Abferkelsysteme in der Schweiz

Seit über 20 Jahren wird in der Schweiz an praxistauglichen Lösungen für Freilaufbuchten im Abferkelstall gearbeitet. Mit den Ergebnissen können die Eidgenossen leben. Der Weg dahin war aber steinig, wie Felix Grob von Suisseporcs berichtet. Österreichs Landwirte sollten nicht die gleichen Fehler machen.
Die Sau kann mit einem Gitter nach hinten gesperrt werden, damit diverse Arbeiten erledigt werden können. Normalerweise steht ihr die gesamte Bucht zur Verfügung. (Bilder: Krieger AG)
Die Sau kann mit einem Gitter nach hinten gesperrt werden, damit diverse Arbeiten erledigt werden können. Normalerweise steht ihr die gesamte Bucht zur Verfügung. (Bilder: Krieger AG)
„Die Idee der tiergerechten Stallungen reifte bereits in den frühen 1990er-Jahren“, holt Felix Grob weit aus. Die beiden großen Einzelhandelsunternehmen Migros und Coop begannen Markenschweinefleisch von Schweinen mit überdurchschnittlichen Haltungsbedingungen zu vermarkten. Erst später nahm sich auch die Politik dieses Themas an und führte Direktzahlungen für spezielle Haltungsprogramme ein. So produzieren derzeit fast 2/3 der Schweinehalter nach dem BTS-Programm (Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme) und rund die Hälfte nach dem RAUS-Programm (Regelmäßiger Auslauf im Freien). Umgerechnet knapp 130 Euro pro GVE erhalten die Bauern jeweils an Direktzahlungen. Pro Mastplatz (0,17 GVE) sind das 22 Euro bzw. pro Zuchtsau (0,45 GVE) 58 Euro. Interessant ist auch, dass nicht alle Tierkategorien im Betrieb am gleichen Programm teilnehmen müssen. So kann beispielsweise ein Betrieb mit den tragenden Sauen im RAUS-Programm teilnehmen und mit den anderen Tierkategorien (Ferkelaufzucht, Mast) konventionell oder im BTS-Programm produzieren. Allerdings sind diese staatlich finanzierten Programme Voraussetzung für die Teilnahme an einem der Labels der beiden großen Einzelhandelsunternehmen. Diese werden – je nach Label – mit einem Qualitätszuschlag von umgerechnet 0,25 bzw. 0,40 Euro/kg Schlachtgewicht honoriert. Jährlich werden so rund 840.000 Mastschweine über diese Labels vermarktet. Das entspricht einem Anteil von 30 % der gesamten Jahresschlachtungen.

Bucht muss länglich sein
Welche Systeme werden nun für Freilaufbuchten herangezogen? „Von der FAT2-Bucht mit zusätzlichem Auslauf sind wir etwas abgekommen, weil sie einfach zu viel Platz braucht und daher teuer ist. Das gleiche gilt für die Alpha-Bucht“, erklärt Adrian Schütz und zählt auf, wie eine praktikable Freilaufbucht aufgebaut werden muss. Neben den mindestens 6,5 m² sei es wichtig, dass die Bucht länglich ausgeführt ist, damit die Zuchtsau an die hintere Buchtenwand kotet, wo sich der Spaltenboden befindet. Die Mindestbreite liegt laut Tierschutzgesetz bei 1,70 m. Der Spaltenboden macht – je nach Produktionsart – zwischen einem Drittel und der Hälfte der Bodenfläche in der Freilaufbucht aus. Zudem braucht der befestigte Boden ein leichtes Gefälle von ca. 3 %.

Mikroklima im Ferkelnest
Das Ferkelnest muss so gestaltet sein, dass die Ferkel die meiste Zeit dort verbringen und so außerhalb des Gefahrenbereichs sind.
Das Ferkelnest muss so gestaltet sein, dass die Ferkel die meiste Zeit dort verbringen und so außerhalb des Gefahrenbereichs sind.
Damit sich die Ferkel nicht ständig im Gefahrenbereich rund um die Zuchtsau aufhalten, bieten die Stalltechnikanbieter beinahe ausschließlich Freilaufbuchten mit geschlossenen Ferkelnestern an. Diese sind zumeist mit isolierten PVC-Wänden ausgeführt und befinden sich im vorderen Eck der Bucht, sodass der Landwirt das Ferkelnest für Behandlungen vom Betriebsgang aus öffnen kann. Dabei ist es von Vorteil, wenn das Ferkelnest parallel zum Betriebsgang angeordnet ist. Besonders wichtig ist aber, dass die Temperaturdifferenz zwischen Stall- und Ferkelnestklima so groß ist, dass sich die Ferkel außerhalb der Saugakte vorwiegend im Ferkelnest aufhalten. Um die Stalltemperaturen auch im Sommer möglichst kühl halten zu können, empfehlen die Stalltechnikhersteller daher Unterflurzuluftsysteme. Optimal seien Stalltemperaturen von 15 bis 19 °C und eine Temperatur im Ferkelnest von anfangs 36 °C, die im Laufe der Säugezeit kontinuierlich gesenkt wird. In vielen Ferkelnestern sind sogenannte Strahlungswärmeplatten zu finden, die gegenüber den Infrarotlampen eine großflächigere Wärmeverteilung und einen geringeren Energieverbrauch versprechen. Das Ferkelnest wird in den gängigsten Systemen durch ein Edelstahlgitter vom Aufenthaltsbereich der Sau getrennt. Vor Ferkelbehandlungen wird in diese Abtrennung
ein Brett ge klemmt, sodass die Ferkel das Nest nicht mehr verlassen können.

Autor: Roman Goldberger

Den gesamten Artikel können Sie in der Ausgabe 15/2012 unserer Fachzeitschrift "Der fortschrittliche Landwirt" nachlesen. Gratis Probeheft bestellen.

Aktualisiert am: 23.07.2012 07:57
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