Aigen: Wintertagung zeigt Entwicklungen

Bei der Wintertagung des Ökosozialen Forums, genauer gesagt bei den Grünland- und Viehwirtschaftstagen in Aigen im Ennstal erlebten zahlreiche Besucher interessante und aufschlußreiche fachliche und politische Vorträge, deren Höhepunkt ein Ausblick auf die Agrarpolitik nach 2013 war.
Während am ersten Tag in Aigen viel Politprominenz anwesend war und es
Dr. Peter Kaltenegger skizzierte die Rahmenbedingungen und Herausforderungen für die GAP von 2014 bis 2020.
Dr. Peter Kaltenegger skizzierte die Rahmenbedingungen und Herausforderungen für die GAP von 2014 bis 2020.
am Vormittag um Perspektiven für die Milch- und Viehwirtschaft ging, stand das Nachmittagsprogramm im Zeichen der Rindfleischproduktion, Kulturlandschaft und Almwirtschaft. Der Mutterkuhhaltungs- und Fleischrinderexperte Rudi Grabner skizziérte gute Chancen für die heimische Rindfleischproduktion, wenn bäuerliche Familienbetriebe Qualitätsrindfleisch auf Grundfutterbasis erzeugen und gemeinschaftlich organisiert vermarkten. Dr. Margit Velik vom LFZ Raumberg Gumpenstein hob den hohen Wert des am Grünland erzeugten Rindfleisches in ihrem Vortrag hervor. Als eines der höchsten Güter, die bäuerliche Arbeit produziert, stellte der Südtiroler Dr. Erich Tasser die Kulturlandschaft vor. Er schilderte ihre Bedrohung durch Beendigung der bäuerlichen Bewirtschaftung anhand von Beispielregionen vor. Landesrat Erich Schwärzler berichtete von steigendem Interesse an der Almbewirtschaftung, meinte, man müsse auch in Zukunft mit der Almbewirtschaftung Geld verdienen können. Almen dürften nicht zu Reservaten verkommen. Er scheute auch nicht davor zurück, die Konfliktbereiche anzusprechen. Ama-Kontrollen und Rückforderungen oder Probleme beim Wegebau mit dem Naturschutz seien bereiten derzeit die massivsten Probleme.

Tag zwei startete mit dem Forst
Hannes Krehan vom BFW in Wien schilderte am Freitag die Bedrohungen der Wälder durch den Borkenkäfer. Besonders nach Stürmen sei ja erfahrungsgemäß mit Massenvermehrungen des Käfers zu rechnen, so dass heuer und im kommenden Jahr extrem auf diesen Waldschädling zu achten sein wird. Es drohe in manchen Regionen ansonsten ein flächenhaftes Absterben des Waldes. Rundholzbauer Fránz Haberl machte den Praktiker Mut, das Holz selbst zu ernten und schilderte seine Erfahrungen in der Holzveredelung.

Genomische Selektion
Nach einem Vortrag zur Grünlanderneuerung ging es um die Rinderzucht. Dr. Josef Miesenberger, Geschäftsführer des FIH, stellte die genomische Selektion vor und berichtete davon, dass mittels Genomanalyse in Zukunft Zuchtwerte mit höherer Sicherheit angeschätzt werden können. Das System braucht aber eine nationale und internationale Zusammenarbeit unter den Züchtern und Rinderzuchtorganisationen. Dipl. Ing. Peter Stückler von der Rinderzucht Steiermark sprach zum Thema - Wie reagiert die Rinderzucht auf das aktuelle wirtschaftliche Umfeld. Kurzfristig, so der Geschäftsführer, könne gar nicht reagiert werden, denn Rinderzucht laufe über Jahre. Die Zucht könne nur danach trachten, möglichst langlebige Rinder auf gesunden Fundamenten und mit guter Fruchtbarkeit und gesunden Eutern zu prduzieren. Diese Tiere seien immer wirtschaftlich. Obwohl von einer weiteren Leistungssteigerung ausgegangen werden kann, müsse jeder Bauer selbst durch richtige Stierauswahl sein Leistungsniveau und die konkreten Zuchtziele bestimmen.

Ausblick: Agrarpolitik nach 2013
Besonders interessant war der abschließende Vortrag von Dr. Peter Kaltenegger von der EU-Kommission in Brüssel. Dr. Kaltenegger, selbst ein Murtaler, skizzierte blendend und sehr offen die Rahmenbedingungen und Herausforderungen für die GAP von 2014 bis 2020. Da dieses Mal bei der Neuausrichtung der gemeinsamen Agrarpolitik auch das Europaparlament mitbestimmen wird, kann die Entscheidungsfindung länger, bis zu 2,5 Jahre, dauern. 2012 sollten Beschlüsse gefaßt werden, damit wäre schon jetzt eine intensive Diskussion über die konkrete Ausgestaltung der Agrarpolitik nötig. Kaltenegger lud alle Bauern und Organisationen ein, sich in den Diskussionsprozess mit guten Ideen einzubringen. Er sprach davon, dass Österreich mit dem neuen EU-Kommissar Dacian Ciolos einen Verbündeten hätte, der Agrarpolitik so verstehen, wie die Österreicher, und dass es von Vorteil sei, mit Dr. Häusler einen Österreicher als Kabinettschef bei Herrn Ciolos sitzen zu haben. Damit sei eine gute Vertretung der österreichischen Interessen gewährleistet. Trotzdem: Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise und der prinzipiellen Vorgaben der EU sei es unrealistisch, von mehr Geld nach 2013 auszzugehen. Vielmehr würde das Budget wenn überhaupt gleichbleiben oder womöglich durch Begehrlichkeiten vor allem der neuen östlichen EU-Staaten auch für Österreich schrumpfen. Kaltenegger meinte, dass es die Ausgleichszulage für Bergbauern weiterhin geben werden, einer eigenen EU-Bergpolitik-Förderschiene erteilte er aber eine Absage. Bergbauernförderung im Speziellen sie eine nationale Sache, meinte er. Zu Änderungen würde es wahrscheinlich bei der Betriebsprämie kommen, so der Experte. Österreich müsse sein historisches Modell abschaffen, folgen werde ein Regionalmodell, das einheitliche Prämien je Hektar für bestimmte Regionen oder möglicherweise ganz Österreich bringen werde. Auch im ÖPUL seien Änderungen oder Beschneidungen zu erwarten. Kaltenegger informierte, dass die EU ein Budget für die Natura 2000 Gebiete kenne, und durchaus Prämien in Höhe von 200 bis 500 Euro je ha für Bauern in diesen Regionen vorgesehen seien. Maßnahmen in diese Richtung hätte es aber in Österreich derzeit noch nicht gegeben.

Aufruf zur Grundzufriedenheit
Cheforganisator Dr. Karl Buchgraber vom LFZ Raumberg Gumpenstein schloss die Veranstaltung mit einem positiven Resümmee und forderte die Bauern dazu auf, zu einer Grundzufriedenheit zu finden, von der aus man ruhig und besonnen die Zukunft und ihre Chancen und Risken prüfen können. Kritik gehöre geäußert, dort wo es angebracht sei, es müsse aber auch Lob und Anerkennung für Positives ausgesprochen werden. Er lud alle Anwesenden ein, auch nächstes Jahr wieder Österreichs größte Fachtagung, die Wintertagung, zu besuchen.


Aktualisiert am: 13.02.2010 10:31
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