Agrarische Verwaltung – Pernkopf fordert Neuausrichtung

Der Agrarlandesrat von Niederösterreich zimmert an neuen Politkonzepten: Doppelgleisigkeiten in Agrarpolitik und Verwaltung sollen zukünftig vermieden, die Kontrollen vereinheitlicht werden und die Landwirtschaftskammer Österreich könnte modernes Agrarlobbying übernehmen.
Dem niederösterreichischen Agrarlandesrat, Stephan Pernkopf, schwebt eine komplette Neuausrichtung der agrarischen Verwaltung vor.
Dem niederösterreichischen Agrarlandesrat, Stephan Pernkopf, schwebt eine komplette Neuausrichtung der agrarischen Verwaltung vor.
Der niederösterreichische Agrarlandesrat Dr. Stephan Pernkopf hat sich für eine Neuausrichtung der agrarischen Verwaltung in der Alpenrepublik ausgesprochen. Der notwendige rigide Sparkurs Österreichs zur Sanierung des Staatshaushalts erzwinge auch im Bereich Landwirtschaft gezielte Sparmaßnahmen in der Verwaltung, erklärte Pernkopf in einem Interview in der Mai-Ausgabe des Agrarmagazins „Blick ins Land“. Deshalb müssten die von Finanzminister Josef Pröll allein für 2011 genannten Einsparvorhaben in Höhe von 2,5 Mrd Euro rasch angepackt werden.

„Alles Geld auf die Höfe“
„Die Leute wollen jetzt wissen, wo es langgeht. Auch die Landwirtschaft muss ihren Beitrag leisten“, sagte der Landespolitiker. Allerdings werde man um jeden Euro kämpfen und keine ungerechtfertigten Kürzungen in Kauf nehmen. Es dürfe jedoch nicht auf dem Rücken der Bauern gespart werden; auch in Brüssel dürfe kein Euro liegen bleiben. Das Motto müsse lauten: „Alles Geld auf die Höfe! Sparen müssen wir in der Verwaltung.“ Die dringend erforderlichen Einsparungen seien „quer über die einzelnen Verwaltungsebenen“ zu managen, betonte Pernkopf. Der Schlüssel zum Erfolg seien eine schlanke Landesverwaltung, eine so stark wie notwendige Landwirtschaftskammer und ein bestmöglicher Service auf Ebene der Bezirke für die Beratung der Bauern. Generell dürfe es in der Verwaltung keine Doppelgleisigkeiten mehr geben. So sei in Niederösterreich die Zahl der Bezirksbauernkammern schon vor Jahren von 64 auf 21 reduziert worden.

Handlungsbedarf
Pernkopf sieht Handlungsbedarf bis hin zu einer Neuverteilung der Rollen. Den Bauern werde viel zugemutet; deshalb dürfe der Strukturwandel auch vor der eigenen politischen Aufstellung nicht halt machen. Die Politik müsse dafür sorgen, dass alles bestmöglich funktioniere. Dazu müsse man sicherlich das ein oder andere neu organisieren. Umgelegt auf die Bundesebene hat der Landesrat ein klares Bild vor Augen: „Fachexpertise ist genug vorhanden, im Ministerium, in den Länderkammern. Was wir brauchen, ist vielmehr starkes Lobbying auf allen Ebenen.“ Das Landwirtschaftsministerium sei „die Speerspitze der österreichischen Agrarpolitik in Brüssel“, wo auch die entscheidenden Weichenstellungen fielen, hob Pernkopf hervor. Die Länder mit den Kammern seien die zentrale Servicestelle für die direkten Anliegen der Bauern. Die Servicequalität sei dort am besten, wo die Berater auch nahe an der Praxis bei den Menschen seien.

Zentrale Kontrollstelle schaffen
Abschaffen will Pernkopf auch Doppel- oder gar Mehrgleisigkeiten im agrarischen Kontrollwesen auf den bäuerlichen Betrieben. Hier müsse etwas gelingen, weil in diesem Bereich viele Synergien lägen, so der Landesrat, dem ein klares Modell vorschwebt, „bei dem alle über ihren Schatten springen müssen“. Derzeit werde in Österreich jeder Landwirt von vielen verschiedenen Stellen kontrolliert - von der Agrarmarkt Austria (AMA), der Biokontrolle, dem Tiergesundheitsdienst und anderen Organisationen. Das sei jedoch nicht sinnvoll. Vielmehr müsse es künftig die Möglichkeit geben, dass sich jeder Bauer bei einer Kontrollstelle registriere, die dann alle Überprüfungen manage. Dies habe den Vorteil, dass die Qualität gleich bleibe, die Bürokratie aber zurückgedrängt werde. (AgE)

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Aktualisiert am: 04.05.2010 10:42
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