Bei hohen Milchleistungen gibt es keinen Absperrhahn

Die Zuchtarbeit der letzten Jahrzehnte hat zu hohen Einzeltierleistungen geführt. Eine Kuh, die zu Laktationsbeginn nicht genug Futter aufnimmt, kämpft über mehrere Wochen mit einer negativen Energiebilanz. Das Problem an der Sache: Der Milchhahn kann aufgrund hormoneller Steuerung nicht einfach abgedreht werden.
Der Milchhahn kann aufgrund hormoneller Steuerung nicht einfach abgedreht werden.
Der Milchhahn kann aufgrund hormoneller Steuerung nicht einfach abgedreht werden.
In der Transitphase 3 Wochen vor und 3 Wochen nach der Geburt ergeben sich hormonelle, biochemische und physiologische Veränderungen. Sie schließen die Regulation der Beendigung der Trächtigkeit mit der Geburt, der Vorbereitung des Euters für die Kolostralmilch- und Milchsekretion und des Energiestoffwechsels ein. Der Energiestoffwechsel erfährt in dieser Phase drei wesentliche Veränderungen: Stufenweise Verringerung der Futteraufnahme ab dem 10. Tag a.p. (ante partum = vor der Abkalbung) bis auf etwas 60 – 80 % am Tag der Geburt, rascher Anstieg des Energiebedarfs p.p. (post partum = nach der Abkalbung) infolge der Zunahme der Milchsekretion und ein zu geringer Anstieg der Futteraufnahme p.p. im Verhältnis zur Milchleistung. Als Folge ergibt sich in der Regel schon vor der Geburt eine geringe negative Energiebilanz (NEB), die ihr Maximum in den ersten zwei Wochen nach Geburt erreicht. Im geburtsnahen Zeitraum treten vermehrt Probleme wie Labmagenverlagerung, Nachgeburtsverhalten, subklinische und klinische Ketose, Gebärmutter- und Euterentzündung sowie Lahmheiten auf. Deshalb erfolgt ein Großteil der vorzeitigen Abgänge in dieser Phase. Kühe weisen mit einer höheren Futteraufnahme rund um die Geburt eine geringere Ketonkörperkonzentration, einen geringeren Gehalt von Fett in der Leber, einen leichteren Verlauf von Gebärmutterentzündungen und verbesserte Fruchtbarkeitsparameter auf.

Autor: Holger MARTENS, Institut für Veterinär-Physiologie, Freie Universität Berlin (D)

Mehr darüber erfahren Sie in der Ausgabe 13 von „Der fortschrittliche Landwirt“

Weiters in dieser Ausgabe:
  • Kompoststall: Ein System mit hohem Kuhkomfort
  • Betriebsreportage Fam. Rehbichler aus Tirol
  • Grünland hat enorme Eiweißreserven
  • Graswachstum für Weideplanung kennen und verstehen




Aktualisiert am: 02.07.2013 10:18
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