Berlakovich für Kennzeichnung von Lebensmittel-Imitaten auf EU-Ebene

Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich will sich auf europäischer Ebene für eine verpflichtende Kennzeichnung von Imitat-Produkten einsetzten. Seiner Meinung nach verunsichern Diskussionen über Kunstkäse die Bevölkerung.
"Die aktuelle Diskussion über "Schummelschinken" und Kunstkäse verunsichert die Bevölkerung. Daher müssen wir den Konsumenten wieder
Berlakovich setzt sich auf europäischer Ebene für eine verpflichtende Kennzeichnung von Imitat-Produkten ein.
Berlakovich setzt sich auf europäischer Ebene für eine verpflichtende Kennzeichnung von Imitat-Produkten ein.
mehr Sicherheit geben. Darum habe ich auch auf europäischer Ebene eine verpflichtende Kennzeichnung von Imitat-Produkten initiiert. Weiters gilt es herauszufinden, was sich die Verbraucher erwarten, wenn es um die Qualität von Lebensmitteln geht", dies stellte Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich zu den Ergebnissen einer entsprechenden Studie der Meinungs- und Motivforscherin Sophie Karmasin fest. "Die heimischen Konsumenten legen bei der Ernährung viel Wert auf eine hohe Qualität, die durch Frische, österreichische Herkunft, Natürlichkeit und wertvolle Verarbeitung geprägt ist. Dabei stellt sich die gravierende Frage, wie man derart hochwertige Lebensmittel erkennt", fasste Karmasin die Studie zusammen.

Rückseite eines Produktes ansehen
"Vor dem Hintergrund der Globalisierung geht die Entwicklung in Richtung Kostendruck sowie Standardisierung und Vereinheitlichung des Geschmacks von Nahrungsmitteln. Die Technologie ist mittlerweile in der Lage, Rohstoffe auszutauschen und sie durch andere zu ersetzen. Es sind immer mehr Produkte auf dem Markt, die nicht dem entsprechen, was sich die Konsumenten erwarten. Wir sind an einem Punkt angekommen, wo wir die Verbraucher eigentlich auffordern müssen, sich in erster Linie die Rückseite eines Produktes anzusehen. Auch wenn auf der Verpackung vorne Käse abgebildet ist, muss das keine Garantie sein, dass auch tatsächlich welcher drinnen ist. Es scheint, als ob hier eine "Büchse der Pandora" geöffnet wurde, die die Konsumenten nicht mehr erkennen lässt, was sie eigentlich essen. Die Natürlichkeit der Produkte gerät aus dem Blickwinkel", gab Berlakovich zu verstehen. Als Gegenbewegung zur Globalisierung setze er in Österreich auf die Regionalität von Produkten. Sie erhöhe die Sicherheit und das Vertrauen bei den Kunden. "Für regionale Produkte sprechen auch die kurzen Transportwege und die dadurch eingesparte Menge an CO2, weiters die Frische und der Geschmack. Allerdings gibt es dabei auch eine Einschränkung: Diese Erzeugnisse sind nur saisonal verfügbar und es fehlt oft die Zeit, sie zu besorgen", erläuterte der Minister. "Wir sind auf dem richtigen Weg, müssen uns aber gleichzeitig auch an den Ergebnissen der Studie orientieren und darauf reagieren. So gibt es unter den Befragten zum Beispiel eine zunehmende Skepsis bei Bio-Produkten. Früher wurde Bio mit Regionalität gleichgesetzt, mittlerweile gibt es aber bereits viele importierte Waren aus Bio-Anbau", hielt der Minister fest.

AMA-Gütesiegel ausbauen und klarer kommunizieren
Als einen der nächsten Schritte nannte er die Aktualisierung des Lebensmittel-Modells. Weiters sei eine noch klarere Kennzeichnung notwendig. "In Österreich brauchen wir eine begrenzte Zahl von Gütesiegeln, die für besondere Produktqualität stehen sollen. Parallel dazu müssen wir auch das AMA-Gütesiegel ausbauen, das heißt, wir müssen klarer kommunizieren, wofür es steht und darüber hinaus seinen Einsatz verbreitern", unterstrich Berlakovich. Bei regionalen Nahrungsmitteln seien die Direktvermarktung und die Versorgungsinfrastruktur auszubauen. Im Spezialitätenbereich wolle er die Initiative "Genuss Regionen" weiter forcieren, kündigte der Ressortchef an. Dies wäre auch für die internationale Positionierung wichtig. "Eine "Geiz ist geil"-Mentalität kann gerade bei der Ernährung nicht unsere Zukunft sein, weil sie unsere qualitätsorientierte Produktion schwächt", so der Landwirtschaftsminister.


Aktualisiert am: 27.07.2009 11:41
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