die Aufnahmefähigkeit der heimischen Verarbeiter von Bio-Getreide und das Exportpotenzial, nur bei 194.698 t.

Vierbauch: Fixpreise maßgeblich für Desaster
"Als maßgeblich für das Desaster " sieht Vierbauch, dass die Agentur vor drei Jahren begonnen habe, Fixpreise statt des Poolings - also die Zahlung von Akontobeträgen und Endabrechnung nach der Vermarktung - zu garantieren.

In den Verträgen für 2009, die nun nicht erfüllt werden können, sagte die Agentur den Bio-Landwirten Mindestpreise von EUR 350,- pro t für Speiseweizen mit mindestens 14% Protein zu, für Weizen mit mehr als 13% Eiweiß EUR 330,- pro t und für solchen mit 12,0 bis 12,9% Protein EUR 290,- - jeweils exklusive 12% Mehrwertsteuer. Beim Futtergetreide waren es etwa EUR 375,- pro t für Erbsen und Wicke oder EUR 230,- für Gerste. Tatsächlich bekommen haben die Bauern Akontozahlungen zwischen EUR 100,- und 120,- pro t Gerste oder EUR 200,- pro t Weizen. Davon zog ihnen die Agentur für ihre Dienstleistungen aber noch gut und gerne EUR 30,- pro t ab, sodass etwa beim Weizen Akontozahlungen von knapp EUR 170,- netto für die Bauern übergeblieben sind. Damit fehlen ihnen beispielsweise beim Weizen aufgrund der ausgefallenen Endabrechnung Beträge bis zu EUR 150,- pro t.

Bio-Bauern, die über andere Vermarkter Vertragsware etwa für Ja!Natürlich der Billa-Gruppe oder "Zurück zum Ursprung " von Hofer liefern, hätten laut Brancheninsidern aus der Ernte 2009 Weizenpreise von EUR 270,- pro t bekommen und würden für die neue Ernte 2010 Kontrakte mit EUR 250,- pro t - ebenfalls alles exklusive 12% Mehrwertsteuer - erhalten. (AIZ)


Aktualisiert am: 07.07.2010 13:17
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