Landwirt Weblog - biolix

Benutzername: biolix

Geschlecht: männlich

Mein Betrieb:
Vollerwerb
50 ha >

Eigenschaften: " Der große Bruder von Obelix" ;-)))))
Hobbies: Schwammerlsuchen, Tennis
Motto: "Es gibt nichts gutes, ausser man tut es"

Energiewende Teil 2 ( bitte unten bei Teil 1 zu lesen beginnen ) 28-Dec-2006 21:35

Nachdem im ersten Teil die technischen Grundsätze der Energiewende
skizziert wurden, geht der zweite Teil auf die praktische Umsetzung
ein. Die nachhaltige Verwendung des vielfältig einsetzbaren
Energieträgers Biomasse wird skizziert. Die Energiewende führt
zwangsläufig auch zu gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen
mit teils positiven und teils negativen Auswirkungen auf Mensch
und Wirtschaft. Die größte Herausforderung ist es, einfache
Lenkungsmaßnahmen zu entwickeln, die gleichzeitig für Umwelt,
Klima und Wirtschaft überwiegend positive Effekte mit sich bringen,
und Menschen davon zu überzeugen und zu motivieren, damit die
gesellschaftlichen Neuerungen tragfähig werden.

Energiewende – 100% aus
erneuerbaren Energiequellen
sind möglich. Teil 2
Optimale Biomassenutzung ist entscheidend für das
Gelingen der Energiewende
Die Biomasse ist gespeicherte Sonnenenergie – verlustfrei
langzeit-lagerfähig und jederzeit aus dem Lager
abrufbar.
DieWärme aus einer Biomasse-Verbrennung (Holz,
Biogas) kann entweder direkt thermisch genutzt
oder über den Umweg einer Wärmekraftmaschine
in elektrische Energie und Wärme konvertiert werden.
Wasserstoffreiches, aus Biomasse gewonnenes
Synthesegas besitzt im Rahmen einer zukünftigen
Energiewirtschaft ein beträchtliches Entwicklungspotenzial
hinsichtlich stofflicher Nutzung der
Biomasse (Erdölersatz als chemischer Rohstoff).
Im Bereich flüssiger Treibstoffe bieten sich möglicherweise Bioethanol und
Bio-Dimethyether, die auf biochemischem Wege aus pflanzlichen Kohlenhydraten
herstellbar sind, sowie Biodiesel, der aus pflanzlichen Ölen hergestellt
wird, zur Verwendung an.
• Biomasse aus dem Wald:
Bei nachhaltiger Nutzung darf der Zuwachs als Nutzholz und Energieholz
(Brennholz) verwertet werden. Mit Blockheizkraftwerken kann
aus Holz Strom (17% bis 30% Wirkungsgrad) und Wärme (60% bis
70%) erzeugt werden; wobei die Technologie hierfür auch für kleine
Leistungen gerade im Begriff ist, Marktreife zu erlangen.
• Biomasse aus Landwirtschaft:
Nachwachsende (nicht verholzte) Rohstoffe von Feldern können entweder
in Biogasanlagen oder als Stroh, Heu, Getreide in gleicher Weise
wie Holzhackgut verwertet werden. Vorteil der Biogasanlagen ist
die einfachere Blockheizkraftwerktechnologie mit einem höheren Verstromungs-
Wirkungsgrad von 30% bis 38%, jedoch sind Substrathandling
und Hilfsenergieeinsatz aufwendiger.
Bei dieser Art der Energieproduktion ist die Konkurrenzsituation zur
Nahrungsmittelproduktion zu berücksichtigen: Zuerst ist die globale
Nahrungsmittelversorgung sicherzustellen, was dann noch an Flächen
verfügbar ist, steht der Energieproduktion mit ruhigem Gewissen zur
Verfügung.
Weltweit lässt sich ein nachhaltig nutzbares Potenzial für Biomasse abschätzen,
