Aktuelle Pflanzenschutzinformationen für Winterweizen

Hier finden Sie aktuelle Informationen zum Pflanzenschutz im Winterweizen. Empfehlungen zu Pflanzenschutzmitteln und weitere Tipps gibt DI Hubert Köppl von der LK Oberösterreich.
Optimale Bedingungen für Septoria tritici sind kühle Witterung und länger andauernde Nässe im unteren Blattbereich. (Foto: DI Hubert Köppl)
Optimale Bedingungen für Septoria tritici sind kühle Witterung und länger andauernde Nässe im unteren Blattbereich. (Foto: DI Hubert Köppl)
Nach letzten Bonitur- und Laboruntersuchungen ist der Druck mit Septoria tritici in früh gesäten Beständen (bis Mitte Oktober) deutlich gestiegen. Andere Krankheiten sind momentan noch untergeordnet, vereinzelt findet man Mehltau- und Rostpusteln. Optimale Bedingungen für Septoria tritici sind kühle Witterung und länger andauernde Nässe im unteren Blattbereich. Bei wärmerer Witterung kann die Ausbreitung auch schneller erfolgen. Mulan zeigt auf trockenen Standorten leichte Aufhellungen von der Blattspitze her – dies ist eine sortentypische Eigenschaft. Die Weizen spitzen momentan das Fahnenblatt oder bei früh gebauten Beständen ist es auch bereits voll entwickelt. In früh gebauten Beständen und bei guter Stickstoffversorgung sowie dichten Beständen und hohen Ertragserwartungen und auch anfälligeren Sorten (z.B. Akteur, JB Asano, Lukullus) soll nach den Niederschlägen relativ rasch eine Behandlung erfolgen. In der Regel bleiben je nach Produkt und Aufwandmenge maximal 7 bis 10 Tage Zeit zu einer Behandlung, die die gesetzten Infektionen noch heilen kann. Bei einer geplanten Einmalbehandlung soll mit vollen Aufwandmengen eine Behandlung erst ab vollständig ausgebildetem Laubblatt durchgeführt werden.

Sollte noch Klettenlabkraut oder Distel zur Korrektur anstehen, so kann dies ab ausgebildetem Fahnenblatt (ES 37 bis 39) erfolgen. (Foto: DI Hubert Köppl)
Sollte noch Klettenlabkraut oder Distel zur Korrektur anstehen, so kann dies ab ausgebildetem Fahnenblatt (ES 37 bis 39) erfolgen. (Foto: DI Hubert Köppl)
Welche Pflanzenschutzmittel?
Strobilurinhältige Kombinationen (z.B. 0,75 l/ha Aviator Xpro + 0,75 l/ha Fandango, 1,0 l/ha Juwel Top, 1,5-1,8 l/ha Amistar Opti + 0,5-0,6 l/ha Gladio oder 1,0 l/ha Credo + 1,0 l/ha Champion) sollen wegen ev. Abreifeverzögerung nur bis knapp vor dem Ährenschieben (ES 49-51) eingesetzt werden. Ährenfusariosen werden dadurch nicht bekämpft, leider aber tendenziell leicht gefördert. Bei früher Anwendung kann durch diese Produkte ein eventuell spät auftretender Rostbefall nicht zur Gänze verhindert werden. Witterung und Sortenanfälligkeit sind zu beachten. Eine sehr gute Wirkung gegen Septoria tritici besitzt auch das Produkt Flamenco FS (1,8 bis 2,0 l/ha). Je nach Infektionsdruck können auch azol- bzw. carboxamidhältige Produkte wie 1,5 l/ha Adexar oder 1,0-1,25 l/ha Aviator Xpro bis kurz vor der Blüte verwendet werden. Bei sehr geringem Infektionsdruck, wenig anfälligen Sorten und mittleren Ertragserwartungen wäre auch eine Einmalbehandlung in der Blüte gegen Fusarium oder Braunrost mit z.B. 2,5 l/ha Osiris, 0,8-1,0 l/ha Prosaro, 1-1,25 l/ha Zantara, 1-1,25 l/ha Foli-cur/Tebu Super 250 EW, 1,25-1,5 l/ha Orius (keine Zulassung bei Fusarium), 1,2-1,5 l/ha Pronto plus, etc. möglich.
Bei einer Doppelbehandlung kommen im voll ausgebildeten Fahnenblatt Mischungen wie bei einer Einmalbehandlung in Frage, jedoch mit 2/3 bis 3/4 der genannten Aufwandmengen. In der Blüte kann dann bei heraushängenden Staubbeuteln nach 3 bis 5 mm Niederschlag und Temperaturen über 16°C gezielt eine Fusariumbehandlung mit z.B. 0,8 l/ha Prosaro, 2,5 l/ha Osiris, 1,0 l/ha Input Xpro, 1,0 l/ha Zantara, 1,0 l/ha Folicur oder 1,2 l/ha Pronto plus + 1,1 kg/ha DON-Q erfolgen.

Der Befall mit Käfern des Getreidehänchens war bisher schon hoch, momentan sieht man sehr viele Eier. (Foto: DI Hubert Köppl)
Der Befall mit Käfern des Getreidehänchens war bisher schon hoch, momentan sieht man sehr viele Eier. (Foto: DI Hubert Köppl)
Getreidehähnchen
Der Befall mit Käfern war bisher schon hoch, momentan sieht man sehr viele Eier. Bei warmer, trockener Witterung kann es hier zu massiven Schäden kommen. Wirtschaftliche Schadensschwelle sind 1 Ei/Käfer/Larve pro Fahnenblatt oder 10 % Fahnenblattverlust. Zum Einsatz gelangen können synthetische Pyrethroide bzw. Biscaya. Sollte noch Klettenlabkraut oder Distel zur Korrektur anstehen, so kann dies ab ausgebildetem Fahnenblatt (ES 37 bis 39) erfolgen. Bei Klettenlabkraut wird 0,5 l/ha Tomigan 180/Pyrat/Lodin etc. oder 0,75 bis 1 l/ha Starane XL empfohlen. Bei Distel sind 1,5 l/ha Dicopur M oder 35 g/ha Express SX einsetzbar. Eine breite Wirkung gegen Klettenlabkraut, Ka-mille, Distel und Kornblume besitzt 1,0 bis 1,25 l/ha Ariane C. Ein Wachstumsreglereinsatz wird erst nach Niederschlägen empfohlen. Im voll ausgebildeten Fahnenblatt kann bis ES 49 noch Camposan Extra (in Mischungen mit Fungiziden 0,2-0,3 l/ha) eingesetzt werden. Eine Mischung mit Herbiziden ist nicht möglich. Camposan extra sollte immer als Letztes in den Tank gegeben werden.

Autor: DI Hubert Köppl, LK Oberösterreich

Nähere Informationen finden Sie unter www.warndienst.at.


Aktualisiert am: 21.05.2012 14:07
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