Bio Austria Obfrau Getraud Grabmann: Mehr Wertschöpfung für Lebensmittel

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Der Lebensmitteleinzelhandel in Österreich nutze seine starke Position aus, erklärt Bio-Austria-Obfrau Gertraud Grabmann. Die Höhe der Erzeugerpreise auf diese Marktmacht zu reduzieren greife aber zu kurz.
Grabmann: „Es kann nicht sein, dass ein Differenzierungswettbewerb auf Kosten der Bäuerinnen und Bauern geführt wird, der letztlich deren Existenz gefährdet.“
Grabmann: „Es kann nicht sein, dass ein Differenzierungswettbewerb auf Kosten der Bäuerinnen und Bauern geführt wird, der letztlich deren Existenz gefährdet.“
LANDWIRT: Ist der Lebensmitteleinzelhandel für die Bio-Landwirtschaft Fluch oder Segen?
Gertraud Grabmann: Das ist mir zu schwarzweiß formuliert. Der Lebensmitteleinzelhandel (Anm. Red.: LEH) hat einen nicht unwesentlichen Anteil am Erfolg von Bio in Österreich in den letzten 25 Jahren. Das steht außer Frage. Aber natürlich gibt es überall, wo Licht ist, auch Schatten. Der Kampf der einzelnen Ketten um Marktanteile wird zu einem wesentlichen Teil über den Preis geführt. Das betrifft alle Bereiche, auch die Bio-Lebensmittel. Das System ist simpel: Der LEH nutzt seine starke Position in der Wertschöpfungskette. Das drückt auch die Erzeugerpreise und geht also zulasten der Bäuerinnen und Bauern. Hier wäre ein klares Bekenntnis zu Qualität und den dafür gerechtfertigten Preisen notwendig. Denn Wertschätzung für hochwertige landwirtschaftliche Produkte drückt sich letztlich auch in der Preispolitik aus. Und bei einem Verkaufspreis von 3,99 Euro pro Kilo konventionellem Schweinefleisch wird den Konsumenten vieles, aber sicher keine Wertschätzung für Lebensmittel vermittelt.

In Deutschland nimmt der LEH laut AMI „nur“ 59 % am Bio-Markt ein. In Österreich werden laut AMA drei Viertel aller Bio-Lebensmittel über den LEH gekauft. Gleichzeitig sind die Erzeugerpreise für Bio-Milch und Bio- Schweinefleisch in Österreich niedriger als in Deutschland. Liegt das an der starken Machtposition des LEHs in Österreich?

Deutschland und Österreich sind im Bio-Handel schwer vergleichbar. In Deutschland wurde Bio jahrzehntelang nur vom Fachhandel getragen und groß gemacht. Der LEH hat Bio erst vor relativ kurzer Zeit für sich entdeckt, dafür aber wachsen die Bio-Sortimente dort jetzt rasant. Die Frage der Preisbildung auf die Marktmacht des LEH zu reduzieren greift meiner Meinung nach zu kurz. Da spielen auch viele andere Faktoren, wie Angebot und Nachfrage, Differenzierungsstrategien und Produktionskosten eine Rolle. Bei den Erzeugerpreisen ist aber natürlich in einigen Bereichen noch deutlich Luft nach oben gegeben.

Oft wird kritisiert, dass vom LEH ein Preisdruck ausgeht, der sich bis zu den Erzeugerpreisen durchsetzt. Sind Ihrer Meinung nach Bio-Produkte im LEH zu billig?

Lebensmitteln sollte generell mehr Wertschätzung entgegengebracht werden. Und da spielt auch die Preispolitik hinein. Aber das ist eine gesamtgesellschaftliche Frage und Verantwortung, da sollte man nicht mit dem Finger auf eine Stelle zeigen. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass bei der Produktion von ökologischen Lebensmitteln Mehrkosten entstehen, die nicht alleine auf den Konsumenten überwälzt werden können. Bei der Produktion von öffentlichen Gütern, wie sauberes Wasser oder Biodiversität, versagt der Markt. Die Bereitstellung dieser öffentlichen Güter durch die Bäuerinnen und Bauern muss daher aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden.

Lesen Sie das gesamte Interview in der Ausgabe 4/2018 von LANDWIRT Bio. Bestellen Sie hier ein Probeheft.

Aktualisiert am: 29.06.2018 10:00
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