Aktuelle Ergebnisse von DLG-Prüfungen in der Tierhaltungstechnik

Die DLG-Prüfung von Stalleinrichtungen bietet den Landwirten die Möglichkeit, in Haltungstechniken zu investieren, die im Rahmen der DLG-Prüfungen auf „Tiergerechtheit“ getestet wurden.
Im DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel in Groß-Umstadt  prüfen Dr. agr. Harald Reubold und ein Team Stalleinrichtungen auf ihre „Tiergerechtheit“.
Im DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel in Groß-Umstadt prüfen Dr. agr. Harald Reubold und ein Team Stalleinrichtungen auf ihre „Tiergerechtheit“.
Wenn Stalleinrichtungen im DLG-Testzentrum geprüft werden, nimmt die Überprüfung der „Tiergerechtheit“ eine wesentliche Rolle ein. Aufgrund der zunehmend großen Bedeutung wurde bereits 1998 ein DLG-Fachausschuss für Tiergerechtheit gegründet. Die Mitglieder des Fachausschusses unterstützen die DLG-Prüfingenieure bei der Erarbeitung der Prüfkriterien und der Durchführung der Tests. Zur praxisrelevanten Beurteilung der „Tiergerechtheit“ müssen unterschiedliche Parameter herangezogen werden, die sich in ihrer Aussagekraft ergänzen. Dies können ethologische, pathologische, physiologische und Leistungsparameter sein. Selbstverständlich müssen bei den durch die DLG durchgeführten Tests Vorgaben aus Gesetzen und Verordnungen (Tierschutzgesetz und Haltungsverordnungen) erfüllt werden.

DLG SignumTest
Die Prüfprogramme für den DLG SignumTest mit den jeweiligen Prüfkriterien werden von den DLG-Prüfungskommissionen unter Einbeziehung des DLG-Fachausschusses für Tiergerechtheit erarbeitet. Bereits seit 1996 erfolgt in den jeweiligen DLG-Prüfberichten eine klare Ausweisung „tierbezogener Kriterien“. Neben dem DLG SignumTest werden seit 2001 auch DLG FokusTests mit tierbezogenen Kriterien durchgeführt. Darüber hinaus führt die DLG für die Industrie Forschungs- und Entwicklungstests (F&E Test) zur Produktentwicklung und -optimierung von Stalleinrichtungen durch. Die Hersteller von Stalleinrichtungen nehmen gerne das Know-how der DLG-Prüfingenieure in Anspruch, um neue Produkte schon in der frühen Entwicklungsphase „auf Herz und Nieren“ testen zu lassen. Für neue Techniken werden zudem auch Untersuchungsmethoden im Rahmen von Diplom- oder Doktorarbeiten erarbeitet.

Laufgangbeläge im DLG-Test
Klauenerkrankungen stellen in der Milchviehhaltung weltweit eines der wichtigsten Gesundheitsprobleme dar. Die Abgänge wegen Klauenerkrankungen liegen in der EU bei 10 bis 15 Prozent. Vor allem die Beschaffenheit des Laufgangbodens im Liegeboxenlaufstall hat in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung. Kühe legen im Laufstall Distanzen von 1 bis 2,6 km pro Tag zurück. Die Klauengesundheit wird daher besonders durch die Gestaltung der Laufgänge beeinflusst. Da eine Beeinträchtigung der Klauengesundheit für das Tier mit Schmerzen verbunden ist, ist eine Optimierung des Laufgangbodens von großer Bedeutung für die Tiergerechtheit von Laufställen. Ferner verursachen Klauenerkrankungen Behandlungskosten, führen zu Leistungseinbußen (Milchverlust, schlechtere Fruchtbarkeit, Gewichtsverlust) und beeinflussen deshalb auch die Wirtschaftlichkeit der Milchviehhaltung. Die Kosten einer Lahmheit betragen rund 400,- Euro. In der EU beträgt der wirtschaftliche Schaden durch Klauenerkrankungen etwa 1,6 Mrd. Euro pro Jahr. Elastische Laufgangauflagen führen aufgrund ihrer Verformbarkeit zu einem Rückgang mechanisch traumatischer Klauenerkrankungen und haben positive Auswirkungen auf das Tierverhalten (Aktivität, Schrittlänge, Kopfhaltung). Dies wird durch die bisherigen DLG SignumTests von Laufgangbelägen bestätigt. Somit können durch elastische Laufgangauflagen die wirtschaftlichen Einbußen verringert und die Klauengesundheit verbessert werden.

Liegeboxmatratzen für Rinder im DLG-Test
Auf harten nicht elastischen Flächen liegen die Tiere im Mittel nur etwa sieben Stunden pro Tag. Dies bedeutet eine erhebliche Mehrbelastung für die Klauen und somit auch eine Beeinträchtigung der Klauengesundheit. Des Weiteren verursachen harte, nicht elastische Liegeflächen Liegeschäden (Gelenkserkrankungen). Auf weichen Liegeflächen (die Verformbarkeit sollte mindestens 10 mm betragen) liegen die Tiere mit 12 bis 14 Stunden je Tag etwa doppelt so lange in den Liegeboxen. Dies führt zu einer deutlichen Entlastung der Klauen, zu einer besseren Gelenksgesundheit. Auch die Wiederkautätigkeit und die Euterdurchblutung nehmen zu. Dies kann im Vergleich zu nicht elastischen Liegeflächen bis zu 1,5 kg mehr Milch pro Kuh und Tag bringen. Somit können weiche Liegeflächen die Wirtschaftlichkeit der Milchviehhaltung verbessern.

Internationale Förderprogramme
In Irland und Holland erhalten Landwirte Fördergelder, wenn sie beim Stallneu oder -umbau Laufgangauflagen oder Liegeboxmatratzen mit DLG-Prüfzeichen einbauen. Landwirte in der Schweiz können Fördergelder (pro Tier und Jahr 60,- Euro) aus dem BTS-Programm (Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme) für Liegeboxbodenbeläge für Milchkühe und Mastbullen erhalten. Grundlage ist der DLG FokusTest „BTS Rindvieh“, den das DLG Testzentrum seit 2005 durchführt (seit 2007 werden im Rahmen dieses Tests auch Liegematten für Mastbullen/Munis untersucht). Dieser Test wurde gemeinsam mit dem Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) entwickelt. Um das Prüfzeichen „BTS FokusTest Rindvieh“ zu erhalten, müssen folgende Anforderungen erfüllt werden:
-Verformbarkeit: mindestens 10 mm im Neuzustand und 8 mm nach Dauertrittbelastung.
-Gelenksbonitierung von mindestens 100 Tieren in mindestens drei Betrieben: Hautabschürfungen am Sprunggelenk unter 25 %. (Dr. Harald Reubold, DLG-Testzentrum)

Ausführliche Informationen über die DLG-geprüften Stalleinrichtungen finden Sie unter www.dlg-test.de


Aktualisiert am: 25.05.2010 09:54
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