39. Viehwirtschaftliche Fachtagung am LFZ Raumberg-Gumpenstein

Am 25. und 26. April 2012 fand im Grimmingsaal des LFZ Raumberg-Gumpenstein die 39. Viehwirtschaftliche Fachtagung statt. „Milchproduktion – Status quo und Anpassung an zukünftige Herausforderungen“ war das Thema.
Zahlreiche Experten, Berater und praktizierende Landwirte referierten über unterschiedliche Bereiche. Einige der Vortragenden: v.l: Univ.-Prof. Dr. sc. agr. Qendrim Zebeli, Univ.-Doz. Dr. Leonhard Gruber, DI Gerald Stögmüller, Univ.-Prof. a.D. Dr. Holger Martens, DI Günther Wiedner, DI Marcus Urdl.
Zahlreiche Experten, Berater und praktizierende Landwirte referierten über unterschiedliche Bereiche. Einige der Vortragenden: v.l: Univ.-Prof. Dr. sc. agr. Qendrim Zebeli, Univ.-Doz. Dr. Leonhard Gruber, DI Gerald Stögmüller, Univ.-Prof. a.D. Dr. Holger Martens, DI Günther Wiedner, DI Marcus Urdl.
Eingeleitet wurde die Tagung mit einem Grünlandblock. Den Anfang machte Dr. Michael Diepolder von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Er zeigte in seinem Vortrag die Möglichkeiten und Grenzen der Intensivierung des Grünlandes auf. Er wies darauf hin, dass die intensive Bewirtschaftung des Grünlandes Fingerspitzengefühl benötige. Das Idealbild wäre eine abgestufte (duale) Bewirtschaftung (intensiv und extensiv nebeneinander) innerhalb einer Region. Univ. Doz. Dr. Erich M. Pötsch vom LFZ Raumberg-Gumpenstein stellte die optimale Grünlandbewirtschaftung in Bergregionen vor. Seine Kernaussage war die Berücksichtigung der jeweiligen Standortverhältnisse, damit das Ertragsniveau nachhaltig auf gutem Niveau gehalten werden kann. Wichtig wäre tierischen Leistungen sowie die Grünlandbewirtschaftung auf die Standortverhältnisse abzustimmen, um langfristig erfolgreich zu sein.

Herdenmanagement und Strategien nach Quotenende
Für DI Andreas Pelzer von der LWK Nordrhein-Westfalen steht Herdenmanagement in wachsenden Betrieben für konsequente Arbeitserledigung, Kommunikation und Disziplin in der Abfolge der betrieblichen Arbeiten. Tage und Wochen müssen strukturiert werden. DI Johannes Lackner, Bauer in der Bergregion, und Josef Pendl, Bauer in der Gunstlage erläuterten ihre Strategien für die Zeit nach der Quote. Wirtschaftlich Milch zu produzieren ist das Schlagwort der Stunde.

Freude für den Vollerwerb notwendig
Dr. Leopold Kirner von der Bundesanstalt für Agrarwissenschaft zeigte Modellkalkulationen für Milchviehbetriebe im Vollerwerb in Zeiten nicht geschützter Märkte. Es gibt weder gute noch schlechte Entwicklungsoptionen, jede hat Berechtigung. Es hängt wesentlich davon ab, welche Produktionsfaktoren auf dem Betrieb knapp sind. Wer mit Freude im Vollerwerb Milch produziert und sich auf Dauer vorstellen kann, besser als der Durchschnitt zu sein, wird das auch in Zukunft tun.

Wenn Milchleistung zur Last wird
Am zweiten Tag ging es mit speziellen Themen rund um die Milchkuh voll zur Sache. Univ. Prof. Dr. Holger Martens von der Freien Universität Berlin erläuterte die Zusammenhänge von hohen Milchleistungen und den folgenden, möglichen Problemen. Ganz wichtig würde es in Zukunft sein, die Schere zwischen möglicher Futteraufnahme und der Milchleistung nicht weiter auseinander klaffen zu lassen. Die negative Energiebilanz darf nicht größer werden und länger dauern. Univ. Prof. Dr. Qendrim Zebeli von der Veterinärmedizinischen Universität Wien sprach über die Aufrechterhaltung der Pansengesundheit und über die wiederkäuergerechte Fütterung. Oberstes Ziel ist auch bei Höchstleistungen der Milchkuh die Gesunderhaltung des Pansenstoffwechsels.

Kraftfutter bei Weidehaltung
Univ. Doz. Dr. Leonhard Gruber vom LFZ Raumberg Gumpenstein stellte eine Versuchsreihe mit unterschiedlichen Kraftfuttern und Mengen bei Weidehaltung von Milchkühen vor. Ein Mittelmaß an Kraftfuttereinsatz ist ökonomisch sinnvoll. Wichtig ist, je mehr Weidegras die Kühe fressen, desto langsamer soll das Kraftfutter verdaulich sein (pansenstabil).

Melkroboter und Rationsberechnungsprogramm
DI Gerald Stögmüller vom Futtermittellabor Rosenau stellte das neue Online Rationsberechnungsprogramm des Landeskontrollverbandes vor. Franz Wolkersdorfer und Max Fruhsdorfer von der LK Oberösterreich berichteten über das Automatische Melken in Oberösterreich. Aus den Erfahrungen heraus gaben sie wertvolle Empfehlungen für die Beratungspraxis. Heinz Peinbauer aus dem oberen Mühlviertel erzählte als praktizierender Milchviehhalter, was ihm die Umstellung auf ein Automatisches Melksystem gebracht hat. Wer keine Technik mag und dem Druck einer ständigen Rufbereitschaft nicht standhält, sollte die Finger von einem Melkroboter lassen.

Work-Life-Balance auf dem Milchviehbetrieb
Den Abschluss der hochkarätigen Tagung machte Fr. Christine Hackl. Sie ist als Trainerin für Wirtschaft- und Sozialkompetenzen tätig. Um einen dauerhaften und gesunden Erfolg zu erzielen, bedarf es einer Lebensqualität als wertschöpfende Basis. Lebensqualität bedeutet, dass jeder sich selbst seine Lebensgestaltung erlaubt und in die Hand nimmt. Je höher der Grad der Selbstbestimmung, desto höher empfinden Menschen ihre Lebensqualität.


Aktualisiert am: 27.04.2012 11:32
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