Angebotsschätzungen sorgen für Wirbel am Getreidemarkt

Mit Blick auf die anlaufende Getreideernte suchen Landwirtschaft, Handel und Verarbeiter die richtige Vermarktung- bzw. Einkaufsstrategie.
Die Ausgangssituation ist zu Beginn des neuen Wirtschaftsjahres vor allem aus Sicht der Abgeber schwierig, denn trotz stetig nach unten korrigierter Ernteprognosen für Deutschland und Europa stehen die Getreidepreise seit Wochen unter Druck. Baisse-Impulse kommen vor allem vom Weltmarkt, wo sich die Einschätzungen hinsichtlich der Versorgungssituation in den vergangenen Wochen stark gewandelt haben. Ein Beispiel hierfür lieferte in dieser Woche das US-Landwirtschaftsministerium mit seiner Flächen- und Bestandsprognose für Mais. So veranschlagte das Ministerium nicht nur die US-Maisvorräte zum 1. Juni gut 9 Mio. t höher als erwartet, sondern bewegte sich auch mit seiner Flächenschätzung deutlich über den Annahmen der meisten Marktteilnehmer. Zwar sind Zweifel angebracht, ob diese Schätzung die Realität treffend darstellt – immerhin erfolgte die Erhebung zu einem Zeitpunkt, als die Aussaat noch in vollem Gange war – der Wirkung auf die Märkte tat dies jedoch keinen Abbruch: die Getreidekurse sackten erneut kräftig ab.

Aktuelle Informationen zu den Getreidepreisen sind enorm wichtig.
Aktuelle Informationen zu den Getreidepreisen sind enorm wichtig.
Mit seiner positiveren Einschätzung zum globalen Getreideangebot steht das USDA zudem nicht allein. Auch der Internationale Getreiderat (IGC) korrigierte seine Prognosen jüngst deutlich nach oben. So erwartet der IGC eine globale Mais-Rekordernte von 858 Mio. t, das sind 33 Mio. t mehr als im Vorjahr und 15 Mio. t mehr als noch im Vormonat vorausgesagt wurden. An diesen Einschätzungen dürften die Märkte noch eine Weile zu knabbern haben, sodass ein nachhaltiger Preisanstieg vorerst nicht in Sicht ist. Mittelfristig könnte sich dies jedoch wieder ändern – vor allem dann, wenn sich die optimistischen Prognosen doch nicht in vollem Umfang bewahrheiten. Zudem sollte man nicht vergessen, dass die globalen Getreidemärkte in diesem Wirtschaftsjahr nach wie vor auf eine defizitäre Versorgungssituation hinsteuern. Angesichts der äußerst volatilen Märkte kommt aktuellen Informationen eine immer größere Bedeutung zu.

Hier geht's zur Homepage der Agrarmarkt Informationsgesellschaft Bonn (AMI).


Aktualisiert am: 05.07.2011 08:16
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