Bauern fordern Fairness in der Brotpreis-Diskussion

Preiserhöhungen bei Gebäck nicht durch gestiegene Getreidepreise zu rechtfertigen.
"Die aktuell beabsichtigten Preiserhöhungen bei Brot und Gebäck gehen weit über den Preisanstieg bei Getreide und Mehl hinaus ", stellt NÖ Bauernbunddirektor Hans Penz in einer Aussendung fest. Es sei jedes Jahr das gleiche Spiel. Jeder Anstieg der Getreidenotierungen diene der Berufsvertretung der Bäcker als Rechtfertigung für Preiserhöhungen bei Backwaren. Die Innungsmeister dieses Gewerbes haben in den vergangenen Tagen Anhebungen der Konsumentenpreise zwischen 5 und 10% angekündigt. Sie begründen das mit den Kostensteigerungen insbesondere beim Hauptrohstoff Mehl, der sich im Vergleich zum Vorjahr um 25 bis 50% verteuert hätte.

Kaisersemmel - von 30 Cent Verkaufspreis nur 1 Cent für das Getreide

"Von Bauernseite können wir diese Argumentation nicht nachvollziehen ", stellt Penz dazu fest. Beispielsweise koste eine Kaisersemmel im Verkauf etwa 30 Cent pro Stück. "Die Kosten für den dabei aufzuwendenden Weizen belaufen sich zu Vorjahrespreisen auf etwa 0,7 Cent. Selbst wenn sich der Getreidepreis um 60% erhöht, steigen die Kosten für den Weizen je Semmel oder Salzstangerl auf nur knapp über 1 Cent. Das bedeutet einen Anstieg der Getreidekosten am Endpreis einer Semmel um nur einen Prozentpunkt. Preiserhöhungen von 5 bis 10% sind daher mit der Mehlpreiserhöhung sicher nicht zu begründen ", betont der Bauernbunddirektor.

Penz erinnert auch daran, dass sich von 2008 auf 2009 die Brotgetreidepreise etwa halbiert haben. Auf die Verkaufspreise von Brot und Gebäck habe dies aber praktisch keinen Einfluss gehabt. Laut Verbraucherpreisauswertung der Statistik Austria sind die Preise für das Mischbrot und die Semmel sogar leicht gestiegen. "Wenn sich die Getreideerzeugerpreise 2010 wieder an jene des Jahres 2008 annähern, dann ist damit erst recht keine Brotpreiserhöhung zu begründen ", meint Penz.


Weizenpreis halbiert - Semmelpreis verdoppelt

Eine längerfristige Betrachtung zeigt, dass sich die Notierungen für Getreide und die Verkaufspreise für Backwaren deutlich auseinanderentwickelt haben. Die amtliche Preisregelung für Brot und Semmeln ist in Österreich im Jahr 1988 ausgelaufen. Der Qualitätsweizenerlös auf Großhandelsebene hat sich seit damals nahezu halbiert. Demgegenüber hat sich der Preis einer Semmel mit einer Steigerung von umgerechnet etwa 14 Cent auf 30 Cent je Stück dennoch mehr als verdoppelt. "Allein dieses Beispiel zeigt, wie unhaltbar die Argumentation der Bäckerinnung ist. Würde tatsächlich ein Zusammenhang bestehen zwischen der Preisentwicklung bei Getreide und Backwaren, dann müssten auch die Semmeln in den letzten 20 Jahren deutlich billiger geworden sein ", argumentiert der Bauernbunddirektor. Es könne durchaus sein, dass die Kosten für Kapital, Arbeitskräfte und Energie die Preise treiben. Die im Verhältnis zum Endpreis marginalen Getreidepreise seien aber sicher nicht die Kostentreiber bei Backwaren (Quelle: AIZ vom 7.10.2010)


Aktualisiert am: 14.10.2010 08:55
Landwirt.com Händler Landwirt.com User