2. Österreichisches Milchforum: Situation am Milchmarkt wieder entspannt

Nach der schwierigen Situation im vergangenen Jahr hat sich heuer die Marktlage in der österreichischen und internationalen Milchbranche deutlich stabilisiert.
v. li. n. re.: Dir. Helmut Petschar (Präsident der VÖM - Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter), Mag. Michael Waidacher(GF Gmundner Molkerei) und Dr. Stephan Mikinovic (GF AMA Marketing) am Wolfgangsee beim 2. Österreichischen Milchforum.
v. li. n. re.: Dir. Helmut Petschar (Präsident der VÖM - Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter), Mag. Michael Waidacher(GF Gmundner Molkerei) und Dr. Stephan Mikinovic (GF AMA Marketing) am Wolfgangsee beim 2. Österreichischen Milchforum.
Vor allem gestiegene Exporte in Drittstaaten, eine günstige Wechselkursrelation sowie eine konstante Absatzentwicklung in der EU sind die wichtigsten Tendenzen. Die EU-Milchquote konnte im letzten Jahr nicht überschritten werden und wird auch heuer aller Voraussicht nach nicht übertroffen, auch wenn in einzelnen Mitgliedstaaten steigende Anlieferungsmengen zu vermerken sind. "Die österreichische Milchwirtschaft freut sich über diese Stabilisierung auf den Märkten als dringend notwendige Entwicklung. Damit kann auch den heimischen Erzeugern eine positive Einkommensentwicklung nach einem schwierigen Jahr 2009 geboten werden, auch wenn mit einem durchschnittlichen Auszahlungspreis von 34,17 Cent pro kg Milch (Jänner bis August) die Preise von 2007 und 2008 nicht erreicht wurden", erklärte der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter und Direktor der Kärntner Milch, Helmut Petschar, zur aktuellen Entwicklung auf den Märkten.

2. Österreichisches Milchforum
Gemeinsam mit Michael Waidacher, Geschäftsführer der Gmundner Molkerei, kündigte der VÖM-Präsident heute bei einem Pressegespräch anlässlich des 2. Österreichischen Milchforums in St. Wolfgang eine Preisanpassung quer durch das Produktsortiment, aber insbesondere bei der bunten Palette, bei Käse und im Fettbereich, an. Diese laut den Experten notwendige Erhöhung, die voraussichtlich im November erfolgen dürfte, soll nicht nur zu den Konsumenten, sondern auch zu den Bauern selbst durchdringen. In der BRD sei die Preisanpassung bereits erfolgt, weshalb der Unterschied der österreichischen zu den deutschen Erzeugerpreisen in den vergangenen Monaten von 3,5 Cent auf weniger als 1 Cent geschrumpft sei. Nun müsse unser Land wieder nachziehen. In welchem Ausmaß die Erhöhung erfolgen soll, wird sich laut Petschar in den kommenden zwei Wochen klären. "Landschaftliche Schönheit und höchste Qualität kann es nicht kostenlos geben. Die Entwicklungen sind so, dass es weitere Preisanpassungen geben muss", betonte Waidacher.

Österreichs Qualität einzigartig
Stolz können die Österreicher laut Petschar auf die einzigartige Qualität der inländischen Milchprodukte sein. So sorgen strengste lebensmittelrechtliche Vorschriften und genaue Untersuchungen dafür, dass die Produktion sowie die Anlieferungs- und Verarbeitungsqualität laufend kontrolliert werden. "Mit dem Österreichischen Lebensmittelcodex können wir unseren Kunden Standards bieten, die deutlich über internationale Vergleiche hinausgehen", so Petschar.

AMA-Gütezeichen
Das AMA-Gütezeichen vereint die österreichische Herkunft und strengere Qualitätsvorgaben des Österreichischen Lebensmittelcodex und bietet den heimischen Konsumenten geprüfte, höhere Standards. Daneben gewähren die inländischen Milchprodukte mit ihrer flächendeckenden Gentechnikfreiheit eine zusätzliche Sicherheit. "Die österreichischen Milchverarbeiter waren bei der Gentechnikfreiheit die Pioniere, wir haben diesen Weg eingeschlagen, als noch vielerorts Skepsis dazu angebracht wurde. Heute sind die heimischen Produkte durchwegs aus gentechnikfreier Milch - dies ist eine international einzigartige Stellung", erklärte Petschar zur aktuellen Diskussion um die Gentechnikfreiheit. Diese beruht übrigens auf den Standards des Österreichischen Codex. Sie wird im Vergleich zu internationalen Standards strenger kontrolliert. Für den Konsumenten wurde von Beginn an eine gut ersichtliche und einfach verständliche Kennzeichnung gewählt, zum Beispiel in Kooperation mit der Arge Gentechnikfreiheit. Damit herrscht auch bei den Konsumenten Klarheit und Sicherheit.

Verbesserte Kennzeichnung von Imitaten
Wünschenswert aus Sicht der österreichischen Milchwirtschaft und im Interesse der Konsumenten ist eine verbesserte Kennzeichnung bei der Verwendung von Imitatprodukten sowie bei unklarer Herkunft von Lebensmitteln. "Es darf nicht sein, dass aufgrund schwammiger Vorschriften und laxer Kontrollen der Konsument durch versteckte Imitate und unklare Herkunftsangaben hinters Licht geführt wird", ergänzte Petschar. Die VÖM hofft hier auf eindeutige Vorgaben aus Brüssel und eine entsprechende Unterstützung im Land.

Beste Qualität erfordert den richtigen Preis
Logisch ist für die österreichische Milchwirtschaft auch, dass die höchsten Qualitätsstandards, die naturnahe Erzeugung, hohe Tierschutzstandards, die Vielfalt der Produkte sowie die regionale Herstellung und Vermarktung auch einen entsprechenden Preis erfordern. "Es kann daher nicht sein, dass die höchste Qualität mit billiger Standardware aus Massenproduktion von weit weg verglichen wird und somit Druck auf die heimische Erzeugung ausgeübt wird. "Geiz-ist-geil"-Mentalität führt weder zu einer Verbesserung der Produktqualität noch zur Sicherung heimischer Arbeitsplätze. Österreichs Lebensmittelkette und Konsumenten sind gut beraten, die hohen Qualitätsstandards der Milchprodukte entsprechend zu schätzen und dafür den entsprechenden Preis zu gewähren", ergänzte Petschar.


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Aktualisiert am: 14.10.2010 20:40
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