das etwa einem Viertel des heutigen globalen Primärenergieverbrauches
entspricht.
Wegen dieser Potenzialgrenze sollte die Biomasse nur im Winterhalbjahr
zur Überbrückung der sonnenenergiearmen Zeit herangezogen werden.
Ausnahmen im Sommer können in jenen Bereichen liegen, die sich mit
Sonnenenergie schwer lösen lassen: z.B. Hochtemperaturerzeugung bei
industriellen Prozessen.
Biomasse sollte im Winter zur Wärme- und Stromerzeugung eingesetzt
werden. Am effizientesten geht das mittels wärmegeführter Kraft-Wärme-
Kopplungen (KWK) – d.h. die Stromproduktion läuft nur, wenn gleich die
Wärme vollständig für die Heizung benötigt wird. Wärme kann schlecht
über größere Distanzen transportiert und über längere Zeit gespeichert
werden. Daher muss die Biomasse mit angepasster Leistung direkt bei den
Wärmeverbrauchern eingesetzt werden. Ziel ist, dass jede Biomasseheizung,
sobald sie eingeschaltet wird, auch Strom erzeugt. Dies bedingt die
Forcierung von KWK-Anlagen kleiner Leistungen. Wärme außerhalb der
Heizperiode sollte mittels Sonnenenergie bereitgestellt werden.
Da die Biomasse allein nicht die komplette Treibstoffmenge produzieren
kann, sind verkehrsreduzierende Maßnahmen (öffentlicher Verkehr, geänderte
Transportlogistiken) erforderlich, bzw. es muss ein Teil der Verbrennungsmotoren
durch Elektroantriebe ersetzt werden, welche Sonnenstrom
verwerten.
Energie aus Biomasse läuft derzeit in die falsche
Richtung
Der jetzige Trend bei Biomasseverstromungs- und Biogasanlagen
geht eindeutige gegen die Intentionen der
Energiewende, da die derzeit projektierten Verstromungsanlagen
ganzjährig betrieben werden und die anfallende
Wärme (50% bis 70% des Energieinhalts) großteils
ungenützt entsorgt wird. Um diesen Missstand zu
beseitigen, müssten die rechtlichen Rahmenbedingungen
schnellstens geändert werden (Änderungen in der
Ökostromtarifverordnung: Stromvergütung nur im Winter
und gleichzeitig die Wärme effizient eingesetzt
wird; Anlagen kleiner Leistung stärker forcieren). Selbst
wenn die Abwärme aus Biomassekraftwerken im Sommer
genützt wird, verfehlt dies die Strategie zur Energiewende,
weil dadurch der direkten Solarenergienutzung
Potenzial weggenommen wird und die im Sommer
verheizte Biomasse im Winter dringender gebraucht
wird.
Förderungspolitik – Sinn und Widersinn
Auf Basis des Kyotoziels haben sich viele Länder freiwillig
durchgerungen, den Anteil der erneuerbaren Energieträger
bis 2010 zu erhöhen – d.h. es wurde zunächst nur ein Teilziel gesetzt,
das aber noch weit vom Endziel der vollständigen Energiewende entfernt
ist.
Österreich hat sich mit dem Kyotoziel verpflichtet, die CO2-Emissionen bis
2010 auf den Wert von 1990 zu senken. Derzeit entfernen wir uns trotz
vieler Förderprogramme immer mehr von diesem Ziel. Was läuft schief?
1.) Ökostromgesetz mit einer Einspeisetarifregelung
Dieses wurde erlassen, um die höheren Produktionskosten von Strom aus
erneuerbaren Energiequellen auszugleichen.
Bei Windenergie brachte diese Regelung den gewünschten Erfolg.

