Bei der Ernte muss die Logistik stimmen

Betreiber von Biogasanlagen spüren es am deutlichsten, andere Landwirte sind aber genauso betroffen: Die Bereitstellung von Rohstoffen, sei es für die Biogasproduktion oder auch für die Silagegewinnung, ist für Landwirt und Lohnunternehmer eine Herausforderung, bei der es darum geht, möglichst zum optimalen Erntezeitpunkt große Mengen an Rohstoffen zu ernten, zu transportieren und so einzulagern, dass die Lagerverluste gering gehalten werden.
Der Massenstrom durch den Feldhäcksler ist die zentrale Kenngröße für die erforderliche Leistungsfähigkeit der nachfolgenden Transportkette.
Der Massenstrom durch den Feldhäcksler ist die zentrale Kenngröße für die erforderliche Leistungsfähigkeit der nachfolgenden Transportkette.
Die erforderliche Leistungsfähigkeit der Erntekette wird durch den Häcksler bestimmt. Die nachfolgende Transportkette muss diesem angepasst werden. Neben der Feld-Hofentfernung haben das Ladevolumen, die Ladedichte, die erzielbare Fahrgeschwindigkeit und die Anzahl der Transportfahrzeuge wesentlichen Einfluss auf den durch die Transportkette erzielten Massenstrom.
Steigende Ladevolumina, höhere Ladedichten und leistungsfähigere Häcksler vermindern den Arbeitszeitbedarf pro t TS. Aufgrund der Wartezeiten kann es bei bestimmten Feld-Hofentfernungen Ausnahmen zu dieser allgemeinen Aussage geben. Wird von der Voraussetzung ausgegangen, dass der Häcksler keine Wartezeiten aufweisen soll, so können bei kleinen Transportentfernungen bis zu einem Drittel der Arbeitszeit der Transporteinheiten Wartezeiten sein. Es ist daher zu prüfen, ob es nicht ökonomisch günstiger ist, Wartezeiten des Häckslers in Kauf zu nehmen.
Besonders bei einer großen Anzahl von Transportfahrzeugen tragen gestaffelte Beginnzeiten beim Start der Häckselkette zur Minimierung der Wartezeiten bei.
Je mehr Transportfahrzeuge im Einsatz sind, umso mehr Wartezeiten fallen an, wenn der Häcksler beispielsweise auf Grund längerer Straßenfahrten zum nächsten Feld oder zum Nachtanken das Häckseln unterbrechen muss.
Um Wartezeiten zu minimieren, sollen alle Transportgespanne das gleiche Fassungsvermögen und die gleiche Fahrgeschwindigkeit aufweisen.
Starke Schwankungen im Massenstrom durch den Häcksler innerhalb eines Arbeitstages, wie sie beispielsweise durch das Ernte von sehr kleinen und großen Schlägen am selben Tag entstehen können bzw. wechselnde Transportentfernungen können zur Minimierung von Wartezeiten eine unterschiedliche Anzahl von Transportfahrzeugen innerhalb eines Tages erforderlich machen.
Bei Silomais und Sonnenblume konnte gezeigt werden, dass die TS-Ladedichte mit zunehmendem Reifestadium der Pflanzen zunimmt. Es sollte daher keinesfalls zu früh geerntet werden.
Der im Vergleich zum Standardfeldhäcksler teurere Überladefeldhäcksler bietet die Möglichkeit das Häckselgut auf große traktorgezogene Anhänger oder LKW überzuladen. Ab welcher Transportentfernung er eingesetzt wird, ist eine ökonomische Entscheidung.

Optimale Abstimmung
Durch die optimale Abstimmung der Leistung von Erntegeräten und Transporteinheiten zueinander können die Kosten der Erntelogistik gesenkt werden. Die eingesetzten Kulturen, das Ertragsniveau und die Feld-Hof-Entfernung bestimmen die kostengünstigste Kombination. Mit dem erstellten Modell kann für jeden Betrieb mit seinen spezifischen Gegebenheiten (Kulturen, Erträge, Entfernungen) eine kostenminimale Kombination errechnet werden. In der Praxis müssen allerdings Kompromisse aufgrund von Einschränkungen hinsichtlich verfügbarer Größe und Anzahl von Ernte- und Transporteinheiten oder Ernteterminen eingegangen werden.

Landwirt-Tipp
Die Beiträge stammen aus dem Projekt: „Optimierung der Beschaffungs- und Distributionslogistik bei großen Biogasanlagen“, welches über die Programmlinie „Energiesysteme der Zukunft“ (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie; Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH; Österreichische Energieagentur) finanziert wurde.
Ziel dieses Projektes ist es die Wertschöpfung der Biogasproduktion aus agrarischen Rohstoffen durch logistische Maßnahmen sowohl auf der Eingangs- als auch auf der Ausgangsseite der Biogasanlage zu erhöhen und Möglichkeiten zur Systemoptimierung entlang der logistischen Kette aufzuzeigen.

Weitere Infos: http://www.energiesystemederzukunft.at/results.html/id4339?activ

Der komplette Projektbericht ist unter http://blt.josephinum.at/?id=1056 downloadbar.

Autoren: Dipl. Ing. Franz HANDLER und Ing. Emil BLUMAUER, FJ-BLT Wieselburg sowie Dipl. Ing. Bernhard STÜRMER und Dipl. Ing. Dr. Michael EDER, BOKU Wien


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Aktualisiert am: 18.07.2008 10:16
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