Bauernverbands-Präsident Rukwied im Journalistengespräch

Im Rahmen der Grünen Woche 2013 in Berlin stellte sich Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied vor Journalisten einer Fragestunde. Die Themen reichten von der Gemeinsamen Agrarpolitik über die Energiewende bis hin zum Tierschutz.
Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbands, bei der Fragestunde vor Journalisten anlässlich der Grünen Woche in Berlin.
Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbands, bei der Fragestunde vor Journalisten anlässlich der Grünen Woche in Berlin.
Die Grundstimmung in der deutschen Landwirtschaft sei derzeit durchaus als positiv zu bewerten, so Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands. Ein wesentlicher Grund dafür sind die relativ stabile Preissituation bei Getreide und Milch. Lediglich das Preisniveau für Schweinefleisch erfährt derzeit – konjunkturbedingt – eine leichte Schwäche.

GAP
Bei der Gestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik hofft Rukwied auf eine möglichst rasche Einigung im EU-Haushalt, sodass die Umsetzung der GAP-Reform doch noch zum 1.1.2014 möglich sein werde. Von Seiten des Deutschen Bauernverbands werde man an der Marktorientierung – speziell im Sektor Milch – festhalten. Der Vorschlag von Agrarkommissar Ciolos, wonach 7 % der Fläche stillgelegt werden soll, entspreche laut Rukwied nicht den Anforderungen der Land- und Ernährungswirtschaft.

EEG:
In Sachen EEG ist für Rukwied der Erhalt bzw. die Möglichkeit der Biogaserzeugung sehr wichtig. Kritischer betrachtet er das Thema Photovoltaik: Diese Anlagen gehören nicht auf die Äcker. Im vergangenen Jahr betrug der Abbau landwirtschaftlicher Flächen in Deutschland rund 80 ha/Tag. Das wolle der Bauernverband stoppen. Grundsätzlich stünden die deutschen Bauern sowohl für Teller als auch für Tank, so Rukwied. Durch die Biodieselproduktion aus Raps entstehe beispielsweise mit Rapskuchen ein hochwertiges Futtereiweiß. Aus diesen Koppelprodukten könne derzeit rund ein Drittel der Eiweißversorgung gedeckt werden. Rukwied versicherte auch, dass der Bauernverband offen ist für Lösungsansätze bei der Frage des Netzausbaus. Der monetäre Ausgleich müsse jedoch neu justiert werden unter Berücksichtigung der Interessen der Gesellschaft und der Eigentümer.

Tierhaltung:
Viele Anfragen bezogen sich auch auf den Tierschutz in der Landwirtschaft. Rukwied erklärte, dass zwei Drittel der deutschen Bauernfamilien ihr Einkommen über die Tierhaltung erwirtschaften. Das Einkommen aus der Tierhaltung mache über 50 % der gesamten Bauerneinkommen in Deutschland aus.
Rukwied: „Wenn Sie industrielle Tierhaltung sehen wollen, dann müssen Sie in andere Kontinente blicken.“
Rukwied: „Wenn Sie industrielle Tierhaltung sehen wollen, dann müssen Sie in andere Kontinente blicken.“
Mit Sorge sehe er, dass die Gesellschaft zunehmend kritisch mit dem Thema Tierhaltung umgeht. „Die deutschen Landwirte arbeiten tiergerecht. Das wird vor allem dann klar, wenn man sich die Situation im globalen Zusammenhang ansieht“, so Rukwied. Es werde gemeinsam mit dem Lebensmittelhandel an Tierwohl-Labels gearbeitet. Dazu brauche es aber am Ende auch den Verbraucher, der dann bereit sein muss, für mehr Tierwohl auch tiefer in die Tasche zu greifen, so der Bauernpräsident.

Landwirtschaft im Konflikt mit der Gesellschaft
Auf die Frage, warum Deutschland industrielle Tierhaltung mit Steuermittel fördere, entgegenete Rukwied, dass die deutschen Bauernfamilien nachhaltig heute genauso nachhaltig wirtschaften wie vor 50 Jahren. Nur die Landwirtschaft sei Garant für Naturschutz, Landschaftsschutz und Tierschutz. Auch die Nitratgehalte in den Böden und im Grundwasser Wasser seien stark rückläufig. Man sehe also, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Außerdem verwehrte sich Rukwied von der Tierhaltung in Deutschland als industiell zu sprechen. Rund 99 % der Bauern in Deutschland seien bäuerlich geprägte Familienunternehmen. Der durchschnittlichen Sauenbestand liege bei 101 Sauen. Da könne von Massentierhaltung keine Rede. „Wenn Sie industrielle Tierhaltung sehen wollen, dann müssen Sie in andere Kontinente blicken.“

Aktualisiert am: 17.01.2013 13:51
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