Bei Photovoltaik wurde in der Einspeiseverordnung eine 15 MW-Begrenzung
eingeführt, um den Ausbau nicht zu stark zu fördern. Die Folge: bereits
14 Tage nach Inkrafttreten der Einspeiseverordnung war die Ausbaugrenze
erreicht. Jene Energieform, die langfristig die wichtigste Rolle spielen
soll, wurde somit in ihrer Anwendung und Entwicklung blockiert.
Eine problematische Entwicklung durchläuft derzeit die Biogas- und Biomasseverstromung.
15% bis 27 % des Energieinhalts des
Holzes bzw. 28% bis 38% des Biogases
wird in Strom, der Rest in Wärme
und Abwärme umgewandelt. Der
produzierte Ökostrom wird mit bis zu
16 Ct pro kWh Strom vergütet – rund
um die Uhr und zu jeder Jahreszeit
mit dem gleichen Tarif. Um die Energie
aus der Biomasse bestens zu verwerten,
wäre es notwendig, die Anlage
wärmegeführt zu betreiben, d.h.
die Anlage wird nur dann betrieben,
wenn die Wärme – bis zu 75% der
eingesetzten Bioenergie – zur Gänze
verwertet werden kann. Nimmt man
auf die Ökologie Rücksicht, können
Anlage entweder nur dort errichtet
werden, wo auch im Sommer ein ausreichend
großer Wärmebedarf besteht
(nur ganz seltene Ausnahmefälle!)
– oder die Anlage kann nur in der
Heizsaison betrieben werden.
Die ökologischen Rahmenbedingen haben durch die Einspeisetarif-Verordnung
wieder einmal das Nachsehen. Für Wärme aus Biomasse gilt der
freie Marktpreis – dieser liegt im Sommer meist nur bei 1,5 Ct/kWh, d.h.
die Wärme ist im Vergleich zu Strom „nichts“ wert. Es ist wirtschaftlicher
die Anlage auch bei fehlender Wärmeverwertung weiter zu betreiben, um
durch den Stromverkauf die Investitionskosten rascher hereinzuspielen:
Strom bringt Geld – Ökologie und Nachhaltigkeit werden ignoriert. Der
Stromkunde fördert mit den Alternativenergiebeiträgen „Biomasse-Vernichtungsanlagen“
anstatt sinnvoller Klimaschutzprojekte, zu deren Förderung
er vermutlich motiviert ist. Mehr noch: solche Anlagen sind nicht nur
sinnlos, sondern vernichten jenes Biomassepotenzial, das für die Energiewende
im Winterhalbjahr dringend benötigt wird.
2.) Bauordnungen, Wohnbauförderung
Alle Wohnbauförderungen schreiben einen gewissen Standard von
Dämmwerten bzw. Energiekennzahlen vor, um eine energieeffiziente Bauweise
durchzusetzen.
Sieht man sich in den Energiestatistiken den Energiebedarf für die Raumwärmeerzeugung
an, so beobachtet man immer noch eine stetige Zunahme
des Energiebedarfs – trotz energieorientierter Wohnbauförderung.
Warum?
Abbildung 3: Die Begrenzung der Stromabnahmeverpflichtung von Strom
aus Sonnenenergie verhindert deren wirtschaftliche Entwicklung in Österreich.
Weltweit wächst die Photovotaikbranche seit Mitte der 90-iger Jahre
jährlich um ca. 30%.

