Aktuelle Situation am Getreidemarkt und Kassamarkt Österreich

Politische Geschehnisse beeinflussen die Finanzmärkte und somit auch die Getreidemärkte. Am österreichischen Kassamarkt ist der Mahlweizen durchgehandelt, Hartweizen wurde gehandelt, Landwirte tätigen Maisdirketverkäufe.
Der Mahlweizenmarkt aus der Ernte 2011 ist in Österreich praktisch geräumt.
Der Mahlweizenmarkt aus der Ernte 2011 ist in Österreich praktisch geräumt.
Sehr gute Aufwuchsbedingungen für Weizen, Mais und Soja in den USA sowie heftige Regenfälle im April und Anfang Mai in Europa lassen die internationalen Getreideterminbörsen von den "Wettermärkten" her entspannen. Dazu kamen Ende der vorigen Woche schwache US-Beschäftigungszahlen und ein Absacken des Rohölpreises sowie am Wochenende die Wahl des Sozialisten und Fiskalpakt-Skeptikers Francois Hollande zum neuen Präsidenten Frankreichs und der Wahlsieg jener Parteien in Griechenland, die das zur Sanierung des drohenden Staatsbankrotts notwendige Sparpaket ablehnen. Diese beiden politischen Ereignisse entfachten auf den Finanzmärkten eine neue Angst vor einer Euro-Krise und schickten die Aktien- und Rohstoffmärkte - aber auch den Euro - auf Talfahrt.

In Europa stützt bei der Vermarktung der alten Ernte 2011 starke Nachfrage nach Futtergetreide die Kassamarktpreise. In Deutschland wird Futterweizen immer noch höher bezahlt als Brotweizen. Der Nachfrageschwung aus Polen und in der Folge dann auch der inländischen Mühlen hat vorige Woche die Mahl- und Qualitätsweizenpreise in Österreich weiter steigen und den Mahlweizenmarkt aus der Ernte 2011 praktisch räumen lassen.

Sinkende Terminmarktnotierungen beflügeln globale Nachfrage am physischen Markt
Sinkende Notierungen an den Terminmärkten lösen allerdings auch wachsende Nachfrage der Importeure an den physischen Märkten nach billigeren Kaufgelegenheiten aus: So meldeten die USA für ihre jüngste Berichtswoche bis zum 26.04. als Folge eines Drei-Monate-Tiefs der Maisfutures einen 21-Jahre-Rekord bei den wöchentlichen Maisausfuhrzahlen. Laut dem Washingtoner Agrarressort USDA wurden binnen dieser einen Woche 1,332 Mio. t Mais zur Lieferung 2011/12 und 2,14 Mio. t zur Verschiffung in der neuen Saison 2012/13 (01.09.2012 bis 30.08.2013) - in Summe 3,472 Mio. t, der höchste Wert seit Jänner 1991 - verbucht.

Die Sojaschrotpreise in Österreich steigen.
Die Sojaschrotpreise in Österreich steigen.
Österreich: Mahlweizen ist praktisch durchgehandelt
Um österreichischen Mahl- und Qualitätsweizen herrscht sowohl im In- als auch im Ausland weiterhin ein Geriss und die Preise befestigten sich vorige Woche weiter. Vergangenen Mittwoch setzte die Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien die Notierung dieser beiden Weizenqualitäten um weitere 4,- € beziehungsweise 2,- pro t auf 212,50 € respektive 205,50 € pro t hinauf.
Mahlweizen der Ernte 2011 sei damit praktisch durchgehandelt, heißt es. Für die Aufmischqualität Premiumweizen interessiere sich dagegen zurzeit überhaupt niemand, heißt es im Handel.
Nach mehr als einem Monat Pause wurde auch wieder einmal Hartweizen gehandelt und an der Wiener Börse mit 281,- € pro t leicht über seiner Letztnotierung bewertet. Nach wie vor nichts setzt der Handel an Mais ab. Die Preisvorstellungen von Anbietern und Verarbeitern lägen zu weit auseinander. Die Landwirtschaftskammern berichten dagegen Landwirteverkäufe von Mais direkt an Verarbeiter, wobei im März und April gegenüber den beiden Vormonaten regional unterschiedlich mit 185,- bis 194,- € pro t netto um rund 10 € pro t mehr zu erlösen gewesen seien. Ebenso würden bei tagesweise beziehungsweise anbieterweise unterschiedlichen Preisen auch eifrig Rapsvorkontrakte für die Ernte 2012 - zum Teil auch mit deutschen Ölmühlen - von den Produzenten abgeschlossen.
Weiterhin im Anstieg befinden sich auch die Sojaschrotpreise, wobei aber bei den meisten Anbietern Lieferschwierigkeiten keine Rolle spielen sollen.


Aktualisiert am: 10.05.2012 08:41
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