Aktuelle Weltmarktlage für Druschfrüchte 2012

Die Marktlage für Druschfrüchte lässt stagnierende Preise erwarten. Warum der Abschluss von Vorverträgen günstig wäre und welche Gründe es für die gleichbleibenden Preise gibt, lesen Sie hier.
Eine Steigerung der Notierungen bis zur Ernte ist bei Weizen und Mais nicht zu erwarten.
Eine Steigerung der Notierungen bis zur Ernte ist bei Weizen und Mais nicht zu erwarten.
Josef Glauber, Chefökonomen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums, dämpft in seinem diesjährigen Vortrag auf der Agricultural Outlook Conference des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums die Einkommenserwartungen der dortigen Farmer für 2012, die sich voraussichtlich um 12 % gegenüber 2011 verringern. Preisrückgänge von etwa 20 % beim Mais, sowie 16 % beim Weizen für 2012/13 gegenüber dem Vorjahreszeitraum sind dafür verantwortlich.
Einmal ist bei beiden Erzeugnissen eine die Zunahme der Aussaatflächen zu verzeichnen, so um 6 % beim Weizen und 3,5 % beim Mais. Dazu kommen Ertragssteigerungen, die einen Mehrertrag von 10,8 % beim Weizen und 13,4 % beim Mais gegenüber 2011 erwarten lassen. Das damit verbundene Mehrangebot beim Mais trifft auf einen Nachfragerückgang und verschärft damit die Preissituation. Denn die Nachfrage nach Mais zur Bioethanolherstellung sinkt erstmals seit einem Jahrzehnt. Auslöser ist der Wegfall der Beihilfen von etwa zehn Eurocent pro Liter seit Jahresbeginn. Zugleich nimmt der Export dieses Bioenergieträgers nach Brasilien ab.
Auswinterungsschäden bei 3,5 Mio. ha beim Wintergetreide in der Ukraine erhöhen zudem auf indirektem Weg das weltweite Maisangebot, denn als Neueinsaat im Frühjahr bietet sich Mais an. Damit erwächst den USA ein neuer Wettbewerber, der vor allem in Nordafrika diese Druschfrucht wegen der geringen Frachtkosten preiswerter als die USA anbieten kann.
Einzig die Sojabohnen bleiben von diesen Preisrückgängen unberührt. Wohl legt deren Ertrag auch um 6,3 % zu, das bei konstanter Aussaatfläche. Aber der Sojabohnenpreis findet durch die hohe Nachfrage für deren Vermarktungsprodukte Sojaschrot und Sojaöl Unterstützung, sowie durch die Ertragseinbußen bei dieser Ölfrucht in Südamerika.

Das höhere Angebot an Mais trifft auf eine rückläufige Nachfrage.
Das höhere Angebot an Mais trifft auf eine rückläufige Nachfrage.
Vermarktung der Ernte 2012
Vorab, so sehen es derzeit die Marktbeobachter, bleiben Preisanstiege insbesondere beim Weizen, aber auch Mais, wohl bis zur Ernte aus. Einzig Raps kann sich derzeit fast gänzlich diesen Preisrückgängen entziehen. Ursache ist vor allem noch die Furcht vor möglichen Auswinterungsschäden. Einer Veröffentlichung der EU-Kommission zufolge steigt die Weizenerzeugung um 2,5 % oder 3 Mio. t auf 133 Mio. t in der Gemeinschaft an. Beim Mais hingegen, so schätzt Strategie Grains in seiner Februarprognose, nimmt der Maisertrag trotz einer Flächenzunahme um 1 % um 2,5 Mio. t auf 62,6 Mio. t ab, was aber keine ansteigenden Preise im Jahresvergleich bedingt.

Preisprognosen für die Ernte 2012
Mit 190 € notiert derzeit Weizen auf die Ernte 2012 (Nov 12) und damit etwa 12 % unter der zeitgleichen Vorjahresnotierung. Bleiben die Notierungen für November 2012 weiter unter 190 €/t, so lehrt die Erfahrung der letzten Jahre, sind mindestens fünf Wochen konstante oder weiter fallende Notierungen zu erwarten. Außerdem weisen diese Aufzeichnungen aus dem letzten Jahrzehnt aus, dass dann zudem bis zur Ernte nur geringe Chancen bestehen, mit Vorverträgen die kommenden Erntenotierungen zu übertreffen. Es empfiehlt sich daher, Vorverträge auf dem derzeitigen Niveau abzuschließen.
Auch die Maisnotierung für die kommende Ernte, den Novembertermin 2012, verheißt derzeit nichts Gutes. Das Preisverlaufsszenario entspricht dem beim Weizen. Derzeit notiert Mais mit 185 €/t etwa 10 % unter dem des Vorjahres. Obwohl die Gefahr eines weiteren Preisrückganges geringer als beim Weizen erscheint, empfiehlt es sich, auch hier schon Vorverträge für Teilmengen vorzunehmen.
Beim Raps-Erntetermin August 2012 zeigen sich gegenwärtig gewisse Ermüdungserscheinungen. Das ist nicht überraschend, da dieser seit Mitte Januar 12 nahezu um 30 € auf 440 € angestiegen sind. Folgen die Erntenotierungen in nächster Zeit dem saisonalen Verlauf seit 1994, könnten sie sich bis Mitte März zurückbilden, um dann aber bis Mitte Mai wieder anzusteigen. Problematisch erweist sich vor allem das inverse Notierungsgeschehen bei dieser Ölsaat. So liegt derzeit die Mai 13 Notierung um 16 €/t unter der vom August 12. Das verlangt geradezu dringlich nach eine Vermarktung schon zur Ernte und das mit einem größeren Teil des erwarteten Rapsertrages, um den bestmöglichen Preis mitzunehmen.

Autor: Joachim Ruhmann


Aktualisiert am: 28.02.2012 11:30
Landwirt.com Händler Landwirt.com User