• Bei der Wohnbauförderung kommt der Neubau oft wesentlich besser
weg als die Sanierung des Altbestandes. Es werden zusätzlich zwar gedämmte
Gebäude gebaut, aber die „alten Energiefresser“ bleiben bestehen,
sodass sich der gesamte Energieverbrauch für die Raumheizung erhöht.
• Nach Erhalt der Förderung ist es ja egal, wie viel Energie man tatsächlich
braucht. Die Energie ist billig, und viele sind nicht wirklich angehalten,
das Haus energiesparend zu bewohnen. Es stört viele nicht, in der Übergangszeit
bei eingeschalteter Heizung die Fenster auf Dauerkippstellung
zu lassen. Die Heizkosten sind aufgrund der billigen Energiepreise
dennoch erträglich, und daher ist Energiesparen nicht wirklich erstrebenswert.
Das primäre Anliegen ist das Erhalten aller möglichen Förderungen.
3.) Förderungen sind nur eine Notmaßnahme gegen veraltete
Strukturen
Zu jeder Energiesparförderaktion bzw. zu jedem Energiegesetz lassen sich
genügend Beispiele für Misserfolg bis hin zum Missbrauch finden. Mit einer
Fülle von Förderungen werden derzeit der Einsatz erneuerbarer Energiequellen
und Energiemaßnahmen unterstützt, die sich ansonsten wegen
des niedrigen Energiepreises nicht amortisieren würden. Mit keinem noch
so gut ausgeklügelten Fördersystem wird es gelingen, grundlegend falschen
Entwicklungen, die zu hohem Energieverbrauch und Belastungen
führen (z.B. lange Pendler- und Gütertransportstrecken, …), Einhalt zu bieten
und alle Facetten einer sinnvollen Energieminimierung auszuschöpfen.
Solange Energie billig ist, kümmert sich kaum jemand um deren Einsparung
– es ist einfach nicht notwendig, sich damit zu beschäftigen.
Wir wissen, dass das Preisgefüge von Energieträgern und anderen Rohstoffen
nicht der Kostenwahrheit entspricht. Würde man die Förderungen bei
der Atomenergie und beim Kohlebergbau streichen sowie die Versicherungs-
und Folgekosten für Umwelt- und Klimaschäden durch entsprechende
Abgaben in den Energiepreis einrechnen, könnten sich erneuerbare
Energieträger gegenüber den fossilen ohne Förderungen durchsetzen.
Solange sich jedoch die Interessenvertretungen und die Energiewirtschaft
erfolgreich gegen eine Verteuerung der fossilen Energie stellen, sind Förderungen
ein notwendiges Übel.
Ökosoziale Wirtschaftsreform
Ressourcensteuer, CO2-Steuer, Steuerentlastung für Arbeitszeit
Um den Kampf gegen die globale Erwärmung zu gewinnen, ist es nötig,
500 Millionen europäische Bürger (und auch amerikanische, japanische
und chinesische Bürger) zu mobilisieren. Wie soll das geschehen? Gewiss
nicht durch öffentliche Appelle, fossile Energie einzusparen und zu erneuerbarer
Energie überzugehen. Solche Appelle mögen notwendig sein,
aber sie sind nicht genug. Um das Verhalten von Hunderten von Millionen
von Menschen zu verändern, bedarf es wirkungsvollerer Mittel als moralischer
Appelle. Wir brauchen ein wirksames System von Anreizen und Abschreckungen.
Ein ganz einfaches Modell könnte den Weg zur Energiewende bahnen.
Das Wort „Steuer“ hat auch die Bedeutung „lenken“. Diese Bedeutung sollte man den Steuern in der Gesetzgebung zukommen lassen – derzeit
haben Steuern die negative Bedeutung von „Abkassieren“.
