Als Mutterkühe tauglich? – ausgemusterte Milchkühe

Müssen fehlerhafte Milchkühe tatsächlich gleich ausgemerzt werden? Könnten sie nicht als Mutterkühe weiterleben? Ja, meint ein findige Schweizer.
Ausgemusterte Milchkühe können taugliche Mutterkühe sein, wie auch Schweizer Erfahrungen beweisen.
Ausgemusterte Milchkühe können taugliche Mutterkühe sein, wie auch Schweizer Erfahrungen beweisen.
Wie kommt ein Landwirt auf die Idee, abgemolkene Milchkühe am Schlachtviehmarkt zu kaufen und diese als Mutterkühe zu verwenden? Dahinter stehen wirtschaftliche und ethische Überlegungen, erklärt der Schweizer Futtermittelberater Erich Widmer. Für die Kuh einer Fleischrasse müsse man mindestens 1400 Euro zahlen, während eine Milchkuh am Schlachtviehmarkt nur etwa 700 Euro und oft weniger kostet. Das macht einen Unterschied von 700 Euro!
Üblicherweise steht in Mutterkuhbetrieben ein Fleischrassestier in der Herde, der die Kühe deckt. Die fleischbetonten Kreuzungstiere werden dann als Einsteller oder Jungrinder verkauft. Die Tiere setzen viel Fleisch und wenig Fett an.

Kühe nutzen, nicht ausnutzen
Milchkühe könnten viel älter werden. Die Schweizer Milchrassen Braunvieh, Fleckvieh und Holstein erreichen je nach Rasse ein durchschnittliches Alter zwischen 6,2 und 6,7 Jahren während die Kühe gut zehn bis fünfzehn Jahre alt werden könnten. Es stellt sich die Frage, ob die intensiven Produktionssysteme die Tiere noch nutzen oder nicht schon eher ausnutzen?

Kühe erholen sich vom Leistungsstress
„Wir wollen die Tiere als Mutterkühe ohne Stress halten.“, sagt Erich Widmer. Viele sind nach ein paar Wochen in der neuen Umgebung kaum mehr wiederzuerkennen. Ehemals ausgemergelte Kühe weisen bald einmal Formen auf, wie man sie von Kühen der Original Fleckvieh- oder Braunviehrasse gewöhnt ist.

Weide als „Therapie“
Die Kühe fressen nicht nur, wie viele annehmen, die jungen Gräser, sondern auch die dürren Halme und rohfaserreichen älteren Gräser. Als Beweis nennt Erich Widmer überwachsene Geilstellen, deren Gras die Kühe wieder abweiden.
Geben die ehemaligen Hochleistungskühe nicht zu viel Milch für ihre Kälber? Das ist kein Problem, sagt der Berater. Das Euter bildet sich rasch zurück. Jede Kuh produziert nur so viel Milch, wie das Kalb durch die Massage am Euter anregt.

Nach diesen positiven Schweizer Erfahrungen bliebe zu diskutieren, wie es mit dem Mutterinstinkt der Milchkühe aussieht, wie sie also das Kalb annehmen und versorgen? Experten meinen, in diesem Bereich wären Fleischrinder-Mutterkühe den Milchkuh-Mutterkühen überlegen.

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Kontaktstelle für Beispielsbetriebe: Erich Widmer, c/o Hokovit, H. U. Hofmann AG,
4922 Bützberg. Tel.: 0041/62 / 958 80 80 oder 0041/79/ 358 63 05.


Aktualisiert am: 23.04.2010 12:42
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