Baukosten sparen? Ja, aber sinnvoll

Geringe Baukosten pro Kuhplatz sind beim Stallbau nicht das einzige Maß der Dinge. Die Wirtschaftlichkeit des Stalles hängt neben den Kosten auch stark von der Leistung der Tiere, der Arbeitseffektivität und der Zufriedenheit aller im Betrieb tätigen Personen ab.
Sind die einzelnen Funktionsbereich klar definiert, lässt sich die Kalkulation einfach nachvollziehen.
Sind die einzelnen Funktionsbereich klar definiert, lässt sich die Kalkulation einfach nachvollziehen.
Viele Milcherzeuger und Berater fragen sich, ob die Baukosten pro Stallplatz ein geeigneter Vergleichsmaßstab sind und ob geringe Investitionskosten je Stallplatz automatisch eine höhere Wirtschaftlichkeit der Milcherzeugung erwarten lassen.

Baukosten je Stallplatz
Landläufig werden für neu gebaute Milchviehställe die Baukosten je Stallplatz angegeben und verglichen. Aber ist das noch zeitgemäß bzw. überhaupt noch möglich? Es gibt viele Gründe, die mittlerweile gegen solche Vergleiche sprechen. So ist bei Neubauten nicht immer klar, ob es sich bei den genannten Stallplätzen um die Anzahl der Liegeboxen im Stall, um die Plätze am Fressgitter oder um die genehmigte Kuhzahl handelt. Zudem werden neue Laufställe immer großzügiger dimensioniert, um den Kuhkomfort weiter zu verbessern. Das hat aber zur Folge, dass die bebaute Grundfläche für den Laufstall (ohne Melkzentrum oder Warteraum), je nach Stalltyp und Größe, extrem differiert. Unterstellt man beispielsweise bei einer Stalllänge von 50 Meter einen 5 m breiten Futtertisch, einen Fressgang mit 4 m und einen Laufgang zwischen den Boxenreihen mit 3 m Breite, so wird für einen 3-reihigen Laufstall einen Grundfläche von gut 9,8 m2 je Kuh (bezogen auf die Liegeboxenzahl) benötigt. Wird mit den gleichen Maßen ein 2-reihiger Boxenlaufstall gebaut, benötigt der Bauherr rund 12,3 m2 je Kuh. Bei einem Doppel-Einreiher werden unter den genannten Voraussetzungen knapp 11,9 m2 je Kuh bebaut. Also werden im Vergleich eines 3-Reihers zu einem 2-Reiher schon gut 25 % mehr Grundfläche und im Vergleich zum Doppel-Einreiher rund 21 % mehr Grundfläche bebaut.

Effizient bauen
Aus diesen Beispielen wird sehr deutlich, dass es nicht darauf ankommt möglichst billig zu bauen. Es kommt darauf an, mit geringen Baukosten einen effizienten Boxenlaufstall zu bauen, der die Arbeitseffektivität steigert, die Produktivität erhöht, die Arbeitsabläufe optimiert sowie vereinfacht und für die Arbeitskräfte „den Spaß an der Arbeit“ erhöht (Arbeitsplatzgestaltung).
Zur Verwirklichung geringer Baukosten ist eine umfassende Planung des Stalles notwendig. Dabei ist auf alle augenscheinlich überflüssigen Bauteile zu verzichten (z.B. verklinkern aller Außenwände). Zudem sollten alle Bauelemente (z.B. Stalloberbau, Stallunterbau, Aufstallung, Melktechnik, Elektro- bzw. Wasserinstallation uvm.) zeitraumnah vor Beginn des Bauabschnittes ausgeschrieben werden. Um die Vergleichbarkeit der Angebote verschiedener Firmen zu erhalten, ist eine möglichst exakte Beschreibung des ausgeschriebenen Bauelements unerlässlich. Auf der Basis der Angebote lässt sich oftmals noch erheblich mit den Handwerkern handeln.

Regelmäßige Baubesprechung
Um unliebsame und teure Überraschungen während der Bauphase zu vermeiden, haben einige Bauherren eine wöchentliche oder 14-tägige Baubesprechung etabliert. Dabei sind alle Handwerker einzubeziehen, die in nächster Zeit auf dem Bau tätig sind. Ziel dieser Besprechung ist der intensive Informationsaustausch (z.B. notwendige Vorarbeiten und Baudetails für die weitere Montage) und die zeitliche Abstimmung der Handwerker untereinander. Dadurch können Baufehler (z.B. fehlende Wandöffnungen oder Leerrohre), die ansonsten mit erheblichem Kostenaufwand beseitigt werden müssen, vermieden werden. Außerdem werden die Nerven des Bauherren geschont, weil alle betroffenen Handwerker auf dem gleichen Informationsstand sind und die Absprachen zwischen ihnen direkt erfolgen.

Autor: DI Bernd LÜHRMANN, LK Osnabrück (D)


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Aktualisiert am: 21.12.2009 10:05
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