Wir wollen die Energiewende ansteuern. Dazu können wir Steuern
verwenden, um den richtigen Weg anzusteuern.
Dass die bisherigen Versuche zur Durchsetzung von Klimaschutzmaßnahmen
scheiterten, lässt sich einfach auf den billigen Energiepreis
und die viel zu teure Arbeitszeit zurückführen. Dieser
Umstand ist nicht nur für die Energiewende fatal, sondern auch
gesellschaftlich höchst problematisch. In fast allen Bereichen verursacht
die Arbeitszeit die höchsten Kosten. Bei jeder Einsparung
wird immer zuerst versucht, die teure Arbeitszeit - d.h. Beschäftigte
- einzusparen. Wenn eine Arbeitskraft mit 20.000  brutto Jahresgehalt
eingespart werden kann, darf bis zu 200.000 kWh Energie
(Strombedarf von 60 Durchschnittshaushalten) zusätzlich verbraucht
werden. Dieser Energieverbrauchszuwachs spielt sich oft
nicht lokal ab, sondern ist verborgen (z.B. in Transportenergie,
Herstellungsenergie von neuen Produkten, anstatt diese zu reparieren).
Wer leistet sich heutzutage schon einen „offiziellen“ Handwerker
im privaten Bereich? Von den 50 , die eine Arbeitsstunde kostet,
bekommt der Handwerker selbst nur ca. 10  rein auf die Hand.
Alles andere geht an Mehrwertsteuer, Lohnsteuer mit Dienstnehmer
und Dienstgeberanteil, Kommunalsteuer, Versicherungen
und sonstige Lohnnebenkosten. Es ist daher klar, dass arbeitsintensive
Tätigkeiten in Billiglohnländer abwandern, während wir uns in den
reicheren Ländern lediglich mit Transportlogistik beschäftigen. Sogar hoch
qualifizierte Arbeiten – wie Softwareentwicklung – wandern schon in Billiglohnländer
(z.B. Indien) ab. Energieintensives Produzieren ist billiger als
die Arbeitszeit für Reparaturen. Damit dieses System aufrecht gehalten
werden kann, müssen der Produktzyklus vom Rohstoff über Verwendung
bis hin zur Entsorgung immer mehr beschleunigt werden und die umgewälzten
Mengen ständig vergrößert werden.
Stellen Sie sich vor, durch den Wegfall der Steuern und Abgaben sinkt der
Preis für eine Arbeitsstunde auf ein Drittel oder noch weniger. Das hätte
gewaltige Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Der Druck der Verlagerung
der Arbeit in Billiglohnländer würde großteils wegfallen. Man könnte
es sich leisten, über individuelle Lösungen nachzudenken, mehr Zeit in
Qualitätssicherung zu investieren, zu reparieren anstatt wegzuwerfen, ...
Eine Tätigkeit einmal nicht in der optimalen Zeit zu erledigen, hätte dann
auch nur eine viel geringere Auswirkung. Somit würde der Leistungsdruck
und Stress nicht mehr so stark auf Arbeitnehmern und Arbeitgebern lasten.
Um unser Sozialsystem abzusichern, brauchen wir gewisse Abgaben. Die
ökologische Steuerreform soll nur eine Umschichtung der Abgaben bewirken.
Die durch die Entlastung der Arbeitszeit entgangenen Einnahmen
werden aus einer CO2-Steuer, Besteuerung fossiler Energieträger (und später
aller nicht erneuerbaren Rohstoffe) ausgeglichen. Im Endstadium der
Energiewende – also wenn keine fossile Energie mehr verwendet wird –
gibt es keine Einnahmen aus der Besteuerung der Fossilenergieträger. Es
muss dann auf eine Besteuerung von (Energie)Produktionsflächen, Nutzflächen
und Transportabgaben übergegangen werden.

