Abferkelbucht Pro Dromi Versuch Sterksel

Seit mehr als drei Jahren forscht eine Gruppe aus niederländischen Landwirten und Wissenschaftlern an der Abferkelbucht der Zukunft. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Wir haben uns vor Ort ein Bild über das Projekt gemacht.
Pro Dromi I und II werden in Sterksel auf Praxistauglichkeit getestet.
Pro Dromi I und II werden in Sterksel auf Praxistauglichkeit getestet.
Sie merkt nicht, dass wir hier sind. Zu sehr beschäftigt sie sich mit dem Juttesack. Immer wieder und immer tiefer vergräbt sie ihren Rüssel darin. Schaum tritt aus ihrem Maul und wenn sie ausatmet klingt das als hätte sie vorher die Luft ewig angehalten. „Das ist das typische Nestbauverhalten“, flüstert Anita Hoofs und zeigt auf die Sau in der ersten Bucht neben der Tür.
Neue Abferkelbucht Wir sind in Sterksel, einem kleinen Ort in der Nähe von Eindhoven in den Niederlanden. Hier befinden sich das Schweineinnovationszentrum der Animal Science Group der Universität Wageningen und der Geburtsort eines bemerkenswerten Projekts. Gemeinsam mit Anita Hoofs vom Innovationszentrum und weiteren Wissenschaftlern haben hier 14 niederländische Landwirte begonnen, eine neue Abferkelbucht zu entwickeln, die sowohl den Bedürfnissen von Sau und Ferkel als auch den wirtschaftlichen Ansprüchen der Schweinehalter gerecht werden soll. Dabei war den Landwirten wichtig, dass es sich um strohlose Systeme handelt und die Buchten vom Betreuungspersonal nicht betreten werden müssen. Dadurch kann das Risiko, Krankheitskeime auszubreiten, minimiert werden. Außerdem sollte die neue Abferkelbucht den sehr unterschiedlichen Klimabedürfnissen von Sau und Ferkel gerecht werden. Neben einer Bucht mit Ferkelschutzkorb wurde zudem auch eine Freilaufbucht entwickelt. Das Ergebnis ist seit Herbst 2010 im Innovationszentrum Sterksel eingebaut. Seit nunmehr eineinhalb Jahren werden zwölf Prototypen der Bucht Pro Dromi I (mit Ferkelschutzkorb) und fünf von Pro Dromi II (Freilaufbucht) getestet. Was ist neu daran?

Pro Dromi II hat keinen Ferkelschutzkorb.
Pro Dromi II hat keinen Ferkelschutzkorb.
Was ist neu?
Beide Pro Dromi Buchten sind mit Maßen von 1,80 x 2,60 m (Pro Dromi I) bzw. 2,20 2,60 m (Pro Dromi II) wesentlich größer als marktgängige Abferkelbuchten. Zudem unterscheiden sie sich in wesentlichen Punkten von konventionellen Abferkelbuchten.

Ferkelnest vor der Sau
Das Ferkelnest befindet sich neben dem Kontrollgang und vor der Sau. Mit einer Größe von 1,125 m² ist es auch für vier Wochen alte Ferkel noch groß genug. Zu Beginn sollte es aber mittels Trennwand verkleinert werden, damit die Ferkel nicht hineinkoten. Die Tröge für die Sau und die Ferkel liegen einander gegenüber und sind durch ein Kunststoffgitter voneinander getrennt. Dadurch besteht Blickkontakt zwischen den Ferkeln und der Sau, und das Bedürfnis nach gemeinsamem Fressen wird gedeckt. Vor Behandlungen werden die Ferkel in das Ferkelnest gesperrt. Das erfolgt mittels einer Selbstfangklappe am Eingang des Ferkelnests.

Wärmeabdeckung für Ferkel
Für jene Ferkel, die nach der Geburt nicht gleich in das Ferkelnest gehen, bietet die Pro Dromi I eine beheizbare Abdeckung über der Seitenwand der Bucht. Die mit Warmwasser beheizte Kunststoffabdeckung sorgt für ein warmes Kleinklima und schützt die neu geborenen Ferkel vor dem Auskühlen. Kühlung für die Sau Im Gegensatz zu den Ferkeln bevorzugen Sauen kühlere Temperaturen. Diesem Anspruch kommen beide Pro Dromi Buchten mit einer wassergekühlten Metallplatte nach. Bei der Pro Dromi I befindet sich diese über dem Ferkelschutzkorb und kühlt die Sau von oben. Bei der Freilaufbucht hingegen wird die Kühlplatte an der Seitenwand befestigt, so dass sich die Sau bei Bedarf selbst abkühlen kann. In der Praxis sei oft zu beobachten, dass die Sauen an der Kühlplatte liegen und den Kopf im Ferkelnest haben, erzählt Anita Hoofs.
Um das Erdrückungsrisiko beim Abliegen an der Kühlplatte zu verringern, wird diese 10 cm über dem Boden montiert. So haben die Ferkel unter der Platte einen Fluchtweg. Ebenfalls für Abkühlung der Sau sorgt die sogenannte Nasenlüftung. Dazu wird die Frischluft unterflur angesaugt, wodurch sich diese im Sommer etwas abkühlt. Ein Teil der Frischluft strömt über Schlitze unter dem Sauentrog in die Bucht.

Autor: Roman GOLDBERGER, Rainbach

Weitere Details zum Versuch in Sterksel können Sie in der Ausgabe 12/2012 des "Fortschrittlichen Landwirts" nachlesen. Gratis Probeheft bestellen.


Aktualisiert am: 05.06.2012 13:18
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