Bio-Futtergetreidebau im typischen Grünlandgebiet (ÖAG-Schwerpunktthema, Teil 1)

Der Ackerbau war bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts auch im Berg- und Grünlandgebiet weit verbreitet und prägte damit unsere Kulturlandschaft. Welche Kulturen für den Anbau im Berg- und Grünlandgebiet geeignet sind, welche Anbau- und Pflegemaßnahmen erforderlich sind und mit welchen Erträgen gerechnet werden kann, sollen in der vorliegenden Broschüre bearbeitet werden.
Hohe Kosten für Kraftfutter und Stroh, aber auch teilweise die Wiederbelebung traditioneller Ackerkulturen für Spezialprodukte, verstärken in den letzten Jahren das Interesse am Getreidebau.
Hohe Kosten für Kraftfutter und Stroh, aber auch teilweise die Wiederbelebung traditioneller Ackerkulturen für Spezialprodukte, verstärken in den letzten Jahren das Interesse am Getreidebau.
Sinnvolle Fruchtfolgen im Feuchtgebiet
Beginnt jetzt ein Landwirt, der bisher ausschließlich Grünland bewirtschaftet hat, wieder mit dem Anbau von Getreide, muss es mit Grünland abgewechselt werden. Je vielfältiger eine Landwirtschaft insgesamt gestaltet ist, desto einfacher ist es auch, entsprechende Fruchtfolgeglieder zu finden. Bei Getreideanbau in einer Grünlandwirtschaft wird man als Fruchtfolgeglied Wechselwiese oder Kleegras haben, wo nach zwei- oder spätestens vierjähriger Nutzung wieder umgebrochen und Getreide angesät wird. Je nach Größe und Umfang des Getreideanbaus wird der Landwirt einige solcher Feldstücke für das Getreide vorsehen.
Beim Anbau von Kleegras muss auf das Problem mit der Kleemüdigkeit hingewiesen werden. Darunter versteht man eine Pilzkrankheit, die bei häufigem Anbau von Klee auftreten und alle kleinsamigen Leguminosen (z.B. Weißklee, Rotklee oder Luzerne) befallen kann. Auch über eine entsprechende Sortenwahl beim Klee (resistente Sorten) kann das Problem verringert werden. Eine Anbaupause von 4 – 6 Jahren sollte eingehalten werden, wenn Rotkleegras verwendet wird. Weißklee ist nicht so empfindlich, benötigt aber auch eine Zwischenzeit von mindestens 4 Jahren.
Hat der Landwirt schon mehrere Flächen unter dem Pflug, eventuell wegen eines Silomaisanbaus, ist eine derartige Fläche ohne Weiteres auch für den Getreideanbau zu verwenden. Silomais erfordert in der Regel eine gute Nährstoffversorgung, so wird man das Getreide nach dem Silomais in die Fruchtfolge stellen, sofern es sich nicht um Weizen handelt. Bei Fruchtfolgen im Feuchtgebiet ist immer davon auszugehen, dass Rinderhaltung der Schwerpunkt am Betrieb ist. Daher sind auch die Fruchtfolgen futterbetont.
Die Aufnahme von Kartoffeln in die Fruchtfolge erfordert eine ganz spezielle Ausstattung mit Maschinen und ein großes Wissen für eine erfolgreiche Produktion. Außerdem sind Kartoffeln sehr arbeitsintensiv; Faktoren, die bei der Planung der Fruchtfolge auf jeden Fall entsprechend mit berücksichtigt werden müssen.

Besonderheiten bei Wechselwiesenanbau/Kleegrasumbruch
Ein Umbruch von Kleegras zu Ackerland stellt einen massiven Eingriff in das ökologische Gleichgewicht der bearbeiteten Fläche dar. Der Umbruchtermin bestimmt im Wesentlichen die Speicherung des Leguminosenstickstoffs. Bei Herbstumbruch nimmt die Temperatur auf der Fläche rasch ab, was ebenso wie ein schwerer Boden und geringe Niederschläge im Zeitraum zwischen September und Dezember zu einer Verringerung des Auswaschungsrisikos führen. Auf sandigen Böden und bei hohen Niederschlägen im Herbst ist das Auswaschungsrisiko sehr hoch. Eine Maßnahme, welche zur Verminderung der Nitratauswaschung dient, ist ein optimaler Termin für die Bodenbearbeitung nach Kleegras. Die Forderung nach einer möglichst späten Bodenbearbeitung klingt plausibel, ist aber gerade in alpinen Regionen, wo mit einem frühen Wintereinbruch zu rechnen ist, kaum durchführbar.

Autoren: DI Waltraud HEIN, Ing. Hermann WASCHL und Dr. Hubert HUSS, Bio-Institut LFZ Raumberg-Gumpenstein


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Aktualisiert am: 19.12.2008 15:22
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