Automatische Melksysteme - AMS (Melkroboter)

Die Strukturen der Milcherzeugung ändern sich und die durchschnittlichen Kuhzahlen bzw. die Menge der erzeugten Milch je Betrieb steigt. Die Milchviehhaltung ist durch einen hohen Anteil an regelmäßig wiederkehrenden und zeitgebundenen Arbeiten gekennzeichnet. Das Melken inklusive Vor- und Nachbereitungsarbeiten nimmt dabei einen großen Anteil ein. Um die Arbeitskapazität beim Melken zu erhöhen, kam es zur Entwicklung von Anrüst-, Nachmelk- und Abnahmeautomaten.
Wird der Betrieb erweitert, sollte die Installation eines AMS mitüberlegt werden.
Wird der Betrieb erweitert, sollte die Installation eines AMS mitüberlegt werden.
Die Automatisierung praktisch aller Routinearbeiten führte schließlich zur Entwicklung automatischer Melksysteme (Melkroboter) in den 80 er Jahren des vorigen Jahrhunderts. 1992 wurden die ersten „praxisreifen“ AMS in Milchviehbetrieben installiert. Im Jahr 1995 wurde der Verkauf des Lely Astronauten A2 voll gestartet. Seit 2000 wird das automatische Melksystem (AMS) von DeLaval am Markt angeboten. Nach anfänglicher Skepsis gegenüber automatischen Melksystemen arbeiten in Österreich bereits etwa 60 Anlagen. Automatische Melksysteme können eine Alternative für zukunftsorientierte Familienbetriebe sein. Gerade in diesen gewachsenen Strukturen sind AMS eine realisierbare Möglichkeit Hochleistungsherden mehr als zweimal täglich zu melken.

Die Fragestellung lautet heute nicht mehr „Funktioniert ein Melkroboter?“, sondern „Passt ein Melkroboter zu meinem Betrieb und zu meiner Einstellung?“ Der Markt für automatische Melksysteme ist stark in Bewegung geraten. In den letzten Jahren verzeichneten die Hersteller jährliche Steigerungsraten von bis zu 100 %. Besonders im Norden Europas in Dänemark, Schweden oder Finnland werden bis 80 % der neu verkauften Melktechnik bereits als Melkroboter installiert. Weltweit gibt es bereits ca. 14.000 verkaufte Anlagen.

Anforderungen an Mensch und Tier
Bevor in diese innovative Melktechnik investiert wird, sollte der Landwirt klären, ob ein Melkroboter auch wirklich, zu sich und seinem Betrieb passt. Ganz besonders sollten folgende Fragen beantwortet werden:
• Haben die für das Melken verantwortlichen Personen das notwendige Interesse für die Computer- und Robotertechnik? Der Wegfall der täglichen Melkarbeit entlastet den Landwirt. Durch die steigenden Ansprüche, verursacht durch Kontrolltätigkeiten am PC, den täglichen Umgang mit dem Roboter und die 24-Stunden- Bereitschaft, entsteht aber eine andere Form der Arbeit.
• Können die Anforderungen an die Tierbeobachtung und Gesundheitsüberwachung auch ohne zweimaliges Melken erfüllt werden? Die erfassten Daten des AMS sind zusammen mit den ‚Kuhsignalen’ unverzichtbare Hilfen für eine erfolgreiche Herdenführung.
• Passen die Herdengröße und die Milchleistung zu den Automatischen Melksystemen? Um die hohen Investitionskosten beim AMS zu kompensieren, muss die Kapazität voll ausgelastet werden. Als Ziel gelten zirka 500.000 kg ermolkene Milch pro Melkbox. Diese Größenordnung kann nur mit Milchleistungen über 8.000 kg und gleichmäßig über das Jahr verteilten Abkalbungen erreicht werden.
• Wie kann der Betrieb in Verbindung mit AMS weiter wachsen? Wachstumssprünge mit jeweils 500.000 kg Milch beziehungsweise 60 bis 70 Kühen ist nur für wenige Betriebe realisierbar.
• Ist der Stall geeignet, den Roboter an optimaler Stelle zu installieren und so einen reibungslosen Tierverkehr zu ermöglichen? In der Planungsphase ist unbedingt die Form des Kuhverkehrs zu klären. Außerdem sind kurze Wege für Mensch und Tier anzustreben.
• Sind die Laufbereiche trittsicher und die Liegebereiche komfortabel? Nur mobile und ausgeruhte Kühe suchen die Melkboxen freiwillig auf! Neben einer guten Trittsicherheit der Laufgänge sollte eine weiche und saubere Liegebox selbstverständlich sein.
• Ist die Herde für AMS geeignet? Fast jede Kuh lässt sich automatische melken. Zwischen zwei und fünf Prozent der Kühe scheitern aber trotzdem an der Umstellung, weil sie sich weigern, die Melkbox zu betreten oder die Zitzenstellung das Ansetzen des Melkzeuges unmöglich macht.

Auch wenn der Roboter die eigentliche Melkarbeit übernimmt, ist ein Großteil der gewonnenen Zeit für Tierbeobachtung und Tierbetreuung zu verwenden.


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Aktualisiert am: 26.01.2009 17:48
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