Das Zusammenwirken von Abgabenbefreiung der Arbeitszeit und Energieverteuerung
bringt eine Stärkung von lokalen Wirtschaftsräumen, mehr
Zeit für zeitintensive Tätigkeiten und kreative Entwicklungen.
Leider wird derzeit das Wirtschaftswachstum immer noch mit einer Energieverbrauchssteigerung
verknüpft. Die Frage ist, ob Wirtschaftswachstum
im heutigen Sinn weiterhin ein Ziel bleiben soll.
Im Zusammenhang mit Verteuerung
der Energie wird häufig
Schwarzmalerei betrieben:
• Leute mit geringeren Einkommen
können sich die Heizkosten
nicht leisten
• Pendlern kommt die Fahrt zum
Arbeitsplatz zu teuer
• ...
Das sind Fakten, die aus Sicht der
Energiewende als erstes ausgemerzt
werden sollten und die
nach vollzogener Energiewende
nicht mehr relevant sind. Gebäude
mit hohen Heizkosten müssen
als erstes saniert werden. Durch
die Stärkung der regionalen Strukturen
und Vergünstigung der Arbeitskraft
wird sich das Pendeln
vielfach erübrigen.
Sämtliche Punkte, die gegen die Energieverteuerung sprechen, sind eigentlich
die vordringlichsten, die nach einer Alternative oder Verbesserung
schreien. Natürlich kann die „Umsteuerung“ zu einem ökologischen
Steuersystem nicht von heute auf morgen erfolgen.
Es gibt zahlreiche seriöse Untersuchungen, die jedem Staat volkswirtschaftliche
Vorteile durch eine ökologische Umsteuerung bestätigen. Es ist
auch möglich, dass einzelne Staaten eine ökologische Steuerreform im Alleingang
mit Erfolg durchführen.
Mehr darüber kann z.B. in den Arbeiten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
nachgelesen werden: http://www.diw.de/deutsch/
produkte/projekte/docs/evu_oekosteuerreform_summary.html
Langfristige Strategien gefragt
Die Energiewende ist ein langfristiges Ziel. Daher müssen die Planungen
von Förderungen, Steuern und fairen Übergangsstrategien auf dieses Ziel
ausgerichtet werden.
Wir leben in einem System, in dem der freie Wettbewerb gilt – das gilt
auch für Strategien und die Gesellschaftsentwicklung. Wer etwas verkauft,
kann sich die Werbung für sein Produkt selbst finanzieren. Werbung für
Einsparungen und Bewusstseinsbildung kann sich nicht selbst finanzieren.
Es ist erschreckend, wie wenig in der Bevölkerung über erneuerbare Energien
und die Energiewende bekannt ist.
Um der Energiewende eine Chance zu geben und um im freien Wettbewerb
bestehen zu können, müssen ausreichende finanzielle Mittel für die
Werbung und Bewusstseinsbildung aus öffentlichen Geldern bereitgestellt
werden. In einer Demokratie kann sich nur die Mehrheit durchsetzen. Politiker,
die von der Mehrheit gewählt werden, können nur das umsetzen,
was vor der Mehrheit verantwortet werden kann.
Der Zeitplan zur Energiewende muss möglichst knapp festgelegt werden.
Mit Übergangsbestimmungen sind die „Härtefälle“ auszugleichen, um Betrieben
und Arbeitskräften ausreichend Zeit für Produktionsumstellung, regionale
Ansiedelungen und Umschulungen zu geben. Je früher Ecktermine
– wie Inkrafttreten der Einzelschritte der ökologischen Steuerreform,
Verteuerung von Energie, Ausgleichsförderungen mit Ablaufdatum, usw.
und deren Inhalte bekannt sind, umso früher kann sich jeder darauf einstellen.
Beim Vollzug der Energiewende geht es nicht darum, die Fossilenergiebranche
und alle, die damit zu tun haben, arbeitslos zu machen, sondern
nur darum, Fossil- und Atomenergie durch erneuerbare Energie und Energieeinsparungen
zu ersetzen. Daher ist es notwendig, den benachteiligten
Betroffenen die Entfaltung in den nachhaltigen Bereichen in fairer Weise
zu ermöglichen.
Günter Wind

