Berggebiete-Konferenz in Tirol mit Fischer Boel

Hochrangige Vertreter der Alpenländer sammelten bei der Berggebiete-Konferenz im tirolerischen Alpbach auf Einladung von Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich und des Landes Tirol konkrete Ideen und entwickelten Perspektiven für die Absicherung der Landwirtschaft im Berggebiet.
Drei Viertel der landwirtschaftlichen Betriebe Österreichs befinden sich im Berg- bzw. benachteiligten Gebiet. Die heutige Berggebiete-Konferenz in Alpbach machte sie zum Thema.
Drei Viertel der landwirtschaftlichen Betriebe Österreichs befinden sich im Berg- bzw. benachteiligten Gebiet. Die heutige Berggebiete-Konferenz in Alpbach machte sie zum Thema.
Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel stellte bei der Berggebiete-Konferenz in Alpbach ein Konzept vor, das Stärken und Schwächen der Berggebiete analysiert und Möglichkeiten künftiger Förderschwerpunkte aufzeigt. Minister Berlakovich stellte fest, dass die EU-Agrarpolitik auch in Zukunft die Berglandwirtschaft sichern müsse und erteilte damit einer Renationalisierung der Agrarpolitik er einmal mehr eine klare Absage.

Berggebiete haben große Bedeutung für Österreich
"In Österreich beträgt der Anteil der benachteiligten Gebiete, bezogen auf die landwirtschaftliche Nutzfläche, etwa 65%. Dabei dominieren die Berggebiete mit einem Anteil von 80%. Knapp drei Viertel unserer landwirtschaftlichen Betriebe befinden sich im Berg- beziehungsweise benachteiligten Gebiet. Daher braucht es auch in Zukunft besonders für diese Regionen finanzielle Unterstützung", unterstrich der Minister. Für das Bergbauernprogramm (Ausgleichszulage) steht ein Topf von insgesamt 276 Mio. Euro jährlich zur Verfügung, außerdem werden die Leistungen dieser Landwirte auch durch andere Zahlungen, etwa dem Umweltprogramm ÖPUL oder der Investitionsförderung abgegolten. "Um diese Unterstützung auch in Zukunft gewährleisten zu können, ist eine gemeinsame Anstrengung notwendig. Deshalb habe ich gemeinsam mit Kommissarin Fischer Boel die Initiative ergriffen und hochrangige Vertreter aus den Alpenländern zu dieser Konferenz eingeladen", so Berlakovich. Es gehe darum, Pflöcke einzuschlagen und die wichtigsten Schwerpunkte der künftigen Politik zu formulieren. "Bei einer Neuausrichtung der GAP nach 2013 sollen für die Bergebiete nicht isolierte Maßnahmen gelten, sondern sie sollen in allen Maßnahmen in der ersten und zweiten Säule der GAP fest integriert bleiben. Dieser Grundsatz gilt auch für die benachteiligten Gebiete", verlangte Berlakovich.

Flexibilität bei Direktzahlungen weiterhin notwendig
Die Fortführung von Flächenzahlungen in Verbindung mit Mindeststandards solle aus österreichischer Sicht beibehalten werden. Extensive Flächen wie Almen seien weiterhin in die EU-Direkzahlungen einzubeziehen. "Bei der Gestaltung der Ausgleichszulage muss ein Handlungsspielraum für die Mitgliedstaaten gewahrt bleiben. Für die maßgeschneiderte Berechnung der betriebsindividuellen Ausgleichszulage müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein: Erstens ist eine betriebsindividuelle Erschwernisbewertung erforderlich, diese wird in Österreich mit dem Berghöfekataster umgesetzt. Zweitens benötigen wir eine Differenzierung nach Betriebsart, wobei etwa die Haltung von raufutterverzehrendem Vieh maßgeblich ist. Drittens brauchen wir weiterhin die Möglichkeit, den in der Verordnung definierten Höchstbetrag je ha unter bestimmten Voraussetzungen überschreiten zu dürfen", betonte Berlakovich. Eine Überfrachtung der Ausgleichszulage mit zusätzlichen obligatorischen Auflagen wie etwa einer Extensivierungsverpflichtung werde klar abgelehnt.

Fischer Boel: Stärken der Berggebiete nutzen
Konkreter Anlass und Mittelpunkt dieser Konferenz war die Vorstellung des Konzepts "New Insights into Mountain Farming" durch Agrarkommissarin Fischer Boel. Dieses 30-seitige Papier liefere mit einer umfassenden Darstellung der Situation der Berglandwirtschaft einen Rahmen und Ansatzpunkt für konkrete Schritte in Richtung einer nachhaltigen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung der Bergregionen nach 2013", erklärte die Kommissarin. Aus dem Papier geht hervor, dass in 16 Mitgliedstaaten Berggebiete als solche definiert sind (im Rahmen der Ländlichen Entwicklung). Österreich liegt dabei hinsichtlich des absoluten Flächenausmaßes an fünfter Stelle, deren Anteil an der Landwirtschaftlichen Nutzfläche ist aber am höchsten. Die EU-Kommission verweist in dem Dokument auf die Stärken dieser Regionen und nennt dabei unter anderem die Pflege der Kulturlandschaft, die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel, die Erhaltung der Artenvielfalt und die Bedeutung für den Tourismus. Die Schwächen der Berggebiete sieht die Brüsseler Behörde in den geografischen Benachteiligungen, in der arbeitsintensiven Bewirtschaftung der Steilflächen, in der schwierigen Erreichbarkeit und - im Vergleich zum Flachland - in weniger Produktionsalternativen. Weiters enthält das Papier einen Überblick über die aktuellen Fördermöglichkeiten der EU für die Berglandwirtschaft. Im Zusammenhang mit der Initiative LEADER wird als best-practice-Beispiel das steirische Almo-Projekt angeführt, das heute auch in Alpbach vorgestellt wurde.

Maßgeschneiderte Förderung wichtig
"Aus dem vorgelegten Konzept geht hervor, dass die europäischen Berggebiete sehr unterschiedlich strukturiert sind, gemeinsam haben sie die Bewirtschaftungsnachteile, die weiterhin ausgeglichen werden sollen", sagte Fischer Boel. Zahlen über die künftige Ausstattung an Fördermitteln können sie nicht nennen, generell rate sie den Mitgliedstaaten, die bestehenden Instrumente möglichst gut zu nutzen. In manchen Ländern bestehe diesbezüglich noch Nachholbedarf, weil man sich nur der traditionellen Förderschienen bediene. Österreich gehe dagegen mit gutem Beispiel voran. Eine Chance für die Berglandwirtschaft sieht die Kommissarin in der forcierten Bewerbung und Kennzeichnung von Produkten aus alpinen Regionen. Generell legte die Kommissarin ein Bekenntnis zu "maßgeschneiderten Förderungen auch in Zukunft" ab.

Eßl: Ausgleichszulage hat sich bewährt
Franz Eßl, Obmann der ARGE Bergbauern in der Landwirtschaftskammer Österreich, verwies in seinem Statement darauf, dass sich die Ausgleichszulage in den vergangenen Jahren bewehrt habe, sie sollte daher unbedingt beibehalten und angehoben werden. Eine gekoppelte Mutterkuhprämie sei auch in Zukunft erforderlich, sagte Eßl. Er sprach sich auch für einen Bürokratieabbau beim Förderwesen aus. (AIZ)



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Aktualisiert am: 09.12.2009 09:03
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