Automatisch Melksysteme – AMS (Melkroboter)

Der 2. Teil nimmt vor allem die Bereiche Herdenmanagement und Eutergesundheit unter die Lupe. Das Ergebnis einer Befragung unter Landwirten in Österreich, die AMS bereits nutzen, sowie eine Marktübersicht schließen die Beilage ab.
Für eine reibungslose Inbetriebnahme von AMS ist eine eutergesunde Herde Grundvoraussetzung. Sonst kann es sehr schnell vom Einzeltier ausgehend, zu einer Gefährdung der Eutergesundheit der gesamten Herde kommen.
Für eine reibungslose Inbetriebnahme von AMS ist eine eutergesunde Herde Grundvoraussetzung. Sonst kann es sehr schnell vom Einzeltier ausgehend, zu einer Gefährdung der Eutergesundheit der gesamten Herde kommen.
Ein wesentlicher Bestandteil von AMS ist das Herdenmanagementsystem. Je nach System werden über 200 Einzeldaten von jeder Melkung erfasst.
Es besteht auch die Möglichkeit, die gesammelten Daten miteinander zu verknüpfen und zu einem Gesundheitsindex zu verrechnen (z.B. Mastitis-Detektions-Index MDI bei DeLaval). Lely bietet beim A 3 serienmäßig auch eine integrierte Wiegeeinheit an. Dabei werden alle Kühe beim Besuch der Melkbox gewogen. Wenn ein Tier in einer bestimmten Zeit zu viel Gewicht verliert, wird signalisiert, die Körperkondition der Kuh und die Kraftfutterzuteilung zu überprüfen. Welche Daten für seinen Betrieb von Bedeutung sind muss jeder für sich selber klären.

Stromversorgung
Automatische Melksysteme müssen jederzeit verfügbar sein. Deshalb ist eine Notstromversorgung zu gewährleisten. Bei der Auswahl des richtigen Notstromaggregates ist vor dem Kauf die notwendige elektrische Leistung (kW) zu erheben und eine Rücksprache mit dem Hersteller des AMS empfehlenswert.

Eingliederung mit Kalbinnen
Es hat sich bewährt, die Kalbinnen zur Eingliederung und zur Gewöhnung an das AMS schon 3 bis 4 Wochen vor dem Kalbetermin in die melkende Herde zu integrieren. Versuchsweise kann auch einmal der Melkarm unter das Euter gefahren werden, ohne allerdings anzusetzen. In der Regel funktioniert die Eingewöhnung bei Kalbinnen schneller und einfacher als bei den Kühen bei der Umstellung auf AMS.

Eutergesundheit in AMS Betrieben – positiv oder negativ beeinflusst?
Hinsichtlich der Eutergesundheit gibt es unterschiedliche Aussagen, die von Experten in zahlreichen Untersuchungen festgestellt worden sind.
Ein positiver Effekt auf die Eutergesundheit ergibt sich aus dem Einsatz eines AMS durch viertelindividuelles Melken. Dadurch wird Blindmelken verhindert und durch Schonung der Zitzen die gesamte Zitzenkondition verbessert. Darüber hinaus werden durch das bis zu viermalige Melken in regelmäßigen Zeitabständen Krankheitserreger mehrmals täglich ausgespült und somit deren Vermehrung im Euter vermindert. Insgesamt ist dadurch die Belastung des Euters durch einen geringeren Euterinnendruck stark verringert. Gleichermaßen positiv wirkt sich ein mehrmaliges Melken auf die ermolkene Milchmenge aus, wobei hier aus Erfahrungen von einer konstanten bis leichten Steigerung der Milchmenge bei mehrmaligem Melken berichtet wird. Dabei weisen Tiere in erster Laktation eine häufigere Melkfrequenz (2,8 ± 0,7) als Tiere in höherer Laktation (2,5 ± 0,4) auf.
Allerdings kann das Melken mit einem automatischen Melksystem auch negative Auswirkungen auf die Eutergesundheit haben.
So gibt es Berichte über einen Rückgang der Milchmenge, durch kürzere Laktationen der Kühe und der Problematik des sich „Selber Trockenstellens“ der Kühe. Ein weiterer Nachteil wird oft in der steigenden Melkfrequenz gesehen, wodurch der Zitzenkanal öfter und länger offen und somit das Risiko einer bakteriellen Besiedelung des Euters um ein Vielfaches größer ist. Außerdem können kurze Zwischenmelkzeiten (5 Stunden) die Zitze mechanisch sehr stark belasten. Im Gegensatz dazu lassen sich nicht alle Kühe regelmäßig mindestens zweimal täglich melken. Die dadurch entstehenden langen Zwischenmelkzeiten von mehr als 16 Stunden können das Bakterienwachstum im Euter fördern.
Viel diskutiert wird auch die abrupte Zellzahlerhöhung nach Inbetriebnahme des AMS. Dieser Anstieg kann mit der Stresssituation während der Umstellungsphase begründet werden.
Ebenso kann ein geringer Anstieg der Keimzahl beobachtet werden. Dieser Keimzahlanstieg kann durch ungenügende Reinigung der Zitzen und/oder durch die ständige Benetzung der milchberührten Oberflächen, wodurch eine gewisse Keimvermehrung stattfindet, hervorgerufen werden.