Energiewende Teil 1 28-Dec-2006 21:13

Niemand kann ausschließen, dass es wirklich zu der befürchteten Klimakatastrophe
kommt, lange bevor die fossilen Energieträger erschöpft
sein werden. Auch wenn Zweifler die Wahrscheinlichkeit einer
solchen Klimakatastrophe für gering halten oder die Folgen für erträglich
halten, gibt es doch die anders lautenden Aussagen vieler
Fachleute (Meteorologen, Biologen, …), die so gravierende Folgen vorhersagen,
dass die politische Verantwortung es erfordert, die Treibhausgas-
Emission möglichst rasch einzubremsen.
Wir müssen davon ausgehen, dass in nicht so ferner Zukunft die Ausbeutung
der fossilen Energieträger und des Urans den wachsenden
Energiebedarf der Menschheit ohnehin nicht mehr zu decken vermag.

Energiewende – 100% aus
erneuerbaren Energiequellen
sind möglich
1. Grundlagen zur Energiewende
Es gibt eine Vielzahl verschiedener Szenarien und Strategien, wie sich die
Energieversorgung und der Umstieg auf erneuerbare Energiequellen entwickeln
könnten. In folgendem sollen Grundlagen für das Erreichen der
Energiewende mit den bereits zur Verfügung stehenden Techniken dargestellt
werden.
Von der Energiewende erwarten wir, dass sie sowohl ökologisch und ökonomisch
als auch politisch in nachhaltiger Weise tragfähig ist, d.h. es sollen
nicht nur die wohlhabenden Staaten ihren Energiebedarf decken können,
sondern allen Staaten soll ein vergleichbarer Lebensstandard zugesprochen
werden. Der daraus resultierende Energiebedarf ist aus erneuerbaren
Quellen aufzubringen. Dieser Energiebedarf ist nicht für alle Regionen
gleich, sondern ist abhängig von der geografischen Lage (Heizenergiebedarf,
Kühlbedarf, …).
Es geht um eine globale Lösung, die allen Menschen zugute kommt und eine
Basis für den Weltfrieden darstellt – „kein Krieg um Ressourcen“. Jede
ungerechte Energieaufteilung – vor allem, wenn es um den Verbrauch von
fruchtbaren Landflächen zur Energie- und Nahrungsmittelproduktion geht
– bedeutet eine Gefahr für den Frieden. Weil
die Energiegewinnung aus Biomasse derzeit
billiger als die Nutzung des überreichlich vorhandenen
Sonnenenergiepotenzials ist, sind
reiche Länder versucht, auch die Biomassepotenziale
und das niedrige Lohnniveau der
ärmeren Länder auszuschöpfen. Spätestens
bei Missernten führt dies in den betroffenen
Ländern zu Energiemangel, Hungersnöten
und Konflikten. Selbst wenn die langfristige
Energiespeicherung und der Energietransport
über weite Strecken gelöst ist (z.B. Wasserstofftechnologie),
ist es nicht erstrebenswert,
die Flächen anderer Länder für den eigenen
Bedarf zu beanspruchen, zumindest solange
nicht deren eigener Energiebedarf und Lebensstandard
sichergestellt ist.
Die Atomenergie stellt wegen begrenzter Uranreserven, ungelöster Abfallprobleme
und ihres hohen Gefährdungspotenzials keinen Beitrag zur
Energiewende dar, auch wenn weltweit immer wieder versucht wird, die
Atomenergie mit dem Argument der CO2-Einsparung zu forcieren.
Weltweit werden derzeit nicht ganz 14% des gesamten Energieaufkommens
aus erneuerbaren Quellen aufgebracht. In der EU liegt deren Anteil
unter 10%. Österreich hat aufgrund der reichlichen Wasserkraftnutzung
mit 22% erneuerbarer Energie einen überdurchschnittlich hohen Anteil.
Dennoch ist die Herausforderung für „begünstigte“ Länder kaum geringer als für Staaten mit derzeit viel weniger erneuerbarer Energie wie z.B.
Deutschland. Ob 78% od. 96% Fossilenergie ersetzt werden müssen, bedeutet
keinen so großen Unterschied – zumal das billige halbwegs ökologisch
verträgliche Großwasserkraftpotenzial in den meisten Industrieländern
bereits ausgeschöpft ist. Besonderes Augenmerk sollte auf die Energieproduktion
der aufstrebenden Entwicklungsländer gelegt werden. Vielfach
werden von dort von den Industrieländern Fossilenergie- und Atomkraftwerke
errichtet; es wäre doch wesentlich kostengünstiger und ökologisch
sinnvoller, gleich den richtigen Weg zur erneuerbaren Energieversorgung
einzuschlagen.
2. Strategien zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen
Bis auf die direkte Sonnenenergienutzung sind alle übrigen erneuerbaren
Energieformen (Wasserkraft, Wind, Biomasse) nur in begrenztem Ausmaß
verfügbar. Die Geothermie stellt uns zwar ein recht großes Potenzial zur
Verfügung, welches jedoch mit den heutigen Techniken nur in sehr begrenztem
Ausmaß genützt werden kann – z.B. an Thermenlinien, wo bereits
in wenigen km Tiefe genügend hohe Temperaturen zur Energieerzeugung
auftreten.
Eines steht fest: Bis zum Erreichen der Energiewende werden die Energiekosten
ansteigen, denn es müssen Technologien mit höheren Stromgestehungskosten
eingesetzt werden. Nicht zu vergessen ist, dass die heutige
Energieproduktion aus fossilen und nuklearen Quellen aus öffentlichen
Geldern hoch subventioniert ist, da Folge- und Nebenkosten von der Allgemeinheit
getragen werden.
Das Handicap der Sonnenenergienutzung, aber auch der Wasserkraft und
Windenergie ist, dass das Energieangebot meist nicht mit dem augenblicklichen
Bedarf zusammenfällt. Das Sonnenenergieanbot ist zwar (fast) unerschöpflich,
dennoch ist nur die Solarwärmenutzung
(Warmwassererzeugung) mit günstigen
Kosten umsetzbar. Die Sonnenstromerzeugung
(Photovoltaik, solarthermische Generatoren),
welche die Hauptrolle in der Energieproduktion
übernehmen muss, ist mit den heutigen
Technologien teurer als Strom aus den anderen
erneuerbaren Quellen; obgleich nach
Aufnahme einer Massenproduktion noch ein
erhebliches Einsparungspotenzial zu erwarten
ist.
Nur ein gewaltiger Einsatz von Sonnenenergie
wird in den Industrieländern unseren „Energiehunger“
auf nachhaltige Weise zufrieden stellen
können.
So kann Österreich ohne Solarenergie trotz der
reichlichen Wasserkraftnutzung nur ein gutes
Drittel des derzeitigen Primärenergiebedarfs
aus heimischen erneuerbaren Quellen
decken (siehe Tab. 1 bis Tab. 3).
Die zentrale Frage der Ökonomen ist: Mit welcher Strategie können wir
den Einsatz der (derzeit) noch teuren Sonnenenergie minimieren? Die Lösung
dieser Kostenminimierung liegt in folgenden beiden Ansätzen:

