Agrareinkommen 2009 in Österreich erheblich gesunken

Starke Preisrückgänge bei Milch und Getreide, niedrigere Erntemengen im Getreide- und Weinbau sowie Erlöseinbußen bei Schweinen und Rindern waren in erster Linie dafür verantwortlich, dass sich die Einkommenssituation in der österreichischen Landwirtschaft 2009 im Vorjahresvergleich verschlechterte.
Im Vergleich zu 2008 blieb Milch zwar dem Volumen nach stabil; wertmäßig nahm sie jedoch um 11,6 % ab.
Im Vergleich zu 2008 blieb Milch zwar dem Volumen nach stabil; wertmäßig nahm sie jedoch um 11,6 % ab.
Trotz rückläufiger Produktionskosten und einkommensstabilisierender Wirkung der Agrarförderungen lag das durchschnittliche landwirtschaftliche Einkommen je Arbeitskraft 2009 in Österreich real um 20,4 % unter dem Niveau des Vorjahres. Dies ergaben erste Schätzungen im Rahmen der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung der Statistik Austria. Der Wert der Erzeugung des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereiches verringerte sich gegenüber 2008 zu laufenden Preisen um 10,3 % auf rund 6 Mrd. Euro. Diese Entwicklung ist unter anderem auf ein geringeres Produktionsvolumen in der pflanzlichen Erzeugung, insbesondere aber auf niedrigere Preise für zentrale Erzeugnisse der heimischen Landwirtschaft (Milch, Getreide, Schweine und Rinder) zurückzuführen.

Futtermittel billiger
Demgegenüber nahmen die im Rahmen der Einkommensberechnung berücksichtigten Förderungszahlungen im Vorjahresvergleich leicht zu (+1,2 %). Auch die Produktionskosten fielen in Summe niedriger aus als im außergewöhnlichen Jahr 2008. So war der Aufwand für Vorleistungen nach den deutlichen Anstiegen in den letzten beiden Jahren erstmals rückläufig (-5,2 %). Dies resultierte zu einem guten Teil aus der Verringerung der Preise für Treibstoffe und Futtermittel. Infolge des starken Rückgangs des Produktionswertes nahm das "landwirtschaftliche Faktoreinkommen" (jener Betrag, welcher für die Entlohnung der Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital zur Verfügung steht) um 20 % ab. Bedingt durch die weitere Verringerung des agrarischen Arbeitseinsatzes um 1,3 % fielen die Einkommenseinbußen je Jahresarbeitseinheit etwas geringer aus (-18,9 %). Real entspricht dies einem Rückgang um 20,4 %.

Produktionswert der pflanzlichen Erzeugung um 10,4 % geringer
Der Produktionswert der pflanzlichen Erzeugung unterschritt das Niveau der letzten beiden Jahre deutlich. Gegenüber 2008 betrug der wertmäßige Rückgang 10,4 %. Dem Volumen nach verringerte sich die pflanzliche Erzeugung um 4,3 %. Die Getreideernte entsprach einer guten Durchschnittsernte, lag aber deutlich unter dem sehr hohen Vorjahresergebnis. Die Notierungen für Getreide fielen weiter, nachdem sie bereits 2008 gegenüber dem hohen Niveau des Jahres 2007 stark gesunken waren. Der Wert der Getreideproduktion verringerte sich damit laut den ersten Schätzungen im Vorjahresvergleich um 29,1 %. Ebenfalls deutlich billiger wurden Ölsaaten und Eiweißpflanzen. Unter dem Vorjahresniveau lagen weiters die Erzeugerpreise und Erntemengen von Kartoffeln. Ähnlich hoch wie im Jahr 2008 fiel bei rückläufigen Erzeugerpreisen die Zuckerrübenernte aus. Im Vorjahresvergleich stabil blieb der Produktionswert von Gemüse. Im Obstbau wurde demgegenüber trotz höherer Erntemenge ein preisbedingter Rückgang des Produktionswertes verzeichnet. Vor dem Hintergrund der außergewöhnlich hohen Ernte des Vorjahres ist auch im Weinbau von einem deutlich niedrigeren Produktionswert als 2008 auszugehen. So wurde 2009 laut letzten Schätzungen im Rahmen der Ernteberichterstattung (Stand Oktober 2009) mit rund 2,3 Mio. hl eine um mehr als ein Fünftel geringere Lese als im Vorjahr eingebracht.

Starke Einbußen in der Tierproduktion
Kräftige Einbußen waren außerdem in der tierischen Erzeugung (sie umfasst sowohl Tiere als auch tierische Erzeugnisse) zu verzeichnen. Diese blieb zwar dem Volumen nach stabil; wertmäßig nahm sie jedoch um 11,6 % ab. Ins Gewicht fiel vor allem der Preisverfall bei Milch, welche gemessen am Beitrag zum Gesamtproduktionswert das wichtigste Erzeugnis der heimischen Landwirtschaft darstellt. So reduzierte sich hier der Produktionswert bei einem gleichbleibenden Erzeugungsvolumen preisbedingt um rund ein Viertel. Bei den Rindern (Produktionswert: -6,2 %) und Schweinen (-2,8 %) setzte sich die positive Preisentwicklung des Vorjahres nicht fort. In der Schweinehaltung wurden die Preisrückgänge allerdings durch ein höheres Erzeugungsvolumen teilweise ausgeglichen. Demgegenüber war bei den Rindern die Produktion laut vorläufigen Berechnungen auch dem Volumen nach rückläufig. (aiz)


Aktualisiert am: 20.12.2009 21:45
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