Analogkäse verschärft Krisensituation am Milchmarkt

Jährlich landen in Österreich ca. 10 Mio. kg Käseimitat am Teller.
Ist der Käse auf der Pizza echt oder ein Milchimitat aus Pflanzenfett, Farb- und Geschmackstoffen?
Ist der Käse auf der Pizza echt oder ein Milchimitat aus Pflanzenfett, Farb- und Geschmackstoffen?
Die krisenhafte Entwicklung des europäischen Milchmarktes hinterlässt auch bei den österreichischen Milchbauern und Molkereien deutlich negative Spuren. Es scheint, als ob trotz der Verlängerung der Intervention von derzeit rund 70.000 t Butter und 160.000 t Magermilchpulver in der EU-27 und trotz der privaten Lagerhaltung die Talfahrt der Erzeugerpreise nicht aufzuhalten sei. Viele Molkereien schreiben mittlerweile tiefrote Zahlen. Obwohl die EU-weite Milchanlieferung sinkt, verdeutlichen täglich neue Meldungen über Tagestiefstpreise in Nord- und Osteuropa von unter 20 Cent/kg Milch beim Bauernmilchpreis, dass manche Entwicklungen nur mehr wenig mit der Realwirtschaft und den Vollkosten der Produktion zu tun haben.

Kunstkäse als Milchersatz wird abgelehnt
Deutsche Experten gehen davon aus, dass allein in Deutschland jährlich rund 100.000 t sogenannter Analogkäse - ein künstliches Käseimitat - das Naturprodukt Käse verdrängen. Diese Menge entspricht immerhin dem Gegenwert von 1 Mio. t Milch. Auf Österreich umgelegt heißt das, dass rund 10 Mio. Kilogramm dieses künstlichen Imitats als Belag auf Pizzen, in Fertiggerichten oder in Mischungen mit echtem Käse, meist vom Verbraucher unerkannt, am Teller landen. Analogkäse wird sehr oft aus Palmöl oder Sojaöl unter Zusatz von Pulvermischungen, Farb- und Geschmacksstoffen hergestellt und ist wesentlich billiger als sein echtes Vorbild.
Zweifelhaft ist, ob das Milchimitat dieselben ernährungsphysiologischen Verträglichkeiten und Eigenschaften und denselben Gehalt an Vitaminen, Mineral- und Geschmacksstoffen besitzt wie ein Milcherzeugnis. Für Verbraucher ist es irreführend, wenn sie keinen klaren Hinweis am Produkt erhalten, dass hier Ersatzrohstoffe verwendet werden. Neben Kontrollen sollten hier auch zusätzliche Etikettierungsregelungen geschaffen werden.

Absatz bei Verbraucher fördern
Eine deutliche Reduzierung der Milchanlieferung allein wird für eine Stabilisierung des Marktes zu wenig sein. Deshalb sind auf nationaler und europäischer Ebene rasch Schritte nötig, um den Milchmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dazu gehören Absatzförderungsmaßnahmen für Verbraucher wie auch Verarbeitungsbeihilfen, aber auch sonstige neue Modelle. Die Sanierung der EU-Milchproduktion allein dem freien Markt und Warenverkehr zu überlassen, ist nicht akzeptabel und untragbar. Wenn EU-weit tausende Milchbauern fallengelassen werden und ihr Ausstieg aus der Produktion sogar von manchen als Lösung des Milchproblems propagiert wird, dann übersieht man, dass diese Bauern eine Hauptfunktion für die Erhaltung des ländlichen Raumes ausüben. Immerhin kommen zwei Drittel der österreichischen Milch aus benachteiligten Berg- und Grünlandgebieten. Ein galoppierender Strukturwandel kann auch nicht im Sinne der Verbraucher sein, da die in dieser Krisensituation in Kauf genommene Verknappung der Produktion später zu neuerlichen Preissprüngen Anlass geben wird.


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Aktualisiert am: 03.06.2009 11:05
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