Arbeitsökonomie: Effizientes Arbeiten in Ferkelerzeugung und Mast

Wie lässt sich die vorhandene Arbeitszeit effektiv und effizient nutzen? Auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben ist die arbeitswirtschaftliche Situation bis aufs Äußerste ausgereizt. Tipps und Tricks, die oftmals direkt umzusetzen sind und kaum einen Cent kosten, verrät der folgende Beitrag.
Im täglichen Ablauf sind es die kleinen Dinge, die eine große Wirkung haben, und oft unterschätzt oder belächelt werden. Wer einen Ferkelwagen zum Impfen und Einziehen der Ohrmarken benutzt, spart sich das Bücken und hat mehr Arbeitskomfort.
Im täglichen Ablauf sind es die kleinen Dinge, die eine große Wirkung haben, und oft unterschätzt oder belächelt werden. Wer einen Ferkelwagen zum Impfen und Einziehen der Ohrmarken benutzt, spart sich das Bücken und hat mehr Arbeitskomfort.
Montagmorgen, 6.30 Uhr. Franz Bauer ist mit sich und der Welt zufrieden. Gut gelaunt und ein Liedchen pfeifend, versorgt seine Sauen im Abferkelstall und denkt vergnügt an den gestrigen Sonntagsausflug mit seiner Familie zurück. Für heute Nachmittag hat er zwei Stunden Büroarbeit eingeplant. Er will einen passenden Eber für seine Sauen aus dem neuen Katalog aussuchen und Angebote verschiedener Hagelversicherungen vergleichen. Dazu braucht er Ruhe. Um das Telefon wird sich in dieser Zeit der Anrufbeantworter kümmern. Welche Arbeiten diese Woche zu erledigen sind, hat er für jeden Wochentag schriftlich aufgelistet. Denn Franz Bauer hat bemerkt: Acht Minuten Planung bringen eine Stunde Zeitgewinn am Tag. Und obwohl diese Woche Abferkelungen anstehen, weiß er, dass er sein Arbeitspensum schaffen wird.
Dem war nicht immer so. Mit Grauen erinnert sich der Schweinehalter an durchgearbeitete Sonntage im Büro – fertig wurde er selten und abends nagte das schlechte Gewissen, für die Familie wieder keine Zeit gehabt zu haben. Montags morgens beschlich ihn regelmäßig das Gefühl, den vielen lauernden Arbeiten nicht mehr gerecht werden zu können. Doch er hat umgeplant.

Wechsel zum Mehrwochenrhythmus
Der erste Schritt raus aus der Arbeitsfalle ist der Wechsel vom Wochenrhythmus in den Mehrwochenrhythmus. Der Mehrwochenrhythmus ist Grundpfeiler für geplantes und planbares Arbeiten in der Ferkelerzeugung. Der Dreiwochen-Rhythmus hat den großen Vorteil, dass sich die Arbeiten bündeln lassen, da mit größeren Gruppen gearbeitet wird. Also: Nicht jede Woche das ganze Programm von Abferkeln bis Absetzen, sondern nur alle drei Wochen eine Gruppe belegen. Große Sauengruppen rauschen besser und verschaffen Arbeitsersparnis. Weiterer Vorteil: Es können die am Markt gefragten größeren Ferkelpartien angeboten werden. Bautechnisch sind bei weniger, dafür aber größeren Sauengruppen auch weniger Ferkelaufzuchtabteile vorzuhalten. Daneben lassen sich beim Dreiwochen-Rhythmus Infektionsketten wirksam unterbrechen. Der Dreiwochen-Rhythmus sowie der verkürzte Dreiwochen-Rhythmus als ausgefeilte Variante ermöglichen Säugezeiten von 28 sowie 21 Tagen beziehungsweise 24 Tagen beim verkürzten Dreiwochen-Rhythmus. Hier wird der Absetztermin alle sieben Wochen um vier Tage vorverlegt, so dass die Säugezeit im Durchschnitt bei 24 Tagen liegt. Auch betriebswirtschaftlich ist der Wechsel zum Dreiwochenrhythmus interessant: Die Arbeitszeitersparnis im Vergleich zum Wochenrhythmus liegt bei rund 20 %.

Autoren: Johannes HILGERS, Landesverband Rheinischer Schweinezüchter, Meckenheim (D), und Maria MAßFELLER, freie Agrarjournalistin, Hennef (D)


Aktualisiert am: 07.05.2009 10:34
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