Agrarpolitischer Herbstauftakt in Ried

Im Rahmen der Rieder Messe luden BM Niki Berlakovich, LK-Präsident Gerhard Wlodkowsky, Präsident Fritz Grillitsch und der Präsident des bayerischen Bauernverbandes Gerd Sonnleitner zum österreichisch- bayerischen agrarpolitischen Herbstauftakt ein. Die aktuelle Milch- und Getreidepreismisere war dabei das beherrschende Thema des Tages.
Bundesminister Niki Berlakovich zeigte sich in seiner Ansprache (Details entnehmen sie bitte dem anderen Berlakovich Beitrag auf www.landwirt.com) enttäuscht darüber, dass die EU-Kommission die Vorschläge von 16 Mitgliedsstaaten zur Milchpreisstabilisierung einfach ingnoriert. Das sei ein falsches Signal an die europäischen Bauern, so der Minister. Er selbst wolle aber alle nationalen Spielräume ausnutzen und am Thema dranbleiben, um die Milchbauern in dieser schwierigen Zeit bestmöglich zu unterstützen, so der Minister.

Die Neuausrichtung der GAP nach 2013 und die Gelderverteilung in Zeiten der Not seien weitere Herausforderungen, die es aktuell zu bewältigen gäbe, so Niki Berlakovich.

Chance Nachwachsende Rohstoffe und Energien

Präsident Wlodkowsky bezeichnete in Zeiten der Krise die nachwachsenden grünen Energien als große Chance. Er forderte die Umsetzung des Ökostromgesetzes mit Oktober dieses Jahres ein.

Bayerns Gerd Sonnleitner sprach bei der Zusammenkunft von einer großen Bruderschaft Bayerns zu Österreich. Er lobte den österreichischen agrarischen Weg und meinte nur kurz, dass das derzeitige Verhalten der EU.Kommission in Sachen Milchpaketlösung nur halbherzig und unmoralisch für die Milchbauern sei.

Bauern nicht spalten

Präsident Fritz Grillitsch warnte in der Pressekonferenz davor, die Bauern uneinig zu machen und sie gegenseitig auszuspielen. Dass werde man sich von Seiten des Bauernbundes nicht gefallen lassen. Der Präsident berichtete auch von klassenkämpferischen Untertönen bei agrarischen Entscheidungsfindungen im Parlament und sprach sein Problem mit der IG Milch an, der er eine unehrliche und populistischen Politk vorwarf, die er und der Bauernbund nicht vertreten könnten. Maßnahmen wie Lieferstreiks oder Verarbeiterwechsel seien der falsche Weg, so Grillitsch.

Andere Sicht der Dinge bei den Bauern

Die Ansichten der Bauernvertreter wurden in Ried von vielen Praktikern aber nicht unkommentiert aufgenommen. Stimmen wie, die Politikerprogramme sind ja nur Tropfen auf den heißen Stein, oder wir haben das Verhandeln langsam satt und auch kämpferische Töne waren zu vernehmen. Der unabhängige Bauernverband verteilte Infoblätter auf denen er unter anderem die Entschädigung des Milchkontingentes bei Abschaffung der Quote, eine Absenkung des Einheitswertes, eine Umschichtung des Bauerngeldes weg von den Agrarkonzernen hinein ins Bauernhaus forderte. Der unabhängige Bauernverband aber auch die IG Milch, die ja wiederum die Rute mit einem Milchlieferstreik (aus Frankreich kommend) ins Fenster gestellt hat, bemerken: Der ÖVP Bauernbund sei nicht berechtigt, mit Hinweis auf seine Mehrheit alle Vorschläge zur Lösung der bäuerlichen Existenzsorgen abzulehnen.

Ein agrarpolitisch spannender Herbst ist damit sicher.


Aktualisiert am: 15.09.2009 08:57
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