Belgische Handelsketten wollen kein Eberfleisch

Mehrere belgische Handelsketten verzichten bereits auf den Verkauf von Fleisch kastrierter Schweine. Eine weitere Supermarktkette, Delhaize, will ab Juni 2013 ebenfalls verzichten. In Österreich wäre eine Umsetzung der Ebermast nicht so einfach.
In Österreich wäre eine Umsetzung der Ebermast aufgrund der kleinen Struktur schwieriger.
In Österreich wäre eine Umsetzung der Ebermast aufgrund der kleinen Struktur schwieriger.
Die belgische Supermarktkette Delhaize will ab Juni 2013 aus Tierschutzgründen auf die Vermarktung von Fleisch kastrierter Eber verzichten. Wie der Internet-Informationsdienst Vilt den börsennotierten Konzern zitierte, sollen die Lieferanten zur Vermeidung von Ebergeruch andere Maßnahmen als die Kastration ergreifen, damit die Tiere nicht leiden. Die Wahl alternativer Methoden wolle das Unternehmen den Ferkelerzeugern überlassen. Andere große belgische Lebensmitteleinzelhandelsketten wie Lidl, Colruyt und Okay bieten bereits seit Längerem nur noch Eberfleisch an. Indes haben sich die Niederlande zum Ziel gesetzt, ab 2015 vollständig auf die Eberkastration zu verzichten. Dort werden der Wirtschaftsgruppe Vieh und Fleisch (PVV) zufolge heute schon etwa 40 % der männlichen Ferkel nicht mehr kastriert. Als beste Alternative gelte die Mast von Jungebern. In Deutschland wird für das Jahr 2017 ein Verbot der betäubungslosen Kastration angestrebt.
Dr. Johann Schlederer von der Schweinebörse sieht die Situation in Österreich wie folgt: "Die Ebermast ist unter den derzeitigen Umständen in Österreich schwer umsetzbar. Wir wissen, dass es am Schlachtband einige Prozent an echten Stinkern gibt und zusätzlich noch 20 bis 30 % verdächtige Schlachtkörper. Maßnahmen zur Verringerung dieser Anteile – zum Beispiel die geschlechtergetrennte Mast – sind in Österreich strukturbedingt nicht so leicht umsetzbar. Das gilt aber auch für Schlachtbetriebe. Große Schlachtunternehmen in Deutschland haben natürlich andere Verwertungsmöglichkeiten für verdächtige Ware, als der kleine Schlachtbetrieb oder der Metzger hierzulande. Daher werden wir uns die Fortschritte der Forschung genau ansehen. Vielleicht findet die Züchtung eine Lösung, vielleicht aber auch andere Forschungsrichtungen."

Aktualisiert am: 24.07.2012 10:07
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