Bayern: Markt stabil, aber Milchpreise im Keller

Nach dem Abschluss der diesjährigen Kontraktverhandlungen zwischen Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel in Bayern kann man die Situation so zusammenfassen: Milchmärkte fangen an sich zu stabilisieren, aber der Handel nutz die Situation aus.
Der Handel nutzt die Situation schamlos aus.
Der Handel nutzt die Situation schamlos aus.
Die Milchmärkte beginnen sich langsam zu stabilisieren, aber der Handel nutzt die Situation brutal aus und schickt die Trinkmilchpreise weiter in den Keller, fasst Leonhard Welzmiller, Vorsitzender des Verbandes der Milcherzeuger Bayern e. V., die Situation nach dem Abschluss der diesjährigen Kontraktverhandlungen zwischen Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel zusammen.

Desaströses Ergebnis für Milchbauern
Ende letzter und Anfang dieser Woche ist die diesjährige Listungsrunde für die so genannte weiße Linie mit Trinkmilch, Quark und Sahne mit einem desaströsen Ergebnis für die Milchbauern abgeschlossen worden. Als skandalöse Konsequenz dürfte der Liter Vollmilch den Verbraucher ab nächste Woche erstmals weniger als 50 Cent kosten. Die im April noch ausbezahlten Milchpreise in Bayern von netto durchschnittlich 25 Cent/ Kilogramm sind mit diesem Abschluss, der für die nächsten sechs Monate den Milchpreis bestimmen wird, nicht mehr zu halten. Der ebenfalls neu verhandelte Butterpreis, der seit Herbst 2007 binnen 15 Monaten um fast 50 Prozent gefallen ist, hat sich dagegen auf niedrigem Niveau stabilisiert. Dieser Kontrakt, mit einer Laufzeit von zwei Monaten, zeigt in Deutschland hoffentlich den Beginn einer Trendwende am Milchmarkt.

Preisrückgang nicht nachvollziehbar
„Ich habe wiederholt auf das Problem hingewiesen und entsprechende Forderungen aufgestellt, dass mit verstärkten Absatzmaßnahmen und vorhandenen Marktordnungsinstrumenten rechtzeitig gegengesteuert wird“, betont Leonhard Welzmiller. Hier kann ich die Kritik auch vieler meiner Kollegen an den Exporterstattungen in dieser für die Milchbauern Existenz gefährdenden Situation nicht nachvollziehen. Es geht um das Überleben unserer Milchbauern, betont Welzmiller nochmals. Und da muss uns jedes Mittel und jedes Marktventil Recht sein. Die nochmaligen Preisrücknahmen sind auch deswegen nicht nachvollziehbar, da wichtige Marktindikatoren bereits positive Anzeichen vorgeben: Der Rohstoffwert Milch ist im April leicht gestiegen, die Molkerei Fonterra in Neuseeland hat erstmals seit sechs Monaten die Milchpreise wieder angehoben und von März auf April sind auf dem Weltmarkt die Preise für Magermilchpulver um 23 Prozent und für Vollmilchpulver um 17 Prozent angestiegen.

Mehr Informationen dazu unter: Milcherzeugerverband Bayern.


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Aktualisiert am: 05.05.2009 10:52
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