Abrufstationen: Erfahrungen aus 9 Jahren Praxis

Für Familie Felsinger ist Gruppenhaltung kein Novum. Seit 9 Jahren werden die Sauen in Gruppen gehalten und mittels Abrufstationen gefüttert. Zeit genug, um wertvolle Erfahrung zu sammeln.
Beschäftigung mittels Stroh in Tiefstreufläche und Ruhephase nach dem Fressen.
Beschäftigung mittels Stroh in Tiefstreufläche und Ruhephase nach dem Fressen.
Für die Haltung von Sauen in Gruppen sind in der Praxis Abrufstationen mit Einzeltiererkennung vielfältigster Ausgestaltung zu finden. Obwohl die technischen Unterschiede weit reichen, etliche Grundsätze sind doch bei allen diesen Systemen gleich.

Eingliederung ist wichtig
„Der wichtigste Faktor für eine funktionierende dynamische Großgruppe ist das für Mensch und Tier stressfreie Eingliedern der Jungsauen“, ist Fritz Felsinger überzeugt. Deshalb wird am Betrieb Felsinger dieser Tätigkeit hohe Priorität und die notwendige Zeit eingeräumt. Wichtig ist im Besonderen das regelmäßige Vorgehen bei der Eingliederung. Die Zuchtläufer kommen aus der eigenen Aufzucht direkt in den Deckbereich zum Belegen. Eine Woche nach dem Belegen werden die sechs bis zehn Jungsauen gemeinsam im Deckbereich gruppiert. Drei Wochen nachher werden die Jungsauen hungrig erstmals mit der Abrufstation konfrontiert. Etwas Futter im Eingangsbereich der Station unterstützt neben dem Hunger der Tiere die Neugier und mit kurzer sanfter Unterstützung befinden sich die Tiere erstmalig in der Station und beginnen mit dem Fressen. Um die Tiere nicht zu überfordern kommen diese erst am übernächsten Tag, ebenfalls wieder im hungrigen Zustand, das nächste Mal zur Abruffütterung. Die ersten Tiere schaffen es bereits jetzt ohne wesentliche Unterstützung in den Fressbereich und in der folgenden Woche kann sich die in der Anlernbucht gehaltene Jungsauengruppe nach der Hauptgruppe alleine mit der Technik beschäftigen. So sind nach zehn bis vierzehn Tagen alle Jungsauen soweit angelernt um in die dynamische Gruppe entlassen werden zu können. Ein voller Gewöhnungseffekt stellt sich jedoch erst nach zwei bis drei Monaten ein, meint Fritz Felsinger und ist deshalb überzeugt dass ein ganz wichtiger Faktor die von ranghohen Tieren abgekoppelt Haltung der Jungsauen ist.

Vorteile des Systems
Die größten Vorteile ihres Systems im Wartebereich sieht Familie Felsinger in der großen Flexibilität der Gruppengestaltung und in der Aufteilung der Wartesauen in zwei Konditionsgruppen. Wichtig sind der freie Zugang zum Fressbereich und die Möglichkeit zum Ausweichen vor dem Eingang zur Station, sowie dass die Tiere nach dem Fressen erst nach Durchlaufen der Tiefstreufläche wieder zum Eingang der Station gelangen. Positiv wirkt sich auch die maximale Anzahl von 35 Zuchtsauen je Station aus, denn dies verringert bei einer Fresszeit von ungefähr 10 Minuten die Belegdauer der Futterstationen auf zirka sechs Stunden, und je schneller das Fressen beendet ist, desto früher kehrt Ruhe im Stall ein.

Autor: DI Gerhard SALZMANN, Landwirtschaftskammer NÖ, St. Pölten


Aktualisiert am: 24.09.2008 10:25

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