a) Energiemix:
Biomasse ist der einzige erneuerbare Energieträger, der sich über lange
Zeit verlustfrei speichern und jederzeit abrufen lässt. In geringem Mengenausmaß
gilt dies auch für Geothermie
und Speicherwasserkraftwerke.
In Pumpspeicher-
Wasserkraftwerken können
Energieüberschüsse auch
gepuffert werden, um z.B. den
Strombedarf bei Nacht und
Schlechtwetterphasen auszugleichen.
Die Speicherkraftwerke
reichen jedoch bei weitem
nicht aus, um den Sonnenenergiemangel
im Winterhalbjahr
auszugleichen. Daher
dient die Biomasse in erster Line
als Energiespeicher für das Winterhalbjahr.
Theoretisch könnte man die Solarenergienutzung
so weit ausbauen, dass wir
damit auch im Winter unseren Energiebedarf
decken könnten; dies wäre jedoch
mit einer sehr teuren Überdimensionierung
und einem hohen
Flächenverbrauch verbunden und
würde im Sommer hohe Überschüsse
produzieren.
Die Anwendung verschiedener
nicht steuerbarer Energiequellen
führt automatisch zu einem teilweisen
Ausgleich von Produktionsspitzen
und -minima; Wind
geht auch in der Nacht, im Winter
und bei Schlechtwetter, Sonnenschein
bei Windflaute, …). Zusätzlich sorgt auch das Stromnetz für einen
Lastausgleich: z.B. der Überschuss im momentan sonnigen Deutschland
deckt den Energiemangel im bedeckten Österreich.
b) Energieeinsparung
Der vollständige Umstieg auf eine erneuerbare Energieversorgung wird
durch Energiesparmaßnahmen wesentlich erleichtert. Wenn die Energie
teurer wird, rentieren sich Energiesparmaßnahmen von allein. Vor allem in
den energieintensivsten Sektoren, Raumwärmerzeugung und Verkehr,
muss der Sparstift angesetzt werden. Durch den konsequenten Einsatz
von Wärmedämmung an Gebäuden können aus bestehenden alten energiefressenden
Gebäuden auf einfache Weise hochwertige Niedrigstenergiehäuser
hergestellt werden.
Im Sektor Verkehr ist ein Umdenken und ein Umstieg auf intelligente Lösungen
erforderlich, die eine Verkehrsreduktion bei gleicher Lebensqualität
ermöglichen. Mobilität ist an sich kein Bedürfnis, sondern Mittel zum Zweck, Pendler pendeln nicht, weil sie so gerne pendeln,
sondern weil sie zur Arbeit wollen. Die Attraktivierung des
öffentlichen Verkehrs, einfachere Lösungen für Fahrgemeinschaften,
Regionalisierung der Wirtschaft anstatt
Zentralisierung mit Pendelverkehr verbergen ein großes
Potenzial zur Energieeinsparung.
Der derzeitige Energieverbrauch muss schon allein deshalb
reduziert werden, damit unser Biomassepotenzial für
den Winter überhaupt ausreicht.
3. Globale Überlegungen zur Energieaufbringung
• In den äquatornahen Gebieten (Tropen und Subtropen) ist das Anbot an
Solarenergie nur geringen jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen.
Lediglich die kurzfristigen Differenzen zwischen Energieangebot und
Nachfrage sind durch Energiepufferung (z.B. Speicher-Wasserkraftwerke)
oder mit geringem Einsatz von Biomasse (=gespeicherte Sonnenenergie)
auszugleichen.
Die Sonnenenergienutzung ist gerade in diesen Region für Wärme-, Kälte-
und Stromerzeugung am effektivsten. Damit könnten die spärlichen
Holzvorkommen in den Steppen und Savannen geschont werden, was
gegen die Wüstenausbreitung wichtig wäre. Durch eine unkontrollierte
und ineffiziente Biomassenutzung hat z.B.
Äthiopien seinen Waldbestand von 25% auf
derzeit 4% reduziert.
• Je größer der Abstand vom Äquator ist, umso
ausgeprägter werden die jahreszeitlichen
Schwankungen im Solarenergieangebot, und
umso höher wird im allgemeinen der Energiebedarf
für die Raumheizung im Winter. In diesen
Breiten befinden sich die „klassischen“ Industrieländer
mit hohem Energiebedarf. Die
saisonale Energiespeicherung ist derzeit
noch weitgehend ungelöst. Lediglich bei
Speicher-Wasserkraftwerken ist eine mehrmonatige
Energiespeicherung mit zumeist
hohen ökologischen Verlusten umsetzbar.
Solange die Speichertechniken (Wasserstoff,
Magnetspeicherung, …) noch ungelöst sind, ist Biomasse als gespeicherte
Sonnenenergie die „Energieaushilfe“ im Winterhalbjahr. Das Sommerhalbjahr
ist für die Sonnenergienutzung prädestiniert.
Die Energiewende ist gleichzusetzen mit einem Umstieg ins solare Zeitalter.
Um den negativen Auswirkungen des Treibhauseffekts zu entgehen,
ist es klüger, die Energiewende freiwillig und früher als durch Rohstoffverknappung
erzwungenermaßen und später herbeizuführen. Je schneller
dieser Umstieg erfolgt, umso geringer sind die klimatologischen und gesellschaftlichen
Risiken.
Das Herbeiführen der Energiewende muss durch politische und gesellschaftliche
Maßnahmen gesteuert werden. Mehr darüber in der nächsten
SOL-Ausgabe.
Günter Wind

Meine letzten Einträge im Forum (10520):