Fazit
Die Entscheidung hin zum AMS ist persönlich und betrieblich gut zu überlegen. Aus einer Befragung geht hervor, dass sich der Arbeitskräftebedarf auf den Betrieben durch die Umstellung auf AMS nur geringfügig ändert. Als Hauptgründe für die Anschaffung von AMS werden Verbesserung der Lebensqualität, Arbeitserleichterung und flexiblere Arbeitszeiten genannt.
Mit dem Einsatz von AMS gewinnt der Landwirt Zeit durch den Wegfall der täglich zeitlich gebundenen Melkarbeit. Trotzdem ist es von Anfang an wichtig, die frei werdende Zeit in das Herdenmanagement (Tierbeobachtung, Kontrolle der Alarmlisten,…) zu investieren.
Eine regelmäßige Wartung ist bei automatischen Melksystemen besonders wichtig. Ob ein Servicevertrag abgeschlossen wird, liegt im Verantwortungsbereich des Betreibers wird aber empfohlen. In der Umstellungsphase ist mit einem höheren Betreuungsaufwand zu rechnen, daher soll die Umstellung nicht während der Arbeitsspitzen erfolgen. Eine Notstromversorgung muss sichergestellt werden.
Für eine reibungslose Inbetriebnahme von AMS ist eine eutergesunde Herde Grundvoraussetzung. Extrem verschmutzte Euter und Zitzen bedürfen einer manuellen Vorreinigung. Deshalb muss in VMS Betrieben durch optimale Hygiene im Stall (Liegeboxen, Laufgänge) dem Verschmutzungsrisiko der Zitzen entgegenwirkt werden.
Um eine entsprechende Melkleistung (500.000 kg/Jahr) und damit verbundene Fixkostendegression erreichen zu können, ist eine Lieferleistung von zumindest 7.500 kg/Kuh erforderlich.

Autoren:
Dr. Claudia LITZLACHNER, Landwirtschaftskammer Österreich, 1014 Wien, Tel.: 01/53441/8542, E-Mail: c.litzllachner@lk-oe.at
Ing. Josef HARTL, Lebensmitteltechnologisches Zentrum, Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt, Francisco Josephinum Wieselburg, Tel.: 07416/52437/801, E-Mail: josef.hartl@josephinum.at
Ing. Franz WOLKERSDORFER, Rinderberatung LK-Oberösterreich, Tel.: 050/6902/4645, E-Mail: Franz.Wolkersdorfer@lk-ooe.at
Ing. Robert SCHWEIFER, Landwirtschaftskammer NÖ, Abteilung Tierhaltung, Referat Milchwirtschaft, Tel.: 02822/52445/32, E-Mail: robert.schweifer@lk-noe.at
Bmst. Ing. Rudolf SCHÜTZ, Landwirtschaftskammer NÖ, Referat Bauberatung, Tel.: 02742/259/5401, E-Mail: rudolf.schuetz@lk-noe.at
Planskizzen: Ing. Elisabeth PFAFFENLEHNER, Landwirtschaftskammer NÖ
Mag. Vitus LENZ, Landwirtschaftskammer OÖ, Tel.: 050/69021222,
E-Mail: vitus.lenz@lk-ooe.at
Dipl.-Ing. Franz HUNGER, Landwirtschaftskammer OÖ, Tel.: 050/69021229, E-Mail: franzgeorg.hunger@lk-ooe.at
Dipl.-Ing. Franz SCHALLERL, Landwirtschaftskammer Steiermark, Geschäftsführer Landeskontrollverband Steiermark, Tel.: 03112/2231/7741, E-Mail: franz.schallerl@lk-stmk.at



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Aktualisiert am: 20.02.2009 10:54
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