Bio- Kalbinnen- und Ochsenmast

Mit Kalbinnen und Ochsen kann am Bio-Hof eine sehr gute Fleischqualität erzeugt werden. Empfehlungen zur Fütterung und zum Management für die Bio-Qualitätsmast werden im Beitrag dargestellt (ÖAG-Sonderbeilage 10/2007).
Mit Bio-Ochsen und Bio-Kalbinnen kann eine hervorragende Fleischqualität erzeugt werden.
Mit Bio-Ochsen und Bio-Kalbinnen kann eine hervorragende Fleischqualität erzeugt werden.
Die biologische Rindermast mit Ochsen und Kalbinnen finden wir vorwiegend im Grünlandgebiet. Aber auch in ackerbaubetonten Regionen wird das Rind zunehmend als wertvolles Fruchtfolgeglied gesehen. Hier werden leguminosenreiche Zwischenfrüchte verfüttert und damit bestes Rindfleisch erzeugt. Darüber hinaus fällt wertvoller organischer Dünger an.

Hohe Fleischqualität
Der Genusswert von Rindfleisch wird wesentlich von den Merkmalen Zartheit, Saftigkeit, Geschmack und Aroma beeinflusst. Für eine gute Beurteilung der Rindfleischqualität spielt neben dem Alter der Tiere bei der Schlachtung auch die Fetteinlagerung in das Fleisch (Marmorierung) eine wesentliche Rolle. Mit steigender Marmorierung verbessert sich nämlich der Geschmack des Fleisches, da die Geschmackstoffe im Fett „sitzen“. Darüber hinaus wird üblicherweise gleichmäßig und fein marmoriertes Fleisch zarter, saftiger und heller beurteilt. Vor allem bei Schlachtkühen und auch bei Ochsen und Kalbinnen nimmt mit steigender Fettabdeckung der Schlachtkörper die Marmorierung im Muskelfleisch deutlich zu.

Tipps zur Rassen- bzw. Kreuzungswahl
· Bei Weidehaltung sind Kreuzungen mit frühreifen Stieren optimal (zB Fleckvieh x frühreife Limousinlinie). Auch wenn ein geringes Schlachtalter angestrebt wird, greifen Biobetriebe zumeist auf frühreifere Tiere zurück.
· Bei sehr guten Futterbedingungen (Maissilage, höherer Kraftfuttereinsatz) können mastbetonte großrahmige Tiere erfolgreich eingesetzt werden. Hier ist jedoch zumeist eine intensivere Ausmast notwendig.
· Wenn vorwiegend extensive Bedingungen gegeben sind, dann kann eine gute Schlachtkörper- und Fleischqualität nur mit frühreifen, kleinrahmigeren Tieren (zB Angus) erreicht werden. In diesen Fällen müssen aber entsprechende Absatzwege (Direktvermarktung etc.) vorhanden sein.
· Milchbetonte Tiere weisen im Vergleich zu Fleischrassen eine schlechtere Mast- und Schlachtleistung auf. Durch Kreuzung von Milchrassen mit Fleischrassen können die beschriebenen Nachteile in der Mast sehr effizient verringert werden. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass jede Fleischrasse ihre individuellen Stärken, aber auch Schwächen aufweist. Innerhalb einer Rasse können sich Linien deutlich hinsichtlich ihrer Eigenschaften unterscheiden (zB groß und kleinrahmige Limousinlinien).

Mineralstoffversorgung im 2. Lebensjahr
Um in der Ochsen- und Kalbinnenmast eine ausreichende Mineralstoff- und Vitaminversorgung zu erreichen, ist eine tägliche Gabe von 3-5 dag einer calcium- und spurenelementbetonten Mineral- und Wirkstoffmischung zu empfehlen. Der Natriumbedarf muss immer über Lecksteine oder zusätzliche Viehsalzgaben per Hand (2 dag/Tag) gedeckt werden.

Maissilage und Kleegrassilage
Maissilage kann mit gutem Erfolg eingesetzt werden. Vor allem zu Mastbeginn und in der Ausmast stellt sie ein energiereiches Grundfutter dar. Eine Alternative zum Maisanbau kann der Anbau von Kleegras und Wechselgrünland darstellen. Dadurch können ebenfalls gute Flächen- und Nährstofferträge erzielt werden. Eine optimale Konservierung dieses eiweißreichen Futters, vorwiegend als Silage, ist aber zusätzlich zu einer zeitgerechten Ernte erforderlich.

Kastration
Die Kastration muss unter Schmerzausschaltung durchgeführt werden. Diese kann vom Tierarzt entweder blutig (Entfernung der Hoden) oder unblutig (Rückbildung der Hoden durch Anwendung der Burdizzo-Zange) erfolgen. Da der Eingriff der Kastration mit zunehmendem Alter des Tieres mit erhöhtem Risiko verbunden ist, sollte diese vor dem 3. Lebensmonat erfolgen (Gasteiner 2005).

Parasiten
Eine gute Beobachtung der Tiere ist notwendig. So können struppige Haare und Husten auf Verwurmungen hinweisen. In diesem Fall sind rasch Kotproben zu untersuchen und bei positivem Befund in Absprache mit dem Tierarzt Maßnahmen zu setzen.



Autoren: Dr. Andreas STEINWIDDER (Bio-Institut, HBLFA Raumberg-Gumpenstein), Ing. Rainer WÖLLINGER (ARGE Rind u. Rinderbörse), Ing. Otto KICKER (Bio-Austria) und Ing. Hans GEBETSROITHER (LK Oberösterreich)


Autor:
Aktualisiert am: 25.01.2008 09:49
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