Australische Milchbauern bekennen sich in der Krise zur Marktreform

Ungeachtet des Preisverfalls an den internationalen Milchmärkten stehen die großen landwirtschaftlichen Organisationen in Australien zu der vor knapp zehn Jahren in ihrem Land durchgesetzten Liberalisierung des Milchmarktes.
„Die Farmer sollten Reformen nicht fürchten“, erklärte der Präsident von
Australien: Im Wettbewerb der Branchen hat die Landwirtschaft keinen Anspruch auf eine Sonderrolle.
Australien: Im Wettbewerb der Branchen hat die Landwirtschaft keinen Anspruch auf eine Sonderrolle.
Australian Dairy Farmers (ADF), Wesley Judd, vergangene Woche gegenüber dem Presse- und Informationsdienst Agra-Europe. Als Vorsitzender des Dachverbandes bringt Judd die sechs regionalen Milchbauernverbände auf dem Fünften Kontinent zusammen, die es im Jahr 2000 quasi von heute auf morgen mit der Beseitigung sämtlicher Preisstützungsmechanismen zu tun hatten.

Nicht nur auf den Erlös schauen
Trotz der aktuellen Marktkrise haben Australiens Landwirte Grund zur Zuversicht, denn immerhin haben sie dieses Jahr eine langjährige Dürre hinter sich gelassen. Das Amt für Land- und Rohstoffwirtschaft (ABARE) erwartet in seiner aktuellen September-Prognose allerdings, dass in Reaktion auf niedrigere Erzeugerpreise die Produktion im Wirtschaftsjahr 2009/10 gegenüber dem Vorjahr um 2,0 % auf 9,2 Mrd l Milch sinkt. Die Erzeugerpreise sollen laut der Prognose um 21 % auf 0,33 A$ (0,19 Euro) fallen. Wie Judd erläuterte, haben Milchviehhalter in nördlicheren Landesteilen, die stark für den heimischen Markt produzieren, den Preisabschwung an den Weltmärkten bisher weniger zu spüren bekommen. Grund seien langfristige Lieferverträge, die in vielen Fällen an der Jahreswende 2007/08 abgeschlossen worden seien.

Konstante Marktversorgung
Judd betonte aber auch, dass diese Betriebe auf saisonales Abkalben verzichteten, um eine möglichst konstante Marktversorgung sicherzustellen, und insofern Mehrkosten hätten. Die exportorientierten Produzenten und Milchverarbeiter seien hingegen schwerpunktmäßig im Süden des Landes angesiedelt, erläuterte der Präsident des Milchbauernverbandes. Was die milchwirtschaftlichen Ausfuhren angeht, rechnet das ABARE im Wirtschaftsjahr 2009/10 für Australien mit einem wertmäßigen Rückgang um 23,8 % auf 2,04 Mrd A$ (1,20 Mrd Euro), der sich damit in der Größenordnung des prognostizierten Erzeugerpreisverfalls bewegt. Australien exportiert rund 45 % seines Milchaufkommens. Die Weltmarktentwicklung schlägt laut der ABARE-Prognose damit voll auf die heimischen Märkte durch.

Auf Lieferkonditionen achten
Judd appellierte an die Milchbauern, sich nicht ausschließlich auf das Erlösniveau selbst zu konzentrieren, sondern auch auf die Lieferkonditionen in den Verträgen und auf Qualitätszuschläge zu achten. So hätten beispielsweise die Milcherzeuger in Australien die Wahl zwischen Kontrakten mit ein-, drei- und fünfjähriger Laufzeit. Trotz der aktuell schwachen Preise seien die langfristigen Aussichten für die Milchwirtschaft weltweit gut, betonte Judd und warnte vor einer einseitigen Ausrichtung auf nur wenige Märkte im Export. Die australische Milchwirtschaft besitze hohe Wettbewerbskraft. In seiner Heimat, so der Präsident des Milchbauern-Dachverbandes, sei das Argument, die Landwirtschaft benötige im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen eine Sonderbehandlung, nicht mehr durchsetzungsfähig. Anders als früher gebe es für diese Auffassung keine ausreichende Unterstützung mehr. Daher wolle der Agrarsektor sich auch nicht an den Rand drängen lassen. AgE


Aktualisiert am: 01.10.2009 13:39
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