Betriebsumstellung: Vom Sprung ins kalte (Fisch-) Wasser

Durch den Autobahnbau verlor Familie Marzi wertvolle landwirtschaftliche Flächen. Um dennoch weiter im Vollerwerb tätig sein zu können, suchten sich die Kärntner eine tierische Alternative. Eine Geschichte, in der Forellen die Großvieheinheiten verdrängten.
Gerhard Marzi tauschte seine Großvieheinheiten gegen Fische.
Gerhard Marzi tauschte seine Großvieheinheiten gegen Fische.
Durch den Autobahnbau 1982 verlor Familie Marzi landwirtschaftliche Flächen. Doch für die Kärntner war klar: „Wir bleiben weiterhin Vollerwerbsbauern.“ Deswegen begaben sie sich auf die Suche nach Tieren, die sich auch mit weniger Flächen halten lassen. Bei Forellen sind sie fündig geworden. „Es gab keinen Markt, wir hatten keinen Teich und keine Ahnung“, erinnert sich der Landwirt. Motiviert aber vorsichtig errichteten sie den ersten Teich, mit der Option ihn als Schwimmteich nutzen zu können. „Falls es doch nicht funktioniert hätte“, so Gerhard Marzi. Auch die Anzahl der ersten Setzlinge war so kalkuliert, dass die Familie sich selbst, sowie Verwandte und Bekannte damit versorgen hätte können. „Falls wir keine Abnehmer dafür gefunden hätten.“ Die erste Teichanlage hat funktioniert und die Familie fand Käufer für ihre Forellen. Damit war der entscheidende Schritt getan.

Fische verdrängen Großvieh
Gleichzeitig absolvierte der Landwirt Kurse und Lehrgänge rund ums Thema Fischerei. Heute ist er anerkannter Meister. Die Fischanlage entwickelte sich weiter und im Stall der Marzis wurde umgestellt. Die Milchkühe mussten weichen, stattdessen stockten sie die Zuchtsauen auf. Als nach 10 Jahren eine zweite Fischzucht angelegt wurde, mussten auch die Schweine vom Hof. Auch der Betriebszweig Urlaub am Bauernhof wurde aufgelassen. Stattdessen forcierten die Wolfsberger die Fischverarbeitung und -vermarktung. „Die Fische haben bei uns alles bereinigt“, sagt Gerhard Marzi mit einem Schmunzeln.

Richtige Entscheidung
Die Entscheidung, vom Großvieh auf Fische umzusatteln, hat die Familie nicht bereut. Gerhard Marzi sieht sogar Ähnlichkeiten: „Die Mastdauer einer Forelle beträgt zwischen ein und eineinhalb Jahre. Eigentlich wie bei einem Maststier. Nur die Größe bekommen wir nicht ganz hin.“ Das verschmitzte Augenzwinkern soll dabei nur am Rande erwähnt werden. Die Familie hat sich den Vollerwerb gesichert. „Zu Beginn wusste ich nicht, wie man einen Fisch ausnimmt, aber man kann alles lernen“, so der Wolfsberger. Wichtig ist dabei, dass alle Familiemitglieder dahinter stehen. Hofnachfolger Gerhard jun. interessiert sich ebenfalls für die Fischzucht. „Ob er den Hof allerdings genauso weiterführen möchte, steht ihm frei. Wir hatten damals auch die Wahl und haben den Betrieb komplett verändert. Unser Sohn darf das gleiche tun“, so der Fischzüchter, „Derzeit ist bei uns aber alles für die Fisch.“

Fischtipps
• Den Fisch sollte man über Nacht im Kühlschrank lagern, dann rollt er sich beim Braten nicht auf.
• Fisch ist die optimale Speise für unerwarteten Besuch: Die Zubereitung geht schnell. Der Fisch ist einfach zu kochen und wird garantiert nicht zäh.
• Mit einem Schluck Milch in der Bratpfanne verhindert man das Ankleben.

Autorin: Angelika KONRAD, St. Peter Freienstein


Aktualisiert am: 22.03.2010 12:04
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