Abferkelbuchten: Wie sollten sie zukünftig geplant werden?

Abferkelbuchten werden aus Kostengründen oft zu klein geplant. Gerade vor dem Hintergrund steigender Fruchtbarkeitsleistungen sollte dies überdacht werden. Welche Buchtengrößen optimal wären, wird hier erarbeitet.
Erlebt die Abferkelbucht mit 5 m² Grundfläche eine Renaissance?
Erlebt die Abferkelbucht mit 5 m² Grundfläche eine Renaissance?
Vor 12 Jahren plante ich mit einem österreichischen Schweinezüchter einen neuen Abferkelstall. Der Landesveterinär stellte damals die Forderung nach einer Grundfläche der Bucht von 5 m², wie es das Landestierschutzgesetz verlangte. Zum Vergleich: In Deutschland waren die größten Abferkelbuchten damals 1,80 x 2,40 m, also nur 4,32 m² groß.

Zuchtfortschritt fordert größere Buchten
Der deutsche Ferkelproduzent Armin Schmitt hat seine praktischen Erkenntnisse schon vor einiger Zeit in die Realität umgesetzt und freiwillig seine Abferkelbuchten vergrößert. Das geschah aus der Beobachtung heraus, dass der Liegebereich in seinen in den 80iger und 90iger Jahren gebauten Abferkelbuchten für die Ferkel zu klein geworden war. Sie hatten nur Abmessungen von 170 x 220 cm bzw. von 180 x 230 cm.
Als seinen Stallbauplaner hat mich das zum Nachdenken angeregt. Künftig müssen Abferkelbuchten wohl größer geplant und ausgeführt werden. Es steht aber die Frage im Raum, wie groß Abferkelbuchten geplant werden sollen.

Wie viel Platz braucht ein Ferkel?
Mitarbeiter des Instituts für Tierzucht der Universität Gießen und der Praxisbetrieb Einwich haben 2008 Daten über die Körpermaße von Ferkeln verschiedener Kreuzungen bei unterschiedlichem Lebensalter erhoben. Dies sollte dazu dienen, den nötigen Flächenbedarf für den Ferkelliegebereich in der Abferkelbucht exakter berechnen zu können. Tabelle 1 zeigt die durchschnittlichen Körpermaße/Körperfläche von Ferkeln verschiedener Kreuzungen im Lebensalter zwischen 2 bis 27 Tagen.

Abferkelbucht der Zukunft
Der wesentliche Nachteil der Diagonalaufstallung ist die Gefahr des Steckenbleibens von Ferkeln. Um das zu eliminieren, wird man künftig die Wandhalterung für den Schutzkorb mit ca. 15 cm Abstand zur Buchtentrennwand montieren. Auch der Ferkelschutzkorb sollte künftig eine größere lichte Breite aufweisen, dazu muss er breitenverstellbar sein.
Bei der Geradeaufstallung wird die dem Ferkelliegebereich gegenüber liegende Freifläche mehr als 40 cm breit sein müssen, damit drei bis vier Wochen alte Ferkel ungehindert das Gesäuge der Sau erreichen können, wenn sie einmal entsprechend liegt. Langfristig führt dies in beiden Buchtenvarianten zu einer Verbreiterung der Abferkelbuchten um 20 cm auf 200 cm.
Wird der Freilauf für die Sau einige Tage nach der Geburt irgendwann gesetzlich vorgeschrieben, so sollte der Polymerzement/Gussrost Boden Standard sein.

Fazit
Der Abferkelbucht muss in einer visionären Planung besondere Aufmerksamkeit gelten, da sie
- die teuerste Haltungstechnik im Produktionsprozess und
- nach dem Einbau in ein Haltungssystem nur in der Buchtenbreite, nicht in der Buchtentiefe erweiterbar ist.

Eine Reduzierung einer Reihe nebeneinander liegender Abferkelbuchten um eine Bucht könnte zwar bei gleich bleibender Buchtentiefe die Buchtenfläche erhöhen. Es müsste dabei aber gegebenenfalls kostenintensiv auf die Variante Diagonalaufstallung umgebaut werden, um die angesprochenen Auflagen erfüllen zu können.

Autor: Dipl.-Ing. agr. Friedrich BERKNER, Gießen (D)


Aktualisiert am: 24.06.2